Conny Dethloff

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Conny Dethloff ist im Jahr 1974 geboren und hat sein Studium als diplomierter Mathematiker 1999 abgeschlossen. Direkt im Anschluss ist er in die Wirtschaft aktiv eingestiegen, bis 2011 als Unternehmensberater bei PwC und IBM Deutschland GmbH und ab dem Jahre 2012 bei der OTTO GmbH & Co KG



Ich glaube es war Mitte des Jahres 2006, als ich begann mich etwas intensiver mit den “eigenartigen und komischen” Vorgängen in der Wirtschaft zu befassen. Mir begann kristallklar zu werden, dass irgendetwas nicht passte; ich wusste nur nicht was und ich konnte es auch noch nicht in Worte fassen. Ich startete eine Reise, ich kannte nur noch nicht das Ziel und auch noch nicht den Weg. Eines begann ich aber zu begreifen, die Themen in der Wirtschaft wurden nicht ganzheitlich genug und zu kurzfristig betrachtet.

Ich packte also meinen Rucksack…

und schnürte als erstes die Themen System- und Chaostheorie.

Als ich mich durch verschiedene sehr interessante Bücher und Artikel gewühlt habe, merkte ich zwar, dass ich mein Wissen in diesen Bereichen erweitert habe, ich erkannte aber noch keinen Zusammenhang zur Wirtschaft. Ich reflektierte mein Wissen und erkannte, und das ist aus meiner Sicht, zusammen mit der nicht-ganzheitlichen und kurzfristigen Denk- und Arbeitsweise, der dritte Knackpunkt, an dem es hapert: Dinge werden nicht tiefgründig genug analysiert. Es wird nicht zu Ende, oder manchmal sogar garnicht, gedacht. Viel zu viele Dinge werden einfach als gegeben hingenommen, statt diese zu hinterfragen. So näherte ich mich der Erkenntnistheorie an bugsierte diese in den Rucksack. Durch die Erkenntnistheorie begann ich zu begreifen, wie und was wir Menschen überhaupt von der Umwelt wahrnehmen und wie wir Wissen erwerben und was Wissen überhaupt ist. Damit begann ich so langsam die Verbindung zur Wirtschaft zu schließen, nur ich konnte dieses noch nicht effizient und effektiv ausdrücken und kommunizieren. An diesem, Punkt half mir die Modellierung weiter. Deshalb: Hinein in den Rucksack. Ich bin starker Anhänger des MODELERs der Firma Consideo GmbH, bei der ich auch Methodenpartner bin. Beim Modellieren von Sachverhalten merkte ich mehr und mehr wie wichtig die Sprache ist. Das war mir vorher nicht so bewusst. Unsere Sprache wird von unserer Kultur und von unserer Denk- und Arbeitsweise beeinflusst. Allerdings ist auch eine umgekehrte Ursache-Wirkungsbeziehung zu beobachten. Unsere Sprache beeinflusst ganz massiv wie wir denken und was wir von unserer Umwelt wahrnehmen. Da haben wir sie, die Zirkularitäten und Rückkopplungen. Diese werden ganz besonders in der Kybernetik und der Kybernetik zweiter Ordnung behandelt, weshalb ich auch dieses Thema verinnerlichten wollte. Und Sie wissen schon: Kybernetik in den Rucksack gepackt.

… und erkannte, dass die Reise niemals enden wird.

Das Wissen, welches ich in allen angesprochenen Bereichen aufgebaut habe, hat mir dazu verholfen den Weg, den ich beschritten nachträglich nachzuzeichnen, aber auch schemenhaft voraus zu projezieren. Ziel dieser Homepage ist es, Sie mit auf die Reise zu nehmen. Das Ziel kann ich Ihnen allerdings nicht sagen. Ich kenne es nicht und das ist das Spannende. Es geht mir jetzt nicht mehr nur darum die Wirtschaft zu verstehen, sondern viel mehr die gesamte Ökonomie und das Leben der Menschen. Denn, so ist das mit dem Wissen. Je mehr Wissen man sich aneignet, desto größer wird das bekannte Nichtwissen und desto größer wird auch der Drang das bekannte Nichtwissen in Wissen umzuwandeln.

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Conny Dethloff
Conny Dethloff hat auf einen Kommentar geantwortet, vor 10 Monate
[gelöschter Benutzer]
Hallo Conny,

du beginnst deinen Podcast damit, dass du die Beweggründen hinter „meiner Rolle Mensch“ erläutern möchtest.
„Meine Rolle Mensch“ interpretiere ich hier zunächst als deine Sicht auf deine eigene Person. Mit den Fragestellungen (vielleicht etwas stark vereinfacht ausgedrückt) „Wie möchte ich agieren und wie möchte ich wahrgenommen werden?“. Und im weiteren Beitrag erweitert darauf, auch die Menschen im Umfeld ebenso wahrzunehmen. Sie nicht auf funktionale Rollen zu beschränken sondern als ganze Menschen zu sehen.
Hier entstehen für mich verschiedene Fragestellungen:
Kann ich den eigenen Anspruch und das eigene Verständnis dessen was ich sein will auf andere Menschen 1:1 übertragen?
Du sagst, dass du gerne und häufig Verantwortung übernimmst. In diesem Zusammenhang wäre die Beschränkung auf eine dir einmal zugeschriebene funktionale Rolle hinderlich. Dem stimme ich voll und ganz zu. Allerdings hast du meines Erachtens hier schon eine Grundvoraussetzung dafür genannt, dass du wesentlich besser und wertschöpfender agieren kannst, wenn du nicht auf eine bestimmte Rolle festgelegt wirst. Nämlich die Bereitschaft und Neugier Aufgaben und Probleme von allen Seiten zu betrachten, sich mit dem eigenen Wissen und Können vollumfänglich einzubringen und damit schlussendlich auch Verantwortung zu übernehmen.
Diese Eigenschaften sind nach meinem Erleben unterschiedlich stark bei Menschen ausgeprägt. Hier denke ich, liegt eine Ursache, weshalb Menschen sich auf funktionale Rollen selbst beschränken. Denn damit ist das Mindestmaß an Verantwortung definiert/umrissen, dass sie übernehmen müssen. Kann es hier nicht auch hilfreich sein funktionale Rollen zu definieren, um klar und deutlich zu machen, dass die Übernahme von Verantwortung hier erwartet wird?
Es gibt den schönen Satz „der Mensch wächst mit seinen Anforderungen“. Von daher ist es sicherlich richtig auch die von mir beschriebenen Menschen immer als „gesamten Menschen“ zu sehen um das Maximum ihres Könnens und Wissens verfügbar zu machen – und vielleicht auch ihre Bereitschaft sich außerhalb ihrer funktionalen Rolle einzubringen zu steigern.
Nur: Wie finde ich den schmalen Grad zwischen Forderung und Überforderung?
Und: Wieviel Förderung kann ich in einem Projekt und dem immerwährenden Druck mit möglichst wenig Ressourcen und kurzer Zeit möglichst viel Mehrwert zu liefern ermöglichen?

Noch eine zweite Frage zur Abgrenzung komplexer zu komplizierten Anteilen einer Aufgabe / eines Problems danach, ob sie handlungsleitend beschreibbar sind. Ist diese Definition universell? Oder muss sie nicht immer im persönlichen Kontext der Fähigkeiten der Person betrachtet werden?
Um bei dem Malerbeispiel zu bleiben:
Maler Paul sieht die Aufgabenstellung und kann aus verschiedenen in der Vergangenheit bereits gelösten Projekten Vorgehensweisen übernehmen, zu einem neuen Gesamtpaket schnüren und damit die auch von dir gestellte Aufgabe lösen. Er kann selbst eine handlungsleitende Beschreibung der Aufgabenlösung erstellen und auch anwenden.
Maler Peter hat diese Fähigkeiten zum Abstrahieren und Übertragen von bereits verwendeten Lösungsansätzen auf eine neue Aufgabe nicht in dem Umfang. Für ihn ist das Problem komplex. Auch eine Beschreibung von Paul würde ihn eventuell noch nicht in die Lage versetzen die Aufgabe zu lösen.
Ist die Unterscheidung nach komplex/kompliziert damit überhaupt anwendbar, sobald wir uns über Aufgaben unterhalten, die von Menschen gelöst werden sollen (und nicht in Abgrenzung zu von durch Maschinen lösbare Aufgaben)?

Ich hoffe, dass ich meine Gedanken verständlich ausdrücken konnte.
Herzlichen Dank für deine Gedankenschnipsel. Ich höre sie immer sehr gerne – oftmals auch mehrfach, da sie sehr komprimiert viele Denkansätze enthalten. Zumindest für mich, die sich noch nicht solange mit diesen Themen beschäftigt.

Viele Grüße
Marion
Hallo Marion,

ganz lieben Dank für Deine ausführliche Antwort und natürlich auch dafür, dass Du meine Gedankenschnipsel hörst und darüber reflektierst.

Ich möchte gerne meine Sicht zu den beiden Punkten schildern.

Zu 1. Ja, ich schreibe grundsätzlich über mich und wie ich zu Rollen stehe. Ich schildere aber auch meine Beobachtungen über das Muster, wie Menschen mit Rollen umgehen. Dieses Muster resultiert in meinen Augen aus unserer Sozialisierung in unserer westlichen Gesellschaft. Dabei versuche ich nicht überwürfig zu werden und auch nicht zu sehr zu trivialisieren, denn Menschen haben immer noch ihre Einzigartigkeit. Und ja, der passfähige Umgang mit Rollen ist komplex. Er ist nicht rezeptartig lösbar, weshalb ich nun zum Punkt 2 komme.

Zu 2. Die Unterscheidung zwischen komplex und kompliziert ist subjektiv. Sie ist abhängig von der Verfügbarkeit der sprachlichen Mittel, die einem Menschen zur Verfügung stehen. Probleme, die für mich komplex sind, da ich sie nicht handlungsleitend beschreiben kann, können für andere Menschen kompliziert sein, da sie diese handlungsleitend beschreiben können. Und das unabhängig davon, ob sie diese Probleme lösen können.

Beispiel: Ich kann handlungsleitend beschreiben, wie man ein 200 kg Gewicht heben könnte (nämlich ähnlich wie ein 10 kg Gewicht), kann es aber nicht ausführen. Ein Bodybuilder kann die 200 kg bestimmt anheben, und zwar auch nach genau der Beschreibung, wie ich sie angebe. Die 10 kg schaffe ich auch nach meiner Beschreibung.

Allerdings ist es nicht automatisch so, dass wir alle Sachen, die wir beherrschen, auch handlungsleitend beschreiben können. Beispiel: Gleichgewichthalten auf dem Fahrrad. Ich kann das, aber ich kann nicht handlungsleitend beschreiben, welche Schritte ich in welcher Reihenfolge vollführe, um das Gleichgewicht zu halten. Und weil ich das nicht kann, kann ich es anderen Menschen auch nicht anreichen.

Die Unterscheidung zwischen kompliziert und komplex wird also in meinen Augen nicht auf der Basis angestellt, ob wir die zugehörigen Probleme lösen können, sondern geschehen auf einer ganz anderen Ebene, nämlich auf der Ebene der handlungsleitenden Beschreibung. Damit wird auch klar, dass wir komplexe Probleme niemals auf Maschinen vermitteln können, da auf Grund der fehlenden handlungsleitenden Beschreibung eine Programmierung unmöglich wird. Entwickeln wir jedoch die mathematische Sprache weiter, könnte sich dieser Fakt irgendwann ändern.

BG, Conny