#FiveQuestions an Christian Bäumer

#FiveQuestions an Christian Bäumer

#FiveQuestions about Lean Management an Christian Bäumer, Smart Operations & Lean Expert bei der Atlas Copco IAS GmbH

#leanmagazin
07. Februar 2020 um 01:00 Uhr in LeanMagazin von LKB


1. Womit beschäftigst Du Dich im Kontext zu Lean, Kaizen, KVP & Co. aktuell?

Aktuell begleite ich eine umfangreiche Programminitiative, u.a. die Einführung einer neuen Produktgeneration in verschiedene Montagebereiche. Im Fokus steht der gesamte Materialfluss von Planung, Lager, Produktion bis Versand. Die Aktivitäten umfassen aber ebenso alle administrativen Bereiche der Auftragsabwicklung sowie die Modularisierung des Produktbaukastens, welche maßgeblich Einfluss auf die vorgenannten Bereiche hat, und ebenfalls Teil des Programms ist.

Das mittelfristige Ziel ist der Wandel einer funktional-hierarchischen Organisation in eine prozessorientierte Wertstromorganisation. Die Moderation von Workshops, die Durchführung von Lean Trainings, das Begleiten der Projekt-Teams bei der Arbeit sowie das Etablieren von agilen Ansätzen runden das Ganze ab.

2. Was sind aus Deiner Sicht die kritischen Erfolgsfaktoren von Lean, Kaizen, KVP, & Co.?

„Wir machen jetzt 5S“, sortieren Werkzeug und Schränke, zeichnen Linien auf den Boden, „digitalisieren" im Anschluss, was meist nur automatisiert und damit Industrie 3.0 ist, und dann „machen wir Agilität“, was Lean restlos ablöst. Als neue Sau treiben wir „New Work“ durchs Dorf, indem wir Obstkörbe und Tischkicker aufstellen.

Methode ohne Mindset wird wohl immer ein Rohrkrepierer sein! Viele Verantwortliche erkennen diesen Irrtum nicht.

Wenn Lean, Kaizen und Co. nachhaltig etabliert und zum Leben erweckt werden sollen, müssen alle - von Mitarbeiter bis Top Manager - den Sinn erkennen, und (vielleicht ein wenig) begreifen, welche ungeheuren Potentiale in einer lernenden, sich stetig weiter entwickelnden Organisation schlummern. Nur eine ehrliche, gelebte Wichtigkeit durch das Management, die Bereitschaft in Mindset und Kultur zu investieren - ohne ROI Berechnung - sowie die Beteiligung und Wertschätzung der Mitarbeiter führen zu nachhaltigem Erfolg.

3. Welchen Einfluss hat Deiner Meinung nach die Digitalisierung (Industrie 4.0) auf Lean, Kaizen, KVP & Co?

Industrie 4.0-Lösungen können uns bei der Umsetzung unterstützen, neue einfachere und schnellere Möglichkeiten zur Ermittlung von Potentialen und Analyse liefern. Wir können manuelle Aufwände reduzieren, Workflows abbilden, Fehler in Echtzeit ins Planungssystem melden, die Lean Methoden und das Mindset dahinter werden bleiben. Für mich muss der Fokus aber immer auf der Unterstützung des Menschen bei der Arbeit sein, Technologie muss helfen und nützlich sein, dann wird sie auch genutzt und akzeptiert. Zum Beispiel würde niemand heute noch einen Brief schreiben und zur Post bringen, wenn die Kommunikation per E-Mail möglich ist. Wer die Digitalisierung unserer (Arbeits-)Welt nur vorantreibt, um die Ressource Mensch noch besser auszunutzen, zu kontrollieren, zu steuern oder gänzlich zu ersetzen, wird zwar kurzfristig wirtschaftliche Erfolge erzielen, langfristig aber das wichtigste und entscheidende Gut eines jeden Unternehmens verlieren, „seine Mitarbeiter“.

4. Im Kontext zu Lean gibt es zahlreiche Methoden & Tools. Welche drei sind aus Deiner Sicht für alle, die sich mit Prozessorganisation beschäftigen, essentiell, also ein unbedingtes MUSS?

Ich bin kein Methoden-Fetischist, tue viele Dinge intuitiv und lerne später, dass die Vorgehensweise auch einen Namen hatte.

  • KVP und viel XMV („Xunder Menschenverstand“):
    Ein Unternehmen und seine Mitarbeiter zu einer lernenden Organisation zu entwickeln, mit echtem Interesse daran, sich stetig zu wandeln, anzupassen, wenn nötig neu auszurichten, das ist die Basis. Eine Organisation kann dann ihre Probleme selbst erkennen, Lösungen erarbeiten und die passende Methode finden.

  • Wertstrommethode:
    Das Bestreben, den gesamten Prozess zu verstehen, um ihn überhaupt sinnvoll gestalten zu können, hilft die Performance der gesamten Kette zu verbessern und Silos einzureißen.

  • Hoshin Kanri:
    Alle Maßnahmen müssen sich an einer Unternehmensvision, einem gemeinsamen übergeordneten Sinn orientieren.
    Hier bitte den Kunden, die Mitarbeiter und selbstverständlich auch den wirtschaftlichen Erfolg, ohne den ein Unternehmen nicht seiner Verantwortung gerecht werden kann, in den Fokus rücken.

5. Welche Veranstaltung in Bezug auf Lean, Kaizen, KVP & Co. würdest Du der LeanCommunity empfehlen?

Wissen aufbauen, neue Perspektiven entdecken, neue Themen und Technologien kennenlernen, netzwerken, diskutieren oder alles zusammen? Die Motivation hinter einem Veranstaltungsbesuch ist doch sehr unterschiedlich.

Ich bevorzuge Veranstaltungen, die mich ein Stück weit „überfordern“ und ich sozusagen aus meiner Komfortzone katapultiert werde. Je bunter die Mischung, je vollständiger und lebendiger wird das Bild in meinem Kopf. Und noch etwas kristallisiert sich für mich als besonders wertvoll heraus: Ich besuche gerne andere Menschen in ihren Unternehmen - Kontakte, welche man auf Veranstaltungen geknüpft hat - und bin immer wieder aufs Neue von der Offenheit und dem Austausch begeistert.

Aber nun doch ein paar Veranstaltungen:
Natürlich besuche ich jedes Jahr LATC, der „Digital Relaunch“ in Berlin bietet immer wieder einigen spannende Inputs hinsichtlich I4.0 und Digitalisierung, der „New Work Summit“ ebenfalls, nur mit einem stärkeren Fokus auf Organisationsentwicklung.



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