Was hat Lean mit Nachhaltigkeit zu tun? (Teil 9)

Was hat Lean mit Nachhaltigkeit zu tun? (Teil 9)

Mit dem 9. Prinzip verlassen wir den Bereich der Ökologie im Nachhaltigkeitskontext. D.h. ab hier geht es um die Bereiche, die sich mit sozialer Nachhaltigkeit befassen. Soziale Nachhaltigkeit wiederum nimmt den Mensch im System in den Fokus – wie er denkt, wie er handelt und was die Auswirkungen seines Handelns sind.

#LeanGreen #GreenIndustry
Podcast, 18. September 2023 um 04:30 Uhr in LeanGreen & Green Industry von Daniela Röcker


Diesen Artikel hören - 8:29 Minuten

Das 9. Lean-Management-Prinzip, wie von Jeffrey Liker beschrieben, besagt:

"Entwickeln Sie Führungskräfte, die die Arbeitsabläufe genau kennen, die Unternehmensphilosophie leben und sie anderen vermitteln."

Dieses Prinzip betont die Bedeutung von kompetenten und engagierten Führungskräften, die nicht nur über theoretisches Wissen verfügen, sondern auch praktische Erfahrungen in den Arbeitsabläufen des Unternehmens haben.

Es geht darum, dass Führungskräfte eine tiefgreifende Kenntnis der Prozesse und Abläufe in ihrem Verantwortungsbereich entwickeln und verstehen, wie diese zur Wertschöpfung beitragen. Indem sie die Arbeitsabläufe genau kennen, können sie Schwachstellen identifizieren, Verbesserungspotenziale erkennen und kontinuierliche Verbesserungsinitiativen vorantreiben. Sie sollten in der Lage sein, Probleme zu lösen, Engpässe zu beseitigen und den Arbeitsfluss zu optimieren.

Darüber hinaus sollten Führungskräfte die Unternehmensphilosophie und -werte verkörpern und diese an ihre Mitarbeiter vermitteln. Sie dienen als Vorbilder für eine positive Unternehmenskultur und setzen die Standards für Verhaltensweisen und Arbeitsmethoden. Sie sollten in der Lage sein, die Prinzipien des Lean-Managements in die Praxis umzusetzen und die Mitarbeiter dazu zu ermutigen, sich aktiv an Verbesserungsprozessen zu beteiligen.

Was hat das mit Aspekten der Nachhaltigkeit zu tun? Das Prinzip der Entwicklung von Führungskräften, die die Arbeitsabläufe genau kennen und die Unternehmensphilosophie leben, hat einen starken Zusammenhang mit Nachhaltigkeit. Nachhaltigkeit bezieht sich auf die langfristige Fähigkeit eines Unternehmens, seine Ziele zu erreichen, ohne die Ressourcen zu erschöpfen oder negative Auswirkungen auf die Umwelt, die Gesellschaft und die Mitarbeiter zu haben. 

Durch das Wissen und Verständnis der Arbeitsabläufe können Führungskräfte nachhaltigere Praktiken identifizieren und idealerweise gemeinsam mit den Mitarbeitenden implementieren. Sie können ineffiziente Prozesse erkennen, die Ressourcenverschwendung verursachen und diese verbessern, um die Produktivität zu steigern und den ökologischen Fußabdruck zu verringern. Darüber hinaus können sie eine Kultur des Umweltbewusstseins und der sozialen Verantwortung fördern, indem sie die Mitarbeiter dazu ermutigen, nachhaltige Praktiken in ihren täglichen Arbeitsabläufen zu integrieren.

Eine solche Weiterbildung kann auch durch externe Workshops hier auf der Leanbase wie z.B. "Sustainable Development Goals für KMU" ergänzt werden.

Führungskräfte, die die Unternehmensphilosophie leben, schaffen auch ein Umfeld, das Innovation und kontinuierliche Verbesserung fördert. Sie können eine Kultur der Nachhaltigkeit aufbauen, in der Mitarbeiter ermutigt werden, neue Ideen einzubringen und Prozesse zu optimieren, um ressourceneffizienter und umweltfreundlicher zu sein.

Insgesamt trägt die Entwicklung von Führungskräften, die die Arbeitsabläufe genau kennen und die Unternehmensphilosophie leben, zur Förderung von Nachhaltigkeit bei, indem sie die Effizienz verbessert, Ressourcenverschwendung reduziert und eine positive Unternehmenskultur schafft, die auf ökologischer und sozialer Verantwortung basiert. 

„Bevor wir Autos entwickeln und bauen, entwickeln wir Menschen.“ (Toyota)

Gutes Führungsverhalten im Alltag (lt. Toyota):

  • intelligente und herausfordernde Fragen stellen
  • konstant Herausforderugnen für kontinuierliche Verbesserung formulieren
  • die eigenen Mitarbeiter:innen unterstützen und coachen, Raum zum Scheitern geben
  • anspruchsvolle Ziele setzen und dem/der verantwortungsvollen Mitarbeiter:in die Freiheit über die Methoden der Zielerreichung gewähren

Eigenschaften von guten Führungspersonen:

  • Konzentration auf einen langfristigen Unternehmenszweck, der einen Wertbeitrag zur Gesellschaft leistet
  • Konsistente Befolgung und Wahrung der Toyota-Weg-DNA – das entsprechende Verhalten wird modelliert und allen vorgelebt
  • Sich an den Gemba begeben – den Ort des Geschehens, an dem die wertschöpfende Arbeit geleistet wird. Führungskräfte packen tatkräftig mit an und arbeiten sich in der Organisation nach oben
  • Probleme als Chancen zur Schulung und zum Coachen der eigenen Mitarbeiter nutzen

 

Die folgenden Beispiele sind Anregungen, welche Schritte zur Umsetzung von Klimazielen beispielhaft von Führungspersonen initiiert, begleitet und konkret umgesetzt werden könnten:

 

  • Verpflichtung und Vision: Führungskräfte sollten eine klare Verpflichtung zum Klimaschutz und zur Nachhaltigkeit zeigen. Sie sollten eine langfristige Vision entwickeln, die den Übergang zu einer kohlenstoffarmen und nachhaltigen Geschäftspraxis unterstützt und das Engagement aller Mitarbeiter fördert.
  • Integration von Nachhaltigkeit in die Unternehmensstrategie: Klimaziele sollten integraler Bestandteil der Unternehmensstrategie sein. Führungskräfte müssen sicherstellen, dass Nachhaltigkeitsziele in alle Unternehmensbereiche integriert werden und dass diese Ziele in Entscheidungsprozessen berücksichtigt werden.
  • Festlegung konkreter Ziele: Es ist wichtig, klare und messbare Klimaziele zu setzen, die sich auf die Reduzierung von CO2-Emissionen, den Energieverbrauch, den Ressourcenverbrauch und andere umweltrelevante Faktoren beziehen. Diese Ziele sollten ambitioniert, aber realistisch sein und einen klaren Zeitrahmen für die Umsetzung haben.
  • Ressourcen und Investitionen: Führungskräfte müssen sicherstellen, dass ausreichende Ressourcen und Investitionen zur Verfügung stehen, um die Klimaziele zu erreichen. Dies kann den Einsatz neuer Technologien, Schulungen für Mitarbeiter, die Umgestaltung von Prozessen und andere Maßnahmen umfassen.
  • Mitarbeiterengagement: Führungskräfte sollten ihre Mitarbeiter aktiv in den Klimaschutz einbeziehen und ein Bewusstsein für die Bedeutung nachhaltigen Handelns schaffen. Schulungen, Workshops und Anreize können dazu beitragen, dass die Mitarbeiter die Ziele des Unternehmens unterstützen und zu einem nachhaltigen Verhalten beitragen.
  • Messung und Berichterstattung: Führungskräfte sollten die Fortschritte bei der Erreichung der Klimaziele regelmäßig messen, überwachen und transparent darüber berichten. Eine transparente Berichterstattung stärkt das Vertrauen von Kunden, Investoren und anderen Stakeholdern und zeigt das Engagement des Unternehmens für den Klimaschutz.
  • Partnerschaften und Kooperationen: Führungskräfte sollten aktiv nach Partnerschaften und Kooperationen mit anderen Unternehmen, NGOs, Regierungen und der Zivilgesellschaft suchen, um gemeinsam an nachhaltigen Lösungen zu arbeiten und von Best Practices zu lernen.
  • Innovatives Denken: Führungskräfte sollten offen für innovative Ideen und Technologien sein, die dazu beitragen können, die Klimaziele schneller und effektiver zu erreichen. Kreativität und Mut zur Veränderung sind hier gefragt - Ikea z.B. eröffnet neue Märkte nicht mehr nur auf der grünen Wiese, sondern integriert sich in den urbanen Raum wie z.B. in Wien und öffnet u.a. begrünte Firmenflächen für die Allgemeinheit: https://www.brandeins.de/magazine/brand-eins-wirtschaftsmagazin/2022/marketing/ikea-hej

 

Diskutiere mit uns und tausche Dich mit anderen dazu auf der LeanGreen am 25. und 26. Oktober 2023 in Mannheim aus.

Lies' weiter in Teil 10 unserer Artikelreihe "Was hat Lean mit Nachhaltigkeit zu tun?", der am 02.10. erscheint oder geh' nochmal zurück zu Teil 8.



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