Losgröße "1" als Voraussetzung für Agiles Arbeiten?

Losgröße "1" als Voraussetzung für Agiles Arbeiten?

Viel Wind weht um "Agiles Arbeiten". So werden unter anderem Entwicklungszeiten drastisch reduziert. Aber reicht das im Gesamtsystem? Am Ende muss das Produkt noch hergestellt werden. Was nutzt eine Entwicklungszeit von 1 Monat, wenn der Kunde erst nach 2 Jahren "Industrialisierung" das Produkt bekommt?

Ein Lösungsansatz: die Produktionsbereiche zielen auf Losgröße "1" um selbst möglichst "Agile" zu sein und somit das fertige Produkt direkt nach der Entwicklung auf den Markt zu bringen - ohne langwierige Roll-Out Projekte!

vor 2 Wochen, 3 Tagen von Dr. Markus Schmotz


Agile UND Hardware

In einem kurzen Impulsworkshop Anfang Februar, bei Flowdays Friends, durfte ich folgende, unscheinbaren Fragen in die Expertenrunde werfen: 

  • Was unterscheidet ein physisches Produkt von einer Software Applikation?
  • Welche Hardware Eigenschaften sind nicht kompatibel mit Agiler Entwicklung?
  • Warum ist das so?
  • Was müsste sich verändern, damit das doch vereinbar ist?
  • Vor allem: was muss die "Produktion" dafür können?

Das Nummer 1 Thema, das dabei diskutiert wurde, war: Losgröße 1. Der Tenor: wenn Agile Entwicklung klappen soll, dann muss die Produktion in der Lage sein, mit einer Losgröße von 1 zu produzieren!

Warum kann eine Losgröße 1 die Grundlage sein?

Die Auflistung hier ist sicher nicht allumfassend und stößt eine Reihe ähnlicher Artikel in der nahen Zukunft an.

  • Eine Losgröße 1 erlaubt ultimative Flexibilität und Liefergeschwindigkeit.
  • Um das zu erreichen, sollten Produkte bei fixierten Schnittstellen in Modulen aufgebaut sein.
  • Der Maschinenpark ist mehr auf Varianz und Effektivität, weniger auf Effizienz ausgewählt.
  • Neue Produkte können so direkt eingeführt werden, in kleinen Stückzahlen, ohne Neuanlagen zu konzipieren.
  • Losgröße 1 ermöglicht so den unfairen Vorteil einer rasanten Time to Market.
  • Jedes Produktionslos ist eineindeutig, so kann Kundenfeedback schnell zurückverfolgt und eingearbeitet werden.
  • Verbesserungen werden so beschleunigt.
  • Der Endkunde rückt durch die schnellzyklische und adaptive Produktion noch näher an die Entwicklung.
  • Der Weg zur Losgröße 1 führt an sehr vielen anderen effizienzsteigernden Werkzeugen vorbei.

Modularisierung als Folge von Design for Change

Software macht es vor, jedes Element ist austauschbar, nahezu instantan. Genau so, sollte auch Hardware aufgebaut sein. Funktioniert ein Teil des Codes nicht: austauschen! Funktioniert eine Baugruppe nicht richtig: austauschen! Der Gedanke dahinter ist einleuchtend, aber machen wir es uns wirklich so einfach, wenn wir unsere Produktionsanlagen entwerfen?

Modularisierung folgt somit aus der Forderung nach Design for Change, genauso wie statische und strikt definierte Schnittstellen ODER besser noch: ein statischer Change Prozess für Interface Veränderungen. Ist das Produkt nun in Untergruppen unterteilt, die sich unabängig voneinander weiterentwickeln können, so ist auch eine effiziente, hoch-volumige Produktion möglich: auf Baugruppen Ebene. Bei High-Runnern natürlich auch auf Produktebene.

Was also tun?

Es gibt sicherlich kein goldenes Rezept. Drei Tips gibt es dennoch:

  • Priorisiert Losgrößenreduktion in eurer Roadmap
  • Priorisiert flexible Anlagen gegenüber statischen, hoch-effizienten Maschinen
  • Fangt an eure Produkte in unabhängige Kompontenten zu unterteilen (Modularisierung)

Viel Erfolg auf eurer Reise!



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