Sieben Tipps für eine bessere Streitkultur

Sieben Tipps für eine bessere Streitkultur

In einer Zeit, in der die Verrohung der Sprache zunimmt, ist es sinnvoll, sich zu überlegen, wie man trotz unterschiedlicher Standpunkte einen gemeinsamen Nenner finden kann, damit das Schaffen einer tragenden Basis und ein zivilisierter Umgang miteinander möglich bleiben.

#leanmagazin
am 29. 01. 2021 um 04:30 Uhr in LeanMagazin von Dr. Thomas Daniel Zabrodsky


Der folgende Beitrag möchte dazu sieben Tipps geben, wie die gemeinsame Streitkultur verbessert werden kann. Die sieben Tipps folgen keiner bestimmten Reihenfolge und sind in Kombination am effektivsten.

  1. Selbstreflexion. Die eigene Meinung und die eigene Perspektive sollte man in regelmäßigen Abständen einer kritischen Prüfung unterziehen. Dazu gehört auch, dass man eigene Fehleinschätzungen zugeben kann. In heutigen Diskussionen geht es manchen immer häufiger nur darum, den Streit zu gewinnen und weniger darum eine gute Lösung zu finden.
  2. Persönlicher Kontakt. Wir leben in einer Zeit mit vielen verschiedenen technischen Möglichkeiten, die es uns stark vereinfacht haben, miteinander in Kontakt zu treten. Diese sollten wir auch nutzen, doch für das persönliche Gespräch gibt es keinen Ersatz. Beim e-mail-Verkehr fällt zum Beispiel die gesamte nonverbale Kommunikation weg, was leicht zu Fehlinterpretationen führen kann. Emojis können diesen Zweck nicht erfüllen. Gestik und Mimik verraten viel über uns. D.h. zum einen, unsere Körpersprache hilft unserem Gegenüber unsere Aussagen in einen Kontext zu setzen und zum anderen, dass wir diese mit Bedacht einsetzen sollten. Wie Paul Watzlawick schon sagte „Wir können nicht, nicht kommunizieren“.
  3. Keep cool. Man sollte dafür Sorge tragen, dass die Situation nicht emotional aufgeladen wird. Dies ist nicht immer leicht und manchmal sogar sehr schwer. Eine emotional überladene Situation verunmöglicht aber einen sachlichen Argumentationsaustausch. Manche setzen auch bewusst Emotionen oder Fehlinformationen ein, um eine Diskussion zu verschleppen. Dann sollte man sachlich und schlicht darauf hinweisen und deutlich machen, dass eine Aussage falsch oder unverständlich war.
    Man sollte auch versuchen fokussiert zu bleiben und irrelevante Details oder endlose Wiederholungen vermeiden. Die ständige Wiederholung von gegenseitigen Anschuldigungen lässt eine Diskussion ebenfalls leicht abschweifen.
  4. Präsent sein. Man sollte während der Diskussion körperlich und geistig anwesend sein. Nicht nur mit einem Fuß im Zimmer stehen, auf einen Bildschirm klotzen oder sich mit dem Körper abwenden. Erstens kann man so leicht Dinge übersehen und zweitens vermittelt man damit den anderen Personen, dass diese und ihre Anliegen nicht wichtig sind.

  5. Andere Sichtweisen. Es gilt sich mit dem Verhalten und den Erwartungen der anderen vertraut zu machen, um deren Standpunkt und Gefühle besser zu verstehen. Ehrliche Bedenken sollten von beiden Seiten auch geäußert werden, da sie sonst zumeist später an die Oberfläche brechen.

  6. Gleichberechtigt diskutieren. Vorausgesetzt alle sind redlich an einer Lösung interessiert, sollte man sich auf Augenhöhe begegnen. Einer anderen Person die Legitimität im Vorhinein abzusprechen, führt in den meisten Fällen zu einem schlechteren Ergebnis und/oder Aggression. Hier kann es auch helfen, sich im Vorhinein auf bestimmte geteilte Eckpunkte zu verständigen.

  7. Die Zeit im Auge behalten. Man sollte Pausen machen, dadurch aber nicht den Diskussionsfluss stören. Auch sollte man nicht auseinandergehen, bevor eine Frage geklärt wurde, da dies die Lösung nur verschleppt. Wenn eine Pause nur genützt wird, um Anschuldigungen zu erneuern, führt dies ebenfalls zu keiner brauchbaren Lösung.

Ich hoffe, die sieben Tipps können hilfreich sein, auch wenn sie nicht immer ganz leicht umzusetzen sind. Es streitet sich dann aber wesentlich besser.


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