Organisationen werden nie besser sein als ihre Mitarbeiter

Organisationen werden nie besser sein als ihre Mitarbeiter

Stellen Sie sich einmal vor, also angenommen, es gäbe kein Weiterbildungssystem.

Was ich meine ist, Sie sollten – gerne auch mit einigen Kolleginnen und Kollegen – darüber nachdenken, wie Sie Mitarbeitende, die Sie künftig in einer Führungsposition sehen, qualifizieren, damit diese den künftigen Anforderungen als Führungskraft gewachsen sind und Sie müssten jetzt ein „berufliches Weiterbildungssystem“ erfinden. Können Sie mir insoweit folgen? Darüber hinaus können Sie dieses gerne auch auf das Beispiel des kontinuierlichen Verbesserns von Prozessen übertragen und damit, wie Sie Mitarbeitende qualifizieren, damit diese jeden Tag in Organisationen eigenständig Prozessverbesserung betreiben.

#leanmagazin
am 25. 02. 2016 um 08:47 Uhr in LeanMagazin von Ralf Volkmer


Was also würden Sie tun?

Ich bin mir sicher, Sie würden im Team darüber diskutieren, jeder würde seine Gedanken einbringen, sie würden gemeinsam formulieren, was für dieses „Vorhaben“ an Inhalten wichtig ist. Vielleicht würden Sie auch noch (Fach)Spezialisten und vielleicht sogar Lernpsychologen befragen. Am Ende, und auch da bin ich mir ziemlich sicher, hätten Sie ein „System“ entwickelt, welches nichts mehr (oder zumindest zu 70%) damit zu tun hat, wie heutzutage Weiterbildung in den meisten Organisationen erfolgt, oder?
Was ich meine ist, dass sich in den letzten gut und gerne 10 bis 20 Jahren nicht wirklich viel verändert hat. Es wird schon hin und wieder die sprichwörtliche „neue Sau“ durch das Dorf getrieben.

Erinnern Sie sich einmal:

Mal war es E-Learning, dann Blended-Learning, heute ist es Gamification. Andere wollen von diesem ganzen „neumodischen Kram“ nichts hören und setzen nach wie vor auf Seminare, wieder andere meinen, sie müssten die Mitarbeiter in einen Hochseilgarten zwecks Teambuilding entsenden oder was auch immer Sie sich vorstellen können. Das Ganze natürlich damit gepaart, dass in Zeiten der Hochkonjunktur keine Zeit vorhanden ist, Mitarbeitende zu entwickeln und in Zeiten, wo die Kunden mal wieder nichts bestellen, schlichtweg keine Geld ausgegeben werden darf, weil gespart werden muss.
Wissen Sie, was ich meine? Ich meine, dass das, was wir mit den Mitarbeitenden machen, schizophren ist. Wenn wir Mitarbeitende im klassischen Weiterbildungssystem vollpumpen mit Inhalten in der gutgemeinten Hoffnung, dass diese „wertschöpfend“ angewendet werden.

Wann haben Sie am besten gelernt? Erinnern Sie sich auch daran noch? Am besten habe ich gelernt, wenn ich Zeit hatte nachzudenken und nicht gestresst war. Vor allem aber habe ich am meisten gelernt, wenn ich ausprobieren, ja experimentieren konnte, wenn ich mich mit anderen und/oder auch mit einem Experten darüber austauschen konnte, was funktioniert hat und was schief gelaufen ist.
Sie müssen nicht mit mir einer Meinung sein, doch glaube ich, dass unser „Weiterbildungssystem“ noch immer den preußischen Tugenden folgt. Hauptsache die Inhalte sind definiert und verwaltungstechnisch durchorganisiert, das Ganze dann noch gepaart mit Mitarbeitenden, die nicht widersprechen, damit am Ende nach Vorschrift das angeblich Erlernte – ohne zu hinterfragen – angewendet wird.

Manchmal habe ich den Eindruck, dass leider noch immer kreative und mitdenkende Mitarbeiter in der einen oder anderen Organisation nicht gebraucht werden können oder sogar nicht gewollt sind?!

Wenn ich daran denke, was gerade im Kontext zu Industrie 4.0 oder Arbeit 4.0 geschrieben bzw. gesagt wird, dann meine ich, dass wir heute noch nicht wissen, welche Berufe es in Zukunft geben wird. Und wir stecken nach wie vor die Dreißigjährigen in ein berufliches Weiterbildungssystem, das preußische Untertanen entwickeln will.

Wissen Sie, ich bin ein großer Fan der KATA und ich bin mir sicher, dass diese – so wie es Mike Rother beschrieben hat – ein ganz vorzügliches „Instrument“ ist, um Mitarbeitende zu entwickeln, die Führungskraft zum Coach und den Mitarbeiter auf dem Shopfloor zum Verbesserungsarbeiter. Einzig der Glaube daran, dass das Top-Management in zig Organisationen dies ebenfalls so sieht, lässt mich zweifeln. Doch Organisationen werden nie besser sein als ihre Mitarbeiter.


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