Kaizen 2 go 387 : Mentoring-Prozesse

Kaizen 2 go 387 : Mentoring-Prozesse

Fragestellungen in der Unterhaltung mit Barbara Riese: Herkunft des Begriffs. Was unterscheidet Mentoring von Coaching oder Beratung? Was bedeutet das für den Mentee? Welchen Beitrag leistet der Mentee für die Prozessergebnisse? Wie lernt man Mentoring? In welchen Szenarien kommt Mentoring zum Einsatz? Was ist der Auslöser? Wie unterscheidet sich Einzel- von Gruppen-Mentoring? Wann endet Mentoring? Wie kann der Mentor von Mentoring profitieren? Wie kann die Organisation vom Mentoring (der MA) profitieren? Was ist Reverse-Mentoring? Welche Rolle kann KI im Mentoring spielen?

10. Mai 2026 um 08:55 Uhr von Götz Müller


Das Transkript der Episode ist hier verfügbar.

Kaizen 2 go 387 : Mentoring-Prozesse

KI-generierte Zusammenfassung des Transkripts

In dieser Episode spricht Götz Müller mit Barbara Riese über die Besonderheiten von Mentoring-Prozessen und deren Unterschiede zu Coaching und klassischer Beratung. Barbara Riese beschreibt zunächst, warum sie sich bewusst als Mentorin bezeichnet. Für sie greift weder die Rolle der Beraterin noch die des Coaches vollständig. Der Begriff Mentoring passt aus ihrer Sicht besser, weil er auf Begleitung in Übergangsphasen abzielt. Sie verweist dabei auf den Ursprung des Begriffs aus der griechischen Mythologie: Odysseus vertraute seinen Sohn Telemachos während seiner Abwesenheit dem Mentor an. Genau dieses Bild der begleitenden Unterstützung prägt ihr Verständnis von Mentoring.

Im weiteren Verlauf arbeiten Götz Müller und Barbara Riese die Unterschiede zwischen Beratung, Coaching und Mentoring heraus. Barbara Riese beschreibt Coaching als meist zielorientiert, zeitlich begrenzt und methodisch strukturiert. Beratung wiederum liefere häufig konkrete Lösungen, Konzepte oder fachliche Expertise. Mentoring dagegen sei stärker prozess- und entwicklungsorientiert. Es gehe weniger darum, ein bestimmtes Ziel möglichst effizient zu erreichen, sondern vielmehr darum, wie sich ein Mensch auf dem Weg dorthin verändert. Barbara Riese betont dabei die Bedeutung von Präsenz, Resonanz und innerer Entwicklung.

Ein zentrales Thema des Gesprächs ist die Rolle des Mentors als „Raumhalter“. Barbara Riese erklärt, dass Mentoring vor allem darin bestehe, einen geschützten Raum zu öffnen, in dem sich Menschen selbst begegnen und neu entdecken können. Dieser Raum ermögliche Reflexion und die Integration unterschiedlicher innerer Rollen und Persönlichkeitsanteile. Besonders intensiv beschäftigt sie sich dabei mit dem Begriff der Identität. Für sie bedeutet Identität, trotz aller Rollen und Entwicklungen mit sich selbst verbunden zu bleiben. Mentoring unterstütze Menschen dabei, wieder Zugang zu ihrer eigenen inneren Stimmigkeit zu finden.

Götz Müller greift anschließend die Verantwortung des Mentees im Prozess auf. Barbara Riese macht deutlich, dass Mentoring niemals funktionieren könne, wenn der Begleitete keine echte Bereitschaft zur Veränderung mitbringt. Der Erfolg entstehe immer als Co-Kreation zwischen Mentor und Mentee. Offenheit, Ehrlichkeit und Selbstreflexion seien dabei unverzichtbar. Das Bild der geöffneten Tür beschreibt diesen Gedanken besonders anschaulich: Der Mentor könne den Raum öffnen, hindurchgehen müsse der andere jedoch selbst.

Im Gespräch über die Qualifikation von Mentoren erläutert Barbara Riese, dass es keine klar definierte Mentoring-Ausbildung gebe. Während Coaching stark von Methoden und Ausbildungen geprägt sei, verstehe sie Mentoring eher als Ergebnis von Lebenserfahrung, Herzensbildung und persönlicher Reife. Sie beschreibt, dass sie zwar über einen umfangreichen Methodenkoffer verfüge, sich aber bewusst gegen eine standardisierte eigene Methode entschieden habe. Für sie stehe die individuelle Begleitung des jeweiligen Menschen im Vordergrund und nicht die Anwendung eines festen Schemas.

Anhand konkreter Beispiele differenzieren Götz Müller und Barbara Riese anschließend die geeigneten Einsatzfelder von Beratung, Coaching und Mentoring. Beratung eigne sich besonders für klar definierte technische oder organisatorische Probleme. Coaching passe gut zu Themen wie Teamkommunikation oder Zusammenarbeit. Mentoring komme vor allem dann zum Einsatz, wenn Menschen sich in persönlichen Übergängen, Unsicherheiten oder inneren Krisen befinden. Barbara Riese nennt dabei Situationen wie neue Führungsrollen, Sinnfragen oder das Gefühl innerer Distanz trotz äußerem Erfolg.

Ein weiterer Schwerpunkt der Episode ist die Bedeutung von Gruppenprozessen. Barbara Riese betont, dass Menschen soziale Wesen seien und persönliche Entwicklung häufig erst in Resonanz mit anderen entstehe. Besonders in Gruppen könne Vertrauen wachsen und Offenheit entstehen. Dadurch würden auch schwierige Themen ansprechbar, die für Verbesserungen oder Veränderungen notwendig seien. Götz Müller erkennt darin deutliche Parallelen zu seiner Arbeit in der Prozessverbesserung und zur Bedeutung psychologischer Sicherheit in Teams.

Beim Thema Ende eines Mentoring-Prozesses erklärt Barbara Riese, dass sich dieses selten exakt planen lasse. Beide Beteiligten würden jedoch spüren, wenn ein Prozess abgeschlossen sei. Der entscheidende Moment sei erreicht, wenn der Mentee wieder ausreichend Zugang zu den eigenen Ressourcen, zur eigenen Kraft und zu eigenständigen Entscheidungen gefunden habe. Ziel sei niemals Abhängigkeit, sondern Selbstständigkeit. Götz Müller betont, dass dies auch seinem Verständnis erfolgreicher Beratung entspreche.

Spannend wird das Gespräch auch beim Thema Reverse Mentoring. Barbara Riese beschreibt, wie insbesondere jüngere Mitarbeitende älteren Generationen beispielsweise digitale Kompetenzen vermitteln können. Gleichzeitig profitieren jüngere Menschen von der Erfahrung älterer Kollegen. Dadurch entstehe nicht nur Wissenstransfer, sondern auch eine stärkere Verbindung zwischen Generationen und Abteilungen.

Zum Abschluss sprechen Götz Müller und Barbara Riese über die Rolle von KI im Mentoring. Barbara Riese sieht durchaus Potenzial, etwa bei der Analyse von Kommunikationsmustern oder als Reflexionshilfe. Sie schildert ein Beispiel aus einem Workshop, bei dem KI sichtbar machte, wie häufig Teilnehmende statt „ich“ das unpersönliche Wort „man“ verwendeten. Gleichzeitig betont sie jedoch klar die Grenzen künstlicher Intelligenz. Resonanz, echte Präsenz und menschliche Verbundenheit könne KI nicht ersetzen. Sie könne unterstützen, aber niemals die zwischenmenschliche Beziehung im Mentoring übernehmen.



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