
Kaizen 2 go 269 : Prozesse zur Kontaktverfolgung
Fragestellungen aus der Unterhaltung mit Bianca Kastl: Was ist der Ausgangspunkt bzw. Anstoß zur Kontaktverfolgung, was sind die Folgeschritte im Prozess? Wie haben sich die Engpässe im Verlauf der Pandemie verändert? Was sind Digitalisierungsansätze im Prozess? Welche Rolle spielt die digitale Übermittlung von Kontaktpersonen? Welche Rolle spielt der Datenschutz bei den verschiedenen Aspekten der Digitalisierung? Welche Rolle spielt der Faktor Mensch bei der Digitalisierung? Was lässt sich aus der bisherigen Entwicklung lernen?
Das Transkript der Episode ist hier verfügbar.
Kaizen 2 go 269 : Prozesse zur Kontaktverfolgung
KI-generierte Zusammenfassung des Transkripts
In dieser Episode spricht Götz Müller mit Bianca Kastl über die Prozesse der Kontaktverfolgung während der Covid-19-Pandemie und über die Rolle der Digitalisierung in diesem Umfeld. Schon zu Beginn macht Bianca Kastl deutlich, dass sie in Gesundheitsämtern tätig ist und dort Digitalisierungsprojekte betreut. Ihre praktische Erfahrung aus dem Bodenseekreis und später in Frankfurt bildet den Hintergrund für das Gespräch.
Einleitend beschreibt Bianca Kastl das Grundprinzip der Kontaktverfolgung. Ziel ist es, Infektionsketten zu erkennen und zu unterbrechen. Dazu müssen Infizierte möglichst schnell isoliert und ihre Kontaktpersonen ermittelt sowie in Quarantäne geschickt werden. Götz Müller spricht die Unterscheidung zwischen Isolation und Quarantäne bewusst an, weil vielen Menschen diese Differenzierung zunächst nicht klar war. Bianca Kastl erklärt, dass Isolation für bestätigte Infizierte gilt, während Quarantäne für Personen angeordnet wird, die zwar Kontakt zu Infizierten hatten, aber noch nicht selbst als krank gelten.
Anschließend geht das Gespräch tiefer in den Ablauf der Kontaktverfolgung. Bianca Kastl erläutert das sogenannte backward tracing, bei dem man herauszufinden versucht, wo die Infektion ursprünglich herkommt, und das forward tracing, das nach möglichen weiteren Ansteckungen sucht. Während forward tracing relativ klar strukturiert ist, gestaltet sich backward tracing häufig schwierig, gerade weil viele Infektionen über Aerosole oder in unübersichtlichen Situationen stattfinden, ohne dass eine eindeutige Quelle erkennbar ist.
Im weiteren Verlauf sprechen Götz Müller und Bianca Kastl über die Veränderungen während der Pandemie. Neue Virusvarianten wie Alpha oder Delta stellten die Gesundheitsämter vor zusätzliche Herausforderungen, weil sie teils andere Übertragungswege oder höhere Infektiosität mit sich brachten. Dadurch mussten die Prozesse mehrfach angepasst und beschleunigt werden. Besonders schwierig wurden Fälle, in denen sich Infizierte nicht erklären konnten, wo die Ansteckung erfolgt war. Solche unklaren Infektionswege verursachten viel Aufwand, weil mögliche unbekannte Infektionsherde nicht eindeutig identifiziert werden konnten.
Ein Schwerpunkt der Episode ist das Thema Digitalisierung. Bianca Kastl beschreibt eindrücklich, wie analog viele Abläufe zu Beginn der Pandemie waren. Labore übermittelten positive Testergebnisse per Fax an die Gesundheitsämter, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter telefonierten Kontaktpersonenlisten ab, Daten mussten manuell übertragen werden. Die Einführung des digitalen Meldesystems DEMIS war ein wichtiger Schritt, löste aber nicht alle Probleme. Zwar konnten Testergebnisse digital übermittelt werden, doch der anschließende Informationsfluss blieb in vielen Gesundheitsämtern weitgehend händisch.
Bianca Kastl berichtet von einem konkreten Digitalisierungsprojekt, das sie betreut hat: Eine Lösung, mit der Infizierte ihre Kontaktpersonen online eintragen und direkt an das Gesundheitsamt übermitteln konnten. So entfielen mühsame Telefonate und die Fehleranfälligkeit bei handschriftlichen Listen oder diktierten Namen.
Götz Müller spricht anschließend bundesweite digitale Lösungen an, vor allem die Corona-Warn-App und die Luca-App. Bianca Kastl bewertet beide aus Sicht der Gesundheitsämter. Die Corona-Warn-App sieht sie als sinnvolle Ergänzung, weil sie automatisch und sehr schnell Warnungen versendet. Im Durchschnitt wurden pro Fall drei bis sechs Personen gewarnt, und dies ohne den Umweg über Gesundheitsämter. Dadurch konnten Infektionsketten frühzeitig gebremst werden.
Die Luca-App hingegen war stark abhängig davon, wie schnell Gesundheitsämter arbeiteten, ob Betreiber von Locations Daten freigaben und wie konsequent sich Menschen eincheckten. Im Bodenseekreis wurde sie in der gesamten Pandemie nur in wenigen Fällen wirklich genutzt, weil sich Infektionen nur selten in Situationen ereigneten, die sich über Gäste-Check-ins abbilden ließen. Bianca Kastl bezeichnet die Anwendung daher als eine Art digitalisierte Gästeliste mit begrenztem Nutzen.
Auf die Bedeutung des Datenschutzes angesprochen, räumt Bianca Kastl mit dem verbreiteten Irrtum auf, er habe die Pandemiebekämpfung verhindert. Das Infektionsschutzgesetz erlaubt umfassende Datennutzung, und Betroffene haben eine Mitwirkungspflicht. Herausforderungen lagen eher in der technischen Umsetzung von Lösungen, insbesondere dort, wo Daten unsauber oder unsicher verarbeitet wurden. Sie betont den Unterschied zwischen dem rechtlichen Rahmen und der technischen Qualität digitaler Werkzeuge.
Gegen Ende des Gesprächs geht es um den Faktor Mensch. Bianca Kastl beschreibt, dass die Pandemie weniger ein technisches als ein gesellschaftliches Ereignis ist. Das Verhalten der Menschen, ihre Bereitschaft zur Kooperation, ihre Müdigkeit im Verlauf der Pandemie und der Wandel von anfänglicher Solidarität hin zu zunehmender Erschöpfung hatten erheblichen Einfluss darauf, wie gut Kontaktverfolgung und Digitalisierung greifen konnten.
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