Gitta Peyn

Gitta Peyn

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Gitta Peyn, 1965, Systemtheoretikerin, Kybernetikern, Co-Entwicklerin der Universalsprache FORMWELT und der Erkenntnislogik WELTFORM.  Gründungsmitglied des wissenschaftlichen Teams des Formwelten-Instituts, Beratendes Mitglied der ISET Education Foundation, India.


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Gitta Peyn
Gitta Peyn hat auf einen Kommentar geantwortet, vor 1 Monat
André Claaßen
Hallo Gitta,

danke für diesen Beitrag. Ich möchte sagen, dass ich in diesem Beitrag für mich viele gute Erkenntnisse ziehen können. Dafür bedanke ich mich.

Meine wichtigsten Eindrücke aus deinem Artikel:
- Die Wichtigkeit, dass alle Beteiligten lernen systemisch zu denken.
- Der Grad der Komplexität ist immer vom Beobachter abhängig und daher keine absolute Größe.
- Die Gefahr der Übersimplifizierung von Sachverhalten.

Vielleicht noch eines zum Sechsjährigen. Ich muss hier nicht an Einstein, sondern an David Snowden denken der darauf beharrt, dass Modelle auf einer Serviette erklärbar sein müssen. Seine Zielgruppe sind, zumindest habe ich es so verstanden, gestresste Unternehmer. Und jetzt denke ich gerade über meinen eigenen (selbstgemachten?) Stress nach und was das für meine kognitiven Fähigkeiten bedeutet.

Mit diesen Gedanken sage ich Danke für einen schönen Beitrag.
André

P.S: Mein eigener Versuch, die Management-Methode Objectives & Key Results für einen fiktiven 5-Jährigen zu erklären, war leider nur mässig erfolgreich:

https://andreclaassen.de/post/okr/okrs-ganz-einfach-erklaert/
Bei diesem Absatz:

"Ich würde dem gestressten Manager viel weniger "auf die Serviette erklären", sondern ihm vielmehr dabei behilflich sein, sich selbst etwas zu konstruieren, mit dem er so arbeiten kann, dass es ihm künftig gelingt, seinen Distress selbst in Eustress, Entspannung und ruhiges Komplexitätsmanagement ..."

fehlt hinter "und ruhiges Komplexitätsmanagement" "zu überführen".

Ich bitte um Entschuldigung.
Gitta Peyn
Gitta Peyn hat auf einen Kommentar geantwortet, vor 1 Monat
André Claaßen
Hallo Gitta,

danke für diesen Beitrag. Ich möchte sagen, dass ich in diesem Beitrag für mich viele gute Erkenntnisse ziehen können. Dafür bedanke ich mich.

Meine wichtigsten Eindrücke aus deinem Artikel:
- Die Wichtigkeit, dass alle Beteiligten lernen systemisch zu denken.
- Der Grad der Komplexität ist immer vom Beobachter abhängig und daher keine absolute Größe.
- Die Gefahr der Übersimplifizierung von Sachverhalten.

Vielleicht noch eines zum Sechsjährigen. Ich muss hier nicht an Einstein, sondern an David Snowden denken der darauf beharrt, dass Modelle auf einer Serviette erklärbar sein müssen. Seine Zielgruppe sind, zumindest habe ich es so verstanden, gestresste Unternehmer. Und jetzt denke ich gerade über meinen eigenen (selbstgemachten?) Stress nach und was das für meine kognitiven Fähigkeiten bedeutet.

Mit diesen Gedanken sage ich Danke für einen schönen Beitrag.
André

P.S: Mein eigener Versuch, die Management-Methode Objectives & Key Results für einen fiktiven 5-Jährigen zu erklären, war leider nur mässig erfolgreich:

https://andreclaassen.de/post/okr/okrs-ganz-einfach-erklaert/
Lieber André,

herzlichen Dank für Deinen Kommentar.

Deine wichtigsten Eindrücke sind genau das, was mir am meisten am Herzen gelegen hat.

Lass mich zu der Idee, Modelle auf einer Serviette zu erklären, etwas sagen:

Wenn Du ORKs beschreibst, beschreibst Du ein Phänomen, dessen Komplexität deshalb noch relativ leicht berechenbar ist, weil es Ablaufprozessen folgt. Zumindest verstehe ich Deine (wie ich finde gelungene) Erklärung so.

Mit Angelegenheiten aus komplexen Systemen - in Deinem Beispiel das, was dann darin als Kommunikation stattfindet oder was sich die Beteiligten dazu denken - sieht es etwas anders aus.

Kennst Du Picassos "Guernica"? Versuch mal das, was das Bild mit Dir macht, so zu verallgemeinern, dass daraus etwas wird, mit dem sich jeder identifizieren kann und zu dem niemand mehr Kontext benötigt ... Picasso soll häufiger seine Restaurantrechnungen mit Skizzen auf einer Serviette bezahlt haben. Denkst Du, das ginge mit Guernica?

Ich kann Dir die grundlegende Herleitung der Schrödinger'schen Gleichung auf eine Serviette schreiben, denke aber nicht, dass das Managern etwas nützt :)

Komplexe Verhalte kommen mit Kontext.

Wer versucht, komplexe Zusammenhänge Sechsjährigen transparent zu machen, der liefert dazu entsprechenden Kontext.
Wer versucht, komplexe Zusammenhänge auf einer Serviette erklärbar zu machen, der liefert ebenfalls dazu Kontext: Text, Bewegung, Interpretationsrahmen und so weiter.

Du kennst sicherlich das Bild vom Elefanten, der von Blinden abgetastet wird? Der Eine "sieht" einen Baumstamm, der Andere eine Schlange, der Nächste ein Seil und so weiter.
Wenn Du dieses Bild Menschen gibst, wird jeder dazu eine eigene Interpretation anlegen, denn die FORM, die Du lieferst, öffnet einen Interpretationsraum, in dem unklare, imaginäre und unbestimmte FORMen eine Rolle spielen.

Ich kenne Menschen, die lesen das Bild so: Ich bin aufgewacht, alle Anderen sind Blinde und sehen deshalb den Elefanten nicht.

Willst Du das Bild zur Veranschaulichung von Komplexität und Blinden Flecken liefern, wirst Du dazu Kontext liefern, um sicherzustellen, dass das Bild halbwegs in Deinem Vorstellungsrahmen interpretiert wird.

Und selbst dann kannst Du nicht sicherstellen, dass nicht am Ende dabei Interpretationen Deiner Leser, Zuhörer ... heraus kommen, die gänzlich an dem vorbeigehen, was Du vor hast.

Um sicherzustellen, dass ein auf einer Serviette dargestelltes Modell funktional interpretiert werden kann, brauchst Du entweder ein Modell, das so trivial ist, dass kaum jemand daran noch unklare FORMen generieren kann oder aber Du schaffst Kontext oder noch besser ein klares Referenzsystem.

Formwelt zum Beispiel ist so ein Referenzsystem. Ich kann Dir "Freiheit -> forme die nächste Möglichkeit" auf die Serviette malen, und Du bist dann nicht mehr darauf angewiesen zu halluzinieren, wie für mich "forme", "die", "nächste", "Möglichkeit" funktioniert, sondern kannst Dir jedes einzelne Konzept nehmen und Dir dazu im Referenzsystem die nächsten Referenzen holen, Dir auf Deine Serviette malen und Dir dann wiederum deren Referenzen im Referenzsystem zusammen bauen.

Ohne halbwegs eindeutiges Referenzsystem keine halbwegs eindeutige Einfachheit. Der fragwürdige Konsens, der sich an unklaren Formen ohne klärenden Kontext bildet, muss in und an der Praxis überprüft werden.

Wenn wir Beispiele liefern, um Modelle zu veranschaulichen, sagen viele Zuhörer "Ahhhhhhh". Aber Beispiele schränken den Interpretationsraum ein, sind abstrakt und ermöglichen nur demjenigen mehrdimensionales Konstruieren und Komplexitätsbewältigen, der fähig dazu ist, über das Beispiel tiefer ins Modell einzusteigen und es dort zu überwinden, um eben andere Dimensionen zu formen.

Deshalb liefern wir Beispiele nicht ohne das Modell. Deshalb liefern wir in der Regel Servietten-Erklärungen nicht ohne mehr Kontext, ohne dazu zu erklären, ohne dazu Artikel zu liefern oder Filme oder Vorträge zu halten. Und da wir dabei zwangsläufig auch mit unbestimmten, imaginären und unklaren FORMen arbeiten, können wir so über die gelieferte Servietten-Erklärung nicht garantieren, dass der Erklärungsversuch funktional gelungen ist. Das kann uns hinterher nur der Zuhörer demonstrieren, indem er mit dem Modell arbeitet und tatsächlich das leistet, was das Modell (angeblich) verspricht.

Ich erlebe immer wieder, dass Einfachheit besonders dort eingefordert wird, wo die Bereitschaft (aus welchen Gründen auch immer) nicht besteht, komplexer zu denken oder Komplexeres zu liefern.

Doch im Zweifelsfall kann der Zuhörer n i c h t entscheiden, ob derjenige, der das Modell liefert, einfach genug war, da er das Material noch nicht kennt. Er kann mehr Erklärungen einfordern, aber es kann ihm passieren, dass ihm der Erklärende sagt: "Bitte entschuldigen Sie, aber die Form von Einfachheit, die Sie hier fordern, gibt das Modell nur her, wenn ich es so trivialisiere, dass es nicht mehr funktioniert. Entweder Sie wollen das lernen, dann müssen Sie sich mehr anstrengen, oder Sie müssen meinen Kurs verlassen."

Wiederholt: "Einfacher" bedeutet nicht gleich "passender". Wenn ich den Anspruch der Einfachheit stelle, kann ich auch ein Modell generieren, das völlig dysfunktional ist.

Ich möchte dazu anregen darüber nachzudenken, nicht allein zu versuchen, die Dinge einfacher zu machen, sondern Modelle, Tools, Methoden, Konzepte zu konstruieren, die jenen, die damit arbeiten (sollen) ermöglichen, sich damit und daran zu emanzipieren.

Ich würde dem gestressten Manager viel weniger "auf die Serviette erklären", sondern ihm vielmehr dabei behilflich sein, sich selbst etwas zu konstruieren, mit dem er so arbeiten kann, dass es ihm künftig gelingt, seinen Distress selbst in Eustress, Entspannung und ruhiges Komplexitätsmanagement. Das wäre mein Überprüfungskriterium - nicht Einfachheit.

Kann sein, ich finde dabei sinnvoll, etwas auf der Serviette zu erklären. Zum Leitziel würde ich das aber nicht nur aus oben benannten Gründen machen, sondern auch deshalb, weil es den Blickwinkel auf die Methode eingrenzt und vom Ziel wegführen kann. Mein Ziel wäre ein stress-emanzipierter resilienter Manager, der künftig ohne mich zurecht kommt.

Ich hoffe, meine zusätzlichen Gedanken machen die Sache noch klarer für Dich?

Liebe Grüße
Gitta