Agilität

Der Begriff Agilität taucht bereits gegen Ende des 18. Jahrhunderts auf und beschreibt allgemein einen Zustand der Beweglichkeit und Gewandtheit (frz. agilité, lat. agilitãs).  Seit den 1950er Jahren findet der Begriff Eingang in Konzepte der System- und Organisationstheorie. In diesem Kontext bezieht sich der Begriff auf Organisationen insgesamt, aber auch auf Prozesse und Strukturen im Detail und beschreibt deren Fähigkeit, flexibel unvorhergesehene Ereignisse und neue Anforderungen zu reagieren. Veränderungen werden eher aktiv initiiert als reaktiv abzuwarten.

Nach dem Konzept der Agilität in Unternehmen/Organisationen sind vier Funktionen für die grundsätzliche Funktionsfähigkeit (AGIL-Schema nach Talcott Parsons) relevant:

  • Reaktions- bzw. Anpassungsfähigkeit an äußere Bedingungen, die sich verändern (Adaption)
  • die Fähigkeit, Ziele zu definieren und verfolgen (Goal Attainment)
  • die Fähigkeit, Zusammenhalt/Kohäsion und Inklusion herzustellen (Integration)
  • die Fähigkeit, grundlegende Wertemuster und Strukturen aufrechtzuerhalten (Latency)

Verwandte Begriffsverwendung:

Agiles Manufacturing

Agilität in produzierenden Unternehmen ist überwiegend durch flexible Anpassung, die eine schnelle Produktentwicklung fördert, gekennzeichnet. Prozesse und Strukturen orientieren sich hier stärker an Markt- und/oder Kundenanforderungen, die sich schnell ändern können. Diesen Ansatz nutzt auch die sogenannte Industrie 4.0. Die Anpassung erfolgt in iterativen Zyklen, die Produkte in diesem Kontext werden inkrementell, d.h. schrittweise oder aufeinander aufbauend, geliefert.

Agile Softwareentwicklung

Analog zum agilen Manufacturing wird in der Softwareentwicklung ebenfalls in iterativen Zyklen entwickelt und Software inkrementell ausgeliefert, statt vollständig am Ende des Projektes. Als Methode zur Umsetzung wird in der agilen Softwareentwicklung häufig Scrum verwendet.

Agiles Manifest / Manifest für agile Softwareentwicklung

Das Manifest für agile Softwareentwicklung, kurz Agiles Manifest, beinhaltet 12 Prinzipien sowie 4 Wertemuster, auf denen idealerweise die agile Softwareentwicklung basiert.

Die 4 Wertemuster:

  • Individuen und Interaktionen sind wichtiger als Prozesse und Werkzeuge
  • Funktionierende Software ist wichtiger als umfassende Dokumentation
  • Zusammenarbeit mit dem Kunden ist wichtiger als Vertragsverhandlung
  • Reagieren auf Veränderung ist wichtiger als das Befolgen eines Plans

Das Manifest wurde 2001 von „The Agile Alliance“, in Utah ins Leben gerufen.

Agile Organisation

Die agile Organisation ist sowohl durch die agilen Prozesse als auch die agilen Prinzipien und Werte gekennzeichnet. In der Praxis erfordert die Umsetzung von allen Beteiligten, Mitarbeitenden wie Führungskräften, Transparenz, um Wissen offen weiterzugeben, Dialogbereitschaft und -fähigkeit, um Vertrauen aufzubauen, einen konstruktiven Umgang mit Fehlern, sowie Entscheidungsfreiheit und kurze Wegen für Feedbackschleifen. Die persönliche Entwicklung erfolgt u.a. durch „Peer Feedback“.

Agile Organisation und Lean Management

Das Konzept der agilen Organisation ähnelt den Prinzipien des Lean Managements. Ähnlich wie beim Lean Management dienen die agilen Prinzipien und Werte dazu, die Eigenverantwortung des Einzelnen und die Bereitschaft zur kontinuierlichen Verbesserung zu fördern und zu unterstützen.

Das könnte Dich auch interessieren: Agile Basics verstehen und anwenden

Bildquelle: Von Bernd Oliver Suenderhauf (see my German Wikipedia account) - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=958515


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