7. Episode

... und nicht Anforderungen oder Produkte!

#LeanTransformation
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Bernd Krauss weiß nicht mehr weiter. Das Audit ist wohl unumstößlich und muss somit irgendwie vorbereitet und organisiert werden.
Vielleicht sollte er sich zuerst einmal mit Franz Großmann zusammensetzen, um sich einen ungefähren Überblick über den gesamten Auftragsdurchlauf, den die YOHA dargestellt haben wollte, zu verschaffen.

Großmann wäre da schon die erste Anlaufstelle, da schließlich ein Teil der gestellten Fragen auch seinen Verantwortungsbereich betreffen. Und dazu sollte Großmann als langjähriger Mitarbeiter wohl am besten wissen, wie eben diese Fragen zu beantworten sind...

Aber ausgerechnet der Franz, mit welchem es nun schon genügend Ärger gegeben hat. Bernd kann sich nur zu gut vorstellen, wie dieser reagieren würde. Und zusätzlichen Ärger konnte er sich – gerade in der jetzigen Situation – nun wirklich ersparen. Zumal Großmann doch dringend gebraucht wird.

Ein wenig kommen bei Bernd Krauss Zweifel auf, ob es immer richtig gewesen ist, dass er sich so ganz aus der Fertigung rausgehalten und Franz Großmann so viel freie Hand gelassen hat. In Großmanns Hoheitsbereich der Fertigungsleitung wollte er schon gar nicht hineinreden. War er doch zum einen erleichtert darüber, dass Großmann die für ihn eher unangenehme Aufgabe übernommen hat, sich mit den Mitarbeitern in der Fertigung auseinander zu setzen. Und zum anderen wusste er letztendlich eigentlich nicht, was er denn mit den „Mitarbeitern von Großmann" so bereden sollte.

Irgendwie hat das sein Vater besser hinbekommen. Aber so wie sein Vater, der alles von oben nach unten mit Franz Großmann durchdirigiert hat, wollte er nun auch nicht sein. Bernd Krauss muss sich eingestehen, dass er eine Rolle für sich als Geschäftsführer, in der er sich wohlfühlt und mit der er das Unternehmen führen kann, noch nicht gefunden hat. Mit Zahlen kann er sicherlich umgehen, aber was hat dies der Krauss GmbH & Co. KG – und nicht zuletzt ihm - genützt? Bernd weiß, dass es ihm nicht gelungen ist, dass seine Mitarbeiter und seine Führungsmannschaft mit diesen Zahlen etwas anfangen können und Schlüsse daraus ziehen. Nein, als Druck haben die das immer empfunden, das ist Bernd klar. Einem Druck, dem sie ausgewichen sind. In seinem Betriebswirtschaftsstudium hat er zwar viel über Zahlen und Controlling gehört und wie man mit Zahlen führt. Aber wie er seine Mitarbeiter und Führungskräfte dafür gewinnt, damit umzugehen, davon war – wenn überhaupt - nur am Rande die Rede gewesen.

Heute würde er ohnehin nichts mehr zustande bringen. Müde und ausgelaugt schiebt Bernd den Stapel Anforderungen beiseite. Sein Blick bleibt dabei an einem Satz, welcher unter dem Anforderungsstapel nun zu lesen ist, hängen. „Führen mit Zahlen" lautet die Schlagzeile der Titelseite einer Fachzeitschrift…
Gedankenverloren blättert Bernd in dem Magazin und liest: „Heutzutage kommt kein Unternehmen ohne eine strategische Planung aus. Ausgaben, Umsätze, Personal, Marktanteile und sogar Gewinne werden nicht nur für ein Jahr im Detail, sondern für die nächsten 3-5 Jahre im Groben geplant. Der Vertrieb sowie der Service erhalten eine Umsatzplanung, die Beschaffung ein Lagervolumen und diverse Umschlagskennzahlen und die Produktion sowie andere Bereiche ebenfalls zugeschnittene Kennzahlen oder Leistungsgrößen. Und dies sind dann auch die Ziele, die hausintern kommuniziert werden. Leider beschränken sich aber viele Unternehmen auf diese numerische Planung und vermeiden es – bewusst oder unbewusst – diesen Zahlengerüsten auch weitergehende Inhalte zuzuordnen. Ein Unternehmen erfolgreich zu führen besteht aber nicht darin, ein mathematisches Problem zu lösen."
Bernd fällt auf, dass er eigentlich schon lange nicht mehr über solche Themen nachgedachthat. Die Tagesarbeit hat ihn immer aufgefressen.
Doch jetzt ist es schon wieder einmal 20 Uhr und keines seiner Probleme ist nur annähernd gelöst. Dazu hat er noch überhaupt nichts auf dem Papier. Und nur noch zwei Wochen bis zum Audit. Bernd Krauss fühlt sich alleine und im Stich gelassen.

Weiß er doch, dass er jetzt handeln musste… aber auch, dasser alleine- ohne die Mitwirkung aller - der YOHA Co. Ltd. nichts Brauchbares würde präsentieren können.

Morgen, ja gleich morgen früh würde er mit Großmann reden… reden müssen. Und zusätzlich für den frühen Abend ein Meeting mit allen leitenden Mitarbeitern einberufen!

Mit diesen Gedanken verlässt Bernd Krauss sein Büro. Sein Auto ist das einzig noch verbliebene auf dem großen Firmenparkplatz …

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