Was hat Lean mit Nachhaltigkeit zu tun? (Teil 13)

Was hat Lean mit Nachhaltigkeit zu tun? (Teil 13)

Die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit, Ökonomie, Ökologie und Soziales, bilden den groben Rahmen für Unternehmen, um ihr Kerngeschäft nachhaltig zu machen, sind Aspekte, die Unternehmen in ihrem Geschäftsbetrieb berücksichtigen sollten, um nachhaltig zu agieren und soziale Verantwortung zu übernehmen. Daß diese Dimensionen keine fixen Größen sind, sondern ständig an wechselnde unternehmerische Situationen angepasst werden müssen, versteht sich von selbst. An dieser Stelle könnte man – ebenso wie im Lean Management – von einer Kultur der kontinuierlichen Verbesserung sprechen. 

#LeanGreen #GreenIndustry
20. November 2023 um 04:30 Uhr in LeanGreen & Green Industry von Daniela Röcker


Somit landen wir beim 13. Prinzip im 4P-Modell nach Liker:

„Fokussieren Sie die Verbesserungsinitiativen Ihrer Mitarbeiter durch eine einheitliche Zielausrichtung auf allen Ebenen.“

Liker spricht hier vor allem das sogenannte „Hoshin Kanri“ an, Toyotas Ansatz zur gemeinsamen einheitlichen Ausrichtung aller Ziele und Pläne auf allen Ebenen, um die Herausforderungen für das laufende Jahr zu bestimmen.

Unter Hoshin Kanri wird hier mehr verstanden als ein Tool: es ist ein Prozess zur Entwicklung der Mitarbeitenden durch Coaching und Problemlösung. Es beinhaltet eine Planungsphase mit Zielen und Meilensteinen, die ein Grundgerüst für die iterative Verbesserung durch Experimente und Lernprozesse bildet. Durch kontinuierliche Reflexion (Hansei) werden Schwächen offengelegt und Verbesserungsbereiche priorisiert. Hierbei spielen Gruppenentscheidung mit dem Ziel einen Konsens zu erreichen eine wichtige Rolle.

Zusammenhang mit Nachhaltigkeit und CSR

Eine Kultur der kontinuierlichen Verbesserung ist entscheidend für die Nachhaltigkeit, da man annehmen darf, dass Unternehmen, die kontinuierliche Verbesserung fördern, eher bereit sind, ihre Prozesse zu optimieren und nachhaltige Praktiken zu implementieren.

Bezogen auf die Dimensionen der Nachhaltigkeit bedeutet das:

Ökonomie: Unternehmen müssen wirtschaftlich rentabel sein, um langfristig nachhaltig zu sein. Dies bedeutet, dass sie Gewinne erwirtschaften müssen, um in Umweltschutzmaßnahmen und soziale Initiativen investieren zu können. Die Lean-Prinzipien von Jeffrey Liker zielen darauf ab, Verschwendung zu reduzieren und Effizienz zu steigern, was in wirtschaftlich rentableren Operationen resultiert. Dies ermöglicht es Unternehmen idealerweise, Ressourcen für nachhaltige Investitionen freizusetzen.


Ökologie: Umweltschutz und Nachhaltigkeit erfordern Maßnahmen zur Reduzierung des ökologischen Fußabdrucks von Unternehmen. Dies beinhaltet die Verringerung von Emissionen, den sparsamen Umgang mit Ressourcen und die Umstellung auf erneuerbare Energien. Die Lean-Prinzipien fördern die Reduzierung von Verschwendung, was auch zur Verringerung der Umweltauswirkungen führt. Durch die Optimierung von Prozessen können Unternehmen Energie und Ressourcen sparen und somit ihre ökologische Nachhaltigkeit verbessern.


Soziales: Im Kontext der Unternehmensverantwortung (Corporate Social Responsibility) umfasst die soziale Verantwortung von Unternehmen gegenüber ihren Mitarbeitern, Aspekte wie faire Arbeitsbedingungen, Mitarbeitergesundheit, Fort- und Weiterbildung sowie Förderung von Vielfalt und Inklusion. Die Schaffung einer Kultur der kontinuierlichen Verbesserung und Mitarbeiterbeteiligung, wie sie in den Prinzipien von Liker betont wird, kann dazu beitragen, die Arbeitsbedingungen zu verbessern und die soziale Verantwortung zu stärken. 

Beispielhaftes Szenario zur Annäherung an eine Kultur der kontinuierlichen Verbesserung 

Mögliche Schritte und Maßnahmen für produzierende Betriebe:

  1. Prozessanalyse und Identifikation von Verschwendung: Zunächst würde das Unternehmen seine Produktionsprozesse analysieren, um Verschwendung und ineffiziente Praktiken zu identifizieren. Dies könnte beinhalten, den Verbrauch von Rohstoffen, Energie und Wasser in jedem Schritt der Produktion zu überprüfen. Jede Abteilung wäre in die Analyse involviert und könnte die je eigene Perspektive sowie die eigenen Herausforderungen einbringen.

  2. Schulung und Sensibilisierung der Mitarbeiter und Führungspersonen: Das Unternehmen würde Mitarbeiter und Führungspersonen schulen und für das Thema Ressourceneffizienz sensibilisieren. Dies würde sicherstellen, dass alle Beteiligten die Bedeutung der Verbesserungen verstehen und aktiv an der Umsetzung beteiligt sind. Idealerweise werden hier auch verbesserte Entscheidungsstrukturen und -methoden etabliert.

  3. Implementierung von Verbesserungen: Basierend auf den Erkenntnissen aus der Prozessanalyse würden kontinuierliche Verbesserungen implementiert. Beispiele könnten sein:
    - Closed Loops – geschlossene Materialkreisläufe um Abfälle zu minimieren.
    - Optimierung der Produktionslinien, um den Energieverbrauch zu reduzieren, beispielsweise durch den Einsatz effizienterer Maschinen oder die Nutzung erneuerbarer Energiequellen.
    - Wiederverwendung von Wasser in den Produktionsprozessen, um den Wasserverbrauch zu minimieren.
    - Abwärme von Anlagen nutzen
    - Reduzierung von Verlusten durch bessere Planung und Materialverwaltung, Einführung von Circular Design.

  4. Messung und Überwachung: Das Unternehmen würde fortlaufend die Auswirkungen dieser Verbesserungen auf die Ressourceneffizienz überwachen und messen. Hierbei könnten Kennzahlen wie der Energieverbrauch oder der Wasserverbrauch pro Einheit verwendet werden. Hierbei wäre zu beachten, dass Mitarbeitende auch wissen sollten, warum welche Kennzahl erhoben wird und welche konkreten Auswirkungen die Kennzahl hat. D.h. hier ist es notwendig Zusammenhänge sichtbar zu machen, statt auf reine Datenerhebung zu fokussieren.

  5. Anpassung und weitere Verbesserungen: Basierend auf den überwachten Daten und dem Feedback der Mitarbeiter würden laufend Anpassungen und weitere Verbesserungen vorgenommen, um die Ressourceneffizienz weiter zu steigern.

  6. Berichterstattung und Kommunikation: Das Unternehmen würde seine Bemühungen zur Ressourceneffizienz transparent und ehrlich kommunizieren, sowohl intern als auch extern, um das Engagement für Nachhaltigkeit und Umweltschutz zu zeigen und dadurch ggfs. attraktiver für weitere Mitarbeiter:innen werden. 

Lies' weiter in Teil 14 unserer Artikelreihe "Was hat Lean mit Nachhaltigkeit zu tun?" welcher am 04. Dezember erscheint oder geh' nochmal zurück zu Teil 12.



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