Respect for People in der täglichen Praxis

Respect for People in der täglichen Praxis

Eines der Lean-Prinzipien ist „Respect for People“, typischerweise das letzte in der Liste bzw. in manchen Urlisten (noch) gar nicht vorhanden. Gleichzeitig ist dieses Prinzip auch das am meisten unterschätzte, missverstandene und ignorierte Prinzip, das aber im Grunde fundamental ist für die erfolgreiche Umsetzung der anderen Prinzipien, weil diese Umsetzung immer vom Menschen ausgeht und auch bei ihm „ankommt“.

04. Juni 2024 um 04:30 Uhr von Götz Müller
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Das Prinzip des „Respect for People“ innerhalb der Lean-Philosophie wird oft als letztes aufgeführt oder fehlt in einigen Auflistungen gänzlich. Dieses Prinzip ist jedoch von grundlegender Bedeutung für die Implementierung aller anderen Lean-Prinzipien, obwohl es häufig als das am meisten unterschätzte, missverstandene und ignorierte Prinzip gilt.

„Respect for People“ ist nicht gleichzusetzen mit einer sanften Herangehensweise. Es kann für die Beteiligten durchaus herausfordernd sein und manchmal sogar Unbehagen verursachen. Dies gilt sowohl für die Personen, denen Respekt entgegengebracht wird, als auch für jene, die Respekt zeigen.

Inhaltlich ist „Respect for People“ mit drei der fünf grundlegenden Bedürfnisse von Führungskräften verknüpft, die durch das Training Within Industry (TWI) adressiert werden.

Die erste Säule ist die Befähigung der Menschen, gute Arbeit zu leisten, die durch die Arbeitsanweisungen im Job Instruction Training vermittelt wird. Hierbei wird der Grundsatz betont: „Wenn der Schüler nicht gelernt hat, hat der Lehrer nicht gelehrt.“

Die Verantwortung für das Ergebnis der Unterweisung liegt klar beim Unterweisenden. Dies spiegelt einen tiefen Respekt wider, der sowohl den Prozess der Unterweisung als auch das Ergebnis – die Fähigkeit, gute Arbeit zu leisten – umfasst.

Die zweite Säule betrifft die Schaffung guter Arbeitsbeziehungen. Dies ist nicht nur für die Führungskraft von Vorteil, sondern zeigt auch den Respekt gegenüber dem Mitarbeiter. Es geht darum, eine wertvolle Beziehung aufzubauen und den Mitarbeiter als Individuum zu respektieren, der unterschiedliche Bedürfnisse hat. Diese Anerkennung der Individualität wird durch das Job Relations Training gefördert und in dem begleitenden Prinzip eben aktiv untermauert.

Die dritte Säule ist die Fähigkeit, Standards zu erkennen, einzuhalten und zu verbessern. Dies beginnt bei den Arbeitsanweisungen und den begleitenden Unterweisungen und setzt sich im Job Methods Training fort. Die Verbesserung der Arbeitsprozesse steht im Vordergrund, wobei die Einbeziehung der Mitarbeiter entscheidend ist. Sie sind die Experten ihrer Tätigkeiten, und es wäre eine Verschwendung ihres Potenzials und damit respektlos, sie nicht in die Verbesserungsprozesse einzubeziehen.

Dazu gehört dann bspw. auch, dass man aktiv der Aussage vorbeugt „uns fragt ja keiner“, indem schlichtweg einfach gefragt wird, was an einer Tätigkeit schwierig, umständlich, zeitraubend o.ä. ist. Daraus ergeben sich dann oft Stellschrauben für Verbesserungen. Im Vorfeld zu diesen Fragen sollte entsprechendes Bewusstsein für diese Potenziale zur Verbesserung aktiv geschaffen werden.

Das begleitende Prinzip hierzu lautet: „Führungskräfte erzielen Ergebnisse nur durch ihre Mitarbeiter.“ Dies unterstreicht den Respekt, der in der Zusammenarbeit zum Ausdruck kommt.

Meiner Meinung nach leidet der Respekt dabei nicht darunter, dass der Nutzen nicht nur dem Respektempfänger zugutekommt, sondern auch der Respektgeber (und die Organisation, in der er bzw. beide Personen eine Rolle spielen) einen Vorteil daraus zieht, entweder weil der Respekt eine (innere) Motivation beim Empfänger bewirkt, die dann das Engagement steigert oder auch nur Widerstände abbaut bzw. vermeidet.

Ich glaube nicht, dass es eine reine Form der Selbstlosigkeit ohne eigenen Nutzen gibt. Der Nutzen kann auch darin bestehen, ein gutes Gefühl zu haben oder die eigene Bewertung, etwas Gutes getan zu haben.

„Respect for People“ schafft somit eine klassische Win-Win-Situation bzw. bei Einbeziehung der Organisation sogar eine Win-Win-Win-Situation.

Mehr über Training Within Industry und die genannten Job-Module finden Sie in dieser Zusammenstellung.



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