Kaizen 2 go 358 : Mit Low-Code zur Prozessautomatisierung

Kaizen 2 go 358 : Mit Low-Code zur Prozessautomatisierung

Fragestellungen aus der Unterhaltung mit Sebastian Schneider: Was ist Low-Code? Was ist der Vorteil von Low-Code bei der Prozessautomatisierung ggü. „klassischen“ Automatisierungslösungen? In welchen Unternehmensbereichen und Branchen kommen die Vorteile von Low-Code-Anwendungen besonders zum Tragen? Was unterscheidet Low-Code-Lösungen von klassischen Excel? Wie vermeidet man eine Schatten-IT und damit zusammenhängend die (unerkannte) Abhängigkeit von einzelnen Personen? Welche Voraussetzungen sind bei Low-Code-Automatisierung zu beachten? Welche Rolle spielt die IT interner Dienstleister im Low-Code-Kontext? Welche Konsequenzen und mögliche Konflikte können dabei auftreten aber ggf. auch vermieden werden? Welche neuen Aufgaben kommen beim Einsatz von Low-Code-Lösungen auf die Mitarbeiter in den Fachabteilungen zu, welche Reaktionen können dabei auftreten und wie geht man am besten damit um?

04. März 2025 um 04:30 Uhr von Götz Müller
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Das Transkript ist hier verfügbar.

Kaizen 2 go 358 : Mit Low-Code zur Prozessautomatisierung

KI-generierte Zusammenfassung des Transkripts

In dieser Episode spricht Götz Müller mit Sebastian Schneider, dem Geschäftsführer von skybow, über Chancen, Herausforderungen und konkrete Einsatzmöglichkeiten von Low-Code-Technologien.

Zu Beginn stellt Sebastian Schneider seinen beruflichen Hintergrund vor. Er ist seit fast zehn Jahren bei skybow tätig, begann im Marketing, wechselte in den Vertrieb und übernahm Anfang 2020 die Rolle des CEO. Dabei konzentriert er sich weiterhin stark auf vertriebliche und marketingorientierte Aufgaben, während sein Mitgeschäftsführer Matthias Walter die technische Seite verantwortet.

Anschließend leitet Götz Müller mit der grundlegenden Frage ein, was Low-Code eigentlich sei. Sebastian Schneider beschreibt dies mit einer anschaulichen Metapher: Klassisches Programmieren entspricht dem Bauen eines Hauses Stein für Stein. Bei Low-Code hingegen gibt es vorgefertigte Bausteine, wie ganze Wände oder Fenster, wodurch Lösungen schneller und effizienter erstellt werden können. Der Nachteil besteht in einer etwas geringeren Flexibilität, die jedoch durch ergänzende Codierungsmöglichkeiten aufgefangen werden kann.

Ein wesentlicher Vorteil von Low-Code liegt laut Sebastian Schneider in der Geschwindigkeit der Umsetzung („Go-to-market-Geschwindigkeit“) sowie in der Möglichkeit, agil zu arbeiten. Prozesse wie das Onboarding neuer Mitarbeiter lassen sich innerhalb weniger Stunden modellieren und präsentieren. Dies erleichtert es Unternehmen, Ideen frühzeitig zu visualisieren, Feedback einzuholen und Anpassungen vorzunehmen. Besonders wertvoll ist das für Organisationen, die digitalisieren wollen, aber noch unklar sind, welche konkreten Möglichkeiten bestehen.

Auf die Frage von Götz Müller nach Einsatzbereichen erklärt Sebastian Schneider, dass Low-Code weitgehend branchenunabhängig sei. Kunden von skybow finden sich sowohl in der öffentlichen Verwaltung als auch in der Industrie und im Gesundheitswesen. Die einzige relevante Einschränkung ist die IT-Infrastruktur: Skybow setzt vollständig auf Microsoft 365, insbesondere SharePoint und Teams. Low-Code eignet sich dabei vor allem für Alltagsprozesse, nicht für hochspezialisierte Produktionsabläufe wie etwa Fertigungslinien in der Automobilindustrie.

Ein Vergleich mit Microsoft Excel verdeutlicht die Unterschiede. Zwar sei Excel sehr mächtig und weit verbreitet, bringe jedoch auch Risiken wie fehlende Versionierung, mangelnde Sicherheit und die Gefahr von Schatten-IT mit sich. Low-Code-Lösungen auf SharePoint-Basis böten dagegen professionelle Strukturen, klare Berechtigungssysteme und Revisionssicherheit. Damit werde ein höheres Maß an Governance erreicht. Gerade dieses Thema sei entscheidend, betont Sebastian Schneider, weil Low-Code es auch Nicht-IT-Fachleuten ermögliche, Anwendungen zu erstellen. Unternehmen müssten deshalb sicherstellen, dass klar dokumentiert ist, wer welche Anwendungen erstellt, betreut und weiterentwickelt.

Ein weiterer Diskussionspunkt betrifft die Rolle der IT-Abteilungen. Nach Ansicht von Sebastian Schneider wandelt sich diese stark: Statt primär Anwendungen selbst zu entwickeln, übernehmen IT-Teams zunehmend eine planende und regulierende Rolle. Sie behalten den Überblick über die Infrastruktur, Schnittstellen und Sicherheitsfragen. Dadurch steigt das Anforderungsprofil, was wiederum Konfliktpotenzial birgt. Um Spannungen zwischen Fachabteilungen und IT zu vermeiden, empfiehlt er, beide Seiten von Anfang an einzubinden. Transparente Kommunikation und die frühzeitige Klärung von Fragen zur Datensicherheit seien entscheidend.

Götz Müller spricht daraufhin die Initiatoren von Low-Code-Projekten an. Sebastian Schneider unterscheidet zwei Wege: Entweder gibt es ein spezifisches Problem, für das eine fertige Lösung wie eine Flottenmanagement-App eingesetzt wird, die sich per Low-Code anpassen lässt. Oder eine Organisation möchte zahlreiche Prozesse digitalisieren, beispielsweise um ältere Systeme wie Access oder Excel-Applikationen abzulösen. Low-Code bietet hier die Chance, schrittweise und inkrementell vorzugehen, statt alle Prozesse auf einmal umzustellen.

Das Gespräch dreht sich anschließend um die Frage, welche Mitarbeiter Low-Code aktiv nutzen können. Sebastian Schneider betont, dass Personen mit technischer Abneigung sich meist nicht beteiligen werden. Wer jedoch bereits Erfahrung mit Excel-Formeln hat oder grundsätzlich technisches Interesse mitbringt, könne mit Low-Code eigene Anwendungen entwickeln. Für andere Nutzer sei es sinnvoller, fertige Lösungen bereitzustellen.

Besonders betont Sebastian Schneider die Stärke des agilen Vorgehens: Schon in frühen Phasen lassen sich Ergebnisse demonstrieren, was auch skeptische Mitarbeiter einbindet. Er illustriert dies mit einem Beispiel aus einer Spesen-App: Während theoretische Beschreibungen wenig Begeisterung auslösen, überzeugt eine praktische Demo mit automatisierter Belegerfassung unmittelbar. Götz Müller ergänzt diese Gedanken mit einer Bau-Metapher: Mitarbeitende, die nicht das ganze Haus errichten wollen, können dennoch Bilder aufhängen oder die Küchenausstattung mitgestalten. So werden ihre praktischen Erfahrungen in den Entwicklungsprozess integriert.

Beide Gesprächspartner heben hervor, dass genau hier große Chancen liegen. Mitarbeitende kennen ihre Arbeitsabläufe am besten und können durch ihre Beteiligung sicherstellen, dass Lösungen praxisnah und akzeptiert sind. Anders als bei starren Standardlösungen lassen sich mit Low-Code Prozesse schnell anpassen und weiterentwickeln.

Am Ende des Gesprächs ziehen Götz Müller und Sebastian Schneider ein gemeinsames Fazit. Low-Code ermögliche nicht nur schnellere Digitalisierung, sondern auch mehr Einbindung von Mitarbeitenden und bessere Akzeptanz von IT-Lösungen. Entscheidend bleibe jedoch, Prozesse vorab klar zu strukturieren, Governance sicherzustellen und die Zusammenarbeit von IT und Fachabteilungen zu fördern.

Damit spannt das Gespräch den Bogen von technischen Grundlagen über organisatorische Fragen bis hin zu kulturellen Aspekten der Zusammenarbeit. Götz Müller und Sebastian Schneider zeigen auf, wie Low-Code nicht nur Effizienzgewinne ermöglicht, sondern auch Brücken zwischen verschiedenen Unternehmensbereichen schlagen kann.



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