Kaizen 2 go 345 : KI-gestützte Montageplanung

Kaizen 2 go 345 : KI-gestützte Montageplanung

Fragestellungen aus der Unterhaltung mit Alexander Neb: Was war der Impuls sich mit KI im Kontext von Montageplanung zu beschäftigen? Wie sieht der typische Ablauf klassischer Montageplanung aus? Welche Probleme bestehen bei klassischer Montageplanung? Welche Ursachen hat das und welche Folgen ergeben sich daraus? Wie kann KI dabei helfen? Welcher Nutzen entsteht durch die KI? Welche Veränderungen ergeben sich im Erstellungsprozesse? Wie sehen die Reaktionen auf diesen Anwendungsfall aus? Wie wird sich ggf. zukünftig der Konstruktionsprozess oder sogar der Designprozess verändern?

05. September 2024 um 04:30 Uhr von Götz Müller
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Das Transkript ist hier verfügbar.

Kaizen 2 go 345 : KI-gestützte Montageplanung

KI-generierte Zusammenfassung des Transkripts

In dieser Episode spricht Götz Müller mit Alexander Neb, dem Gründer und Geschäftsführer von Assemblio, über die Rolle von künstlicher Intelligenz in der Montageplanung und welche Veränderungen dadurch für Konstruktion, Produktion und Dokumentation entstehen.

Zu Beginn schildert Alexander Neb seinen persönlichen Einstieg in das Thema. Er habe selbst in der Arbeitsvorbereitung gearbeitet und sei oft bis spät in die Nacht damit beschäftigt gewesen, Screenshots und Montagepläne zu erstellen. Diese Erfahrung habe ihn frustriert und motiviert, eine bessere Lösung zu entwickeln. Über seine Promotion an der Fraunhofer Gesellschaft vertiefte er das Thema systematisch und legte damit den Grundstein für Assemblio.

Im Gespräch beschreibt Alexander Neb den klassischen Ablauf einer Montageplanung: Nach der Konstruktion eines Produkts muss detailliert dokumentiert werden, wie es zusammengebaut wird, welche Werkzeuge nötig sind und in welcher Reihenfolge die Arbeitsschritte erfolgen. Diese Dokumente seien sehr umfangreich, stark von implizitem Wissen geprägt und oft über Monate hinweg in Bearbeitung. Häufig übersteige der Dokumentationsaufwand sogar den der eigentlichen Konstruktion. Ein weiteres Problem sei die Dynamik: Schon kleine Änderungen im Design führten zu großen Anpassungen in den Dokumenten, was wiederum enorm viel Zeit koste.

Götz Müller erkennt darin Parallelen zur Softwareentwicklung: Auch dort sei die Dokumentation eine ungeliebte, aber notwendige Aufgabe, die dennoch oft mangelhaft sei. Alexander Neb bestätigt, dass die Qualität solcher Unterlagen stark schwankt und dass Fehler, Missverständnisse oder implizites Wissen häufig nicht sauber festgehalten werden.

Hier setzt Assemblio an. Alexander Neb erklärt, wie das System mithilfe von KI Bauteile analysiert, ihre Beziehungen erkennt und Montageschritte automatisch ableitet. Während Experten an ihre Grenzen stoßen, wenn sie Details übersehen oder vergessen, kann die KI parallel alle Abhängigkeiten erfassen. Sie identifiziert beispielsweise, welche Teile nur in einer bestimmten Reihenfolge montiert werden können oder wo Werkzeuge keinen Zugang haben. Damit werden potenzielle Fehler frühzeitig sichtbar.

Besonders betont Alexander Neb, dass Assemblio nicht den Menschen ersetzt, sondern ihn unterstützt. Das System könne bis zu 98 Prozent der Montageplanung automatisieren, die verbleibenden zwei Prozent erforderten nach wie vor das Know-how und die Kreativität von Fachleuten. Ein Beispiel sei die automatische Erkennung von Designänderungen: Statt tausende Bauteile neu prüfen zu müssen, filtert die KI heraus, welche identisch geblieben sind, welche nur leicht angepasst wurden und welche wirklich neu sind. Dadurch verringere sich der Dokumentationsaufwand dramatisch.

Götz Müller fragt nach den Reaktionen in Unternehmen. Alexander Neb berichtet, dass Einkäufer den klaren Return on Investment schätzen und Monteure den praktischen Nutzen im 3D-Tool zu schätzen wissen. Skepsis gebe es vor allem im Mittelstand, oft aus Angst vor neuen Technologien, Cloud-Lösungen oder Datenschutzfragen. Auch die Sorge vor Arbeitsplatzverlust sei bislang unbegründet, da der Fachkräftemangel groß sei und kaum jemand gerne Dokumentationen erstelle.

Auf die Frage nach Veränderungen im Konstruktionsprozess betont Alexander Neb, dass Montageplanung nicht mehr nachgelagert stattfinden sollte. Stattdessen werde sie parallel zur Entwicklung durchgeführt, sodass Fehler schon früh erkannt werden. Dadurch verschiebe sich der Fokus stärker auf Montageaspekte in der Produktentwicklung. Dies verhindere unnötige Redesigns und verkürze Entwicklungszeiten erheblich.

Ein zentrales Thema des Gesprächs ist der menschliche Faktor. Manche Experten hätten zunächst Widerstände gezeigt, wenn die KI ihnen Reihenfolgen vorgab. Assemblio habe daher den Ansatz geändert: Statt Entscheidungen vollständig zu automatisieren, gibt das System Hinweise, visualisiert Abläufe und erledigt die aufwändige Dokumentation. So bleibt die Expertise beim Menschen, während die mühsame Detailarbeit entfällt. Alexander Neb zieht den Vergleich zu ChatGPT: Man gibt Stichpunkte vor, das System übernimmt die Ausarbeitung, die man anschließend nur noch überprüft und anpasst.

Götz Müller greift den Gedanken auf, dass KI unbewusstes Wissen sichtbar machen könne. Konstrukteure kennen ihre Produkte zwar im Detail, vergessen aber oft, bestimmte Schritte explizit zu dokumentieren. Hier helfe die KI, Denkprozesse abzubilden und Wissenslücken zu schließen.

Im Ausblick sieht Alexander Neb die Zukunft in einer noch stärkeren Integration intelligenter Systeme in den Konstruktions- und Produktionsprozess. Fehler würden deutlich früher erkannt, Analysen wie MTM-Zeiten oder Automatisierungspotenziale könnten automatisiert bereitgestellt werden. Besonders wichtig sei die 3D-Visualisierung: Anstatt Informationen in zweidimensionalen Bildern oder langen Texten darzustellen, würden Montageprozesse anschaulich simuliert und leicht nachvollziehbar. Studien zeigten, dass Menschen komplexe Abläufe in 3D viel schneller verstehen als über abstrakte Zeichnungen.

Beide Gesprächspartner betonen, dass der Mensch ein „3D-Wesen“ sei und haptisches, visuelles Lernen am besten funktioniere. Beispiele wie IKEA-Anleitungen verdeutlichen, wie schwierig abstrakte Bilder zu interpretieren sind, während animierte 3D-Darstellungen den Nachbau wesentlich erleichtern.

Zum Abschluss reflektiert Alexander Neb, dass KI nicht als Bedrohung, sondern als Chance gesehen werden sollte. Sie erweitert die Fähigkeiten von Fachleuten, nimmt ungeliebte Aufgaben ab und beschleunigt Prozesse. Der Mensch bleibe jedoch entscheidend für kreative Ideen, Innovation und die finale Verantwortung.


Die Unterhaltung macht deutlich, dass KI-gestützte Montageplanung nicht nur Effizienzgewinne bringt, sondern auch die Zusammenarbeit zwischen Konstruktion, Arbeitsvorbereitung und Produktion verändert. Für Unternehmen eröffnet sie die Möglichkeit, komplexe Prozesse transparenter, schneller und fehlerärmer zu gestalten und dabei den Menschen gezielt zu entlasten.



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