
Menschen stärken, Prozesse optimieren – Positive Psychologie im Kontext von LEAN Management
Wie kann man Wertschöpfung und Wertschätzung in der täglichen Führung am Shopfloor zusammenbringen? Indem wir die Fähigkeiten der Teammitglieder ganzheitlich entwickeln, Kaizen vorantreiben und die Werkzeuge des LEAN Managements anwenden. Wie der Gedanke des Hitozukuri bei Toyota sich durch die Erkenntnisse der Positiven Psychologie in Einklang zu bringen sind, soll hier zusammenfassend dargestellt werden.
Die grundlegenden Zusammenhänge der positiven Psychologie und deren Möglichkeit zur Anwendung am Shopfloor habe ich bereits im Artikel (Positive Psychologie am Shop-floor - Zwei Welten, die sich perfekt ergänzen « LeanBase) ausgeführt.
Schon in diesem Artikel wurde dargestellt, dass die Stärken der Mitarbeiter zu erkennen und zu fördern, ein Umfeld zu schaffen, das Engagement und Zusammenarbeit fördert, und die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden der Mitarbeiter steigern kann.
Dieser Gedanke liegt bereits tief in der Idee des Toyota Produktionssystems (TPS) zugrunde. Das Monozukuri, das Dinge machen, wird in dieser Philosophie durch das Hitozukuri, dem Menschen machen, ermöglicht. Die ganzheitliche Betrachtung des Menschen im Hitozukuri ist in vielen Aspekten dem Ansatz des Positive Leadership ([1]; Markus Ebner) vergleichbar angelegt. Die Forschung rund um die Positive Psychologie und deren Anwendung in der Führung ist daher aus Sicht des Autors geeignet Wertschöpfung und Wertschätzung am Shopfloor und darüber hinaus zusammen zu bringen.
Das Prinzip des KAIZEN, der kontinuierlichen Reflektion, erfordert Mitarbeitende, die dieses Prinzip mittragen können, wollen und dürfen. Dies ist so, weil der Mensch und seine ganzheitlichen Fähigkeiten der Schlüssel zu hoher Qualität und der ständigen Reflektion der Arbeitsprozesse sind. Auch hier greift das beschriebene Prinzip des Hitozukuri.

Die Positive Psychologie und das daraus abgeleitete Poitive Leadership könne diese ganzheitliche Befähigung der Mitarbeitenden unterstützen und somit den Geist des Hitozukuri aufgreifen.
Was steckt nun konkret hinter dem Konzept des PERMA lead nach Ebner?
P: Führungskräfte fördern das Wohlbefinden ihrer Mitarbeitenden, steigern deren Zufriedenheit und tragen dazu bei, dass Arbeit Spaß macht.
E: Führungskräfte delegieren Aufgaben, die den individuellen Stärken der Mitarbeitenden entsprechen, und unterstützen sie dabei, diese weiterzuentwickeln. Sie helfen, Fähigkeiten zu erkennen und auszubauen.
R: Führungskräfte schaffen ein Arbeitsumfeld, in dem gegenseitige Unterstützung und Wertschätzung im Team selbstverständlich sind. Sie fördern das Zugehörigkeitsgefühl jedes Einzelnen.
M: Führungskräfte vermitteln Sinn und Relevanz der Arbeit, sodass Mitarbeitende den Wert ihrer Tätigkeiten erkennen und erleben.
A: Führungskräfte würdigen erreichte Ziele, loben ihre Mitarbeitenden und geben positives Feedback für Erfolge.

Die Kombination der beruflichen Kompetenz („Die Tücke des Objektes beherrschen“ [2]) mit dem Wohlbefinden des Mitarbeitenden kann zu hoher Leistungsstärke von Teams führen. Beides sind Führungsaufgaben, die in bester Weise zusammengefügt werden müssen. Der Analogie des Segelschiffes in oben stehender Abbildung folgend ist gerade das Wohlbefinden der Mitarbeitenden dazu geeignet „Fahrt aufzunehmen“ und ein Team zu hoher Leistung zu führen. Die Basis ist der Schiffsrumpf, die vorhandenen Kompetenzen.
Hitozukuri ist die Philosophie der ganzheitlichen Entwicklung von Menschen.
Hitozukuri bedeutet im Wortsinn "Menschen machen" oder "Menschen entwickeln". Es geht daher explizit nicht nur um die technische Ausbildung, sondern auch um die persönliche und soziale Entwicklung von Menschen. Neben der beruflichen Weiterentwicklung werden in dieser Philosophie auch die Förderung des körperlichen und geistigen Wohlbefindens gefördert und Mitarbeitende zu motivierten, verantwortungsbewussten, stolzen und selbstständigen Menschen entwickelt. Menschen werden nicht nur als Arbeitskräfte gesehen, sondern als wertvolle Persönlichkeiten, die über sich hinauswachsen können – fachlich, charakterlich und menschlich.
Die drei Säulen des Hitozukuri sind Waku Waku, Iki Iki und Yarigai.
Waku Waku beschreibt den Zustand der Vorfreude und Begeisterung, wenn Menschen sich auf die Arbeit und ihre persönlichen Herausforderungen mit Neugierde freuen und den Herausforderungen mit Kreativität begegnen.
Iki Iki beschreibt einen Zustand der Vitalität und positiven Energie. Es bedeutet, dass Leute bei ihrer Arbeit aktiv und gesund sind, sich gut fühlen und mit Freude handeln. Sie haben das Gefühl der Selbstwirksamkeit.
Yarigai beschreibt das Gefühl von Sinnhaftigkeit und Erfüllung bei der Arbeit. Es bedeutet, dass Menschen das Gefühl haben, dass ihre Arbeit einen Wert und einen tieferen Sinn hat. Yarigai ist ein zentraler Bestandteil der Hitozukuri-Philosophie, da es bei echter Personalentwicklung nicht nur darum geht, Fähigkeiten zu verbessern, sondern auch darum, sicherzustellen, dass Mitarbeiter einen sinnvollen Beitrag leisten und dabei persönlich wachsen können.

Diese Entwicklung von Menschen (Hitozukuri) ist die Grundvoraussetzung und Basis davon qualitativ hochwertige Produkte herzustellen und die Dinge zu beherrschen (Monozukuri). Der Mensch und seine ganzheitlichen Fähigkeiten sind daher der Schlüssel zu hoher Qualität und der ständigen Reflektion der Arbeitsprozesse (Kaizen).
Positive Psychologie liefert die wissenschaftlichen Erkenntnisse, dass Hitozukuri ein wirksames Konzept ist. Das abgeleitete Positive Leadership kann uns die Werkzeuge liefern diesen Geist (Wertschöpfung UND Wertschätzung) erfolgreich am Shopfloor und darüberhinaus umzusetzen.
[1] Markus Ebner; Positive Leadership; 1. Auflage; 2019; Facultas
[2] Mari Furukawa-Caspary; LEAN auf gut Deutsch: Band 1; 1. Edition; 2016; BoD
https://leanbase.de/academy/lernmodule/menschen-starken-prozesse-optimieren-positive-psyc
https://leanbase.de/publishing/post/xgppa-positiver-psychologie-am-shopfloor-zwei-welt
https://leanbase.de/publishing/post/sn7dm-menschen-starken-prozesse-optimieren-positiv
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