Alternde Belegschaft: Das unerschöpfte Potenzial

Alternde Belegschaft: Das unerschöpfte Potenzial

Hinsichtlich der demografischen Entwicklungen sind die Kompetenzen und Leistungen älterer Beschäftigten unerlässlich. Daher muss der Arbeitsplatz nach ergonomischen Prinzipien gestaltet werden - um eine längere, gesündere und motivierte Lebensarbeitszeit der älteren Beschäftigten zu ermöglichen. Ganz wichtig: Dieses Thema betrifft auch die Jüngeren im Betrieb.

#leanmagazin
am 24. 10. 2022 um 04:30 Uhr in LeanMagazin von futureorg Institut


Die Altersstruktur in Unternehmen ist aufgrund des demografischen Wandels im Ungleichgewicht. Die Unternehmen bestehen zumeist aus alternden Belegschaften, die zunehmend in den Ruhestand gehen. Nicht wenige sind zudem von Fachkräftemangel betroffen. Das hat zur Folge, dass die wenigen jungen Mitarbeiter oft ein immer größeres Arbeitspensum übernehmen müssen, um diesen Zustand zu kompensieren. Dies erläutert die Hans-Böckler-Stiftung. Eine Lösung: immer mehr Unternehmen sind bestrebt, die ältere Belegschaft länger in das Erwerbsleben zu integrieren. In diesem Fall ist es umso wichtiger, die Arbeitsfähigkeit älterer Mitarbeiter durch eine ergonomische Arbeitsgestaltung zu erhalten.

Altersstrukturanalysen für Ergonomie

Ob und welche Handlungsmaßnahmen im Falle einer alternden Belegschaft notwendig sind, können Unternehmen aus Altersstrukturanalysen gewinnen. Sie dienen nach Angaben der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung dazu, das Problembewusstsein im Unternehmen zu schärfen. Folglich können Unternehmen die altersgerechte Gestaltung des Arbeitsplatzes nach ergonomischen Gesichtspunkten angehen. Entscheidend ist dabei eine sowohl präventive als auch prospektive Arbeitsgestaltung, die das Wohlbefinden der Beschäftigten steigert. Das betont die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). Das maßgebliche Potenzial der jeweiligen Altersgruppen kann so voll ausgeschöpft werden und zur Wettbewerbsfähigkeit und Produktivität des Unternehmens beitragen.

Der Alterungsprozess: Fluch oder Segen?

Das Potenzial von Beschäftigten mit zunehmendem Erwerbsalter wird oft übersehen. Dabei garantiert gerade diese Altersgruppe durch ihre lange Berufserfahrung eine hohe fachliche Qualifikation, Zuverlässigkeit und soziale Kompetenz, von der Unternehmen profitieren können. Was ist der Grund dafür? - Gerade in Industriebetrieben sind die Mitarbeiter oft jahrelanger, körperlich anstrengender Arbeit ausgesetzt. Dies, verbunden mit den natürlichen Folgen des Alterns, beeinträchtigt die Arbeitsfähigkeit der Beschäftigten. Bestimmte Arbeitsbereiche sind daher für ältere Arbeitnehmer nicht mehr möglich, sodass ihr Potenzial begrenzt erscheint.

Um die Leistungsfähigkeit ihrer Mitarbeiter zu erhalten, müssen Unternehmen eine altersgerechte Arbeitsgestaltung ermöglichen, die die individuellen Kenntnisse und Fähigkeiten der Mitarbeiter berücksichtigt. Das Böckler-Institut, das sich für eine faire Arbeitswelt einsetzt, empfiehlt, die Beschäftigten in diesen Prozess einzubeziehen. So können sie sich als Experten aktiv an der Anpassung oder Gestaltung ihrer Arbeitsbedingungen beteiligen. Dabei ist es wichtig, dass ihnen ein gewisser Handlungsspielraum eingeräumt wird. Diese Eigenständigkeit ermöglicht es ihnen, ihre Stärken besser zu nutzen und so altersspezifische Beeinträchtigungen zu überbrücken.

Arbeitsbelastung senken - Leistung steigern

Nach Angaben des Böckler-Instituts wird für die Prävention von Beeinträchtigungen eine bestimmte Methode der Arbeitsorganisation empfohlen: die Job-Rotation. Die Arbeitnehmer rotieren buchstäblich zwischen verschiedenen Arbeitsplätzen und qualifizieren sich so für unterschiedliche Tätigkeiten. Dadurch wird der einzelne Arbeitnehmer entlastet und seine Leistungsfähigkeit erhöht. Gerade ältere Arbeitnehmer werden durch neue, intellektuell anspruchsvolle Aufgaben angespornt. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin hat festgestellt, dass sich diese Form der individuellen Entlastung positiv auf die Motivation und Leistungsfähigkeit älterer und jüngerer Arbeitnehmer auswirkt.

Je höher die Altersgruppe ist, desto wichtiger wird ein Ausgleich der Arbeitsbelastung. Die BAuA betont in diesem Zusammenhang, dass die Entlastung der Älteren jedoch nicht zulasten der Jüngeren gehen darf. Neben der Job-Rotation sind auch gut strukturierte Arbeitszeiten geeignet. Dazu gehören regelmäßige Pausen, Schichtwechsel und die Vermeidung oder Reduzierung anstrengender Nachtschichten.

Gesundheitliche Förderung innerhalb der Betriebe

Diese Themen betreffen nicht nur eine ältere Belegschaft. Bei der Alterung müssen auch die jüngeren Beschäftigtengruppen berücksichtigt werden, um vermeidbare gesundheitliche Überlastungen am Arbeitsplatz frühzeitig zu verhindern. Hier empfiehlt die BAuA eine Ausstattung mit Technologien und Arbeitsmitteln, die an die körperlichen Eigenschaften und Fähigkeiten der Beschäftigten angepasst sind. Dazu gehören unter anderem verstellbare Arbeitstische und -stühle, für das Sehen und Hören eine augenfreundliche Beleuchtung, reduzierter Lärm sowie Gehör- und Augenschutz.

Offene Kommunikation ist Voraussetzung

Um die Belastungen und Herausforderungen der alternden Belegschaft zu erkennen, zu verstehen und zu bewältigen, sollte eine offene Kommunikation für Unternehmen eine hohe Priorität haben. Sie bereitet die Mitarbeiter nicht nur auf künftige Veränderungen wie eine längere Lebensarbeitszeit vor. In Mitarbeitergesprächen können Themen wie die Wertschätzung und Förderung aller Altersgruppen durch eine aktive Beteiligung und Berücksichtigung der Betroffenen angesprochen werden. Denn gegenseitige Unterstützung und Transparenz fördert die Zufriedenheit, Motivation und Gesundheit der Beschäftigten und somit die Leistungsfähigkeit und Rentabilität eines Unternehmens.


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