Wo Sprachen und Lean Gemeinsamkeiten haben
Der Auslöser zu diesem Blog-Artikel war eine Podcast-Episode, in der es über die Schwierigkeiten von Erwachsenen bei Sprachenlernen ging. Im Kern stellte der Sprecher dem Lernen der Erwachsenen das Muttersprachelernen von Kindern gegenüber. An vielen Stellen sind mir dabei Parallelen zum Lean Management aufgefallen, wie dieses in Unternehmen eingeführt wird und leider (deshalb) auch viel zu oft scheitert.
Kinder lernen ihre Muttersprache(n) nicht, indem sie einzelne Wörter auswendig lernen, bspw. indem sie diese in einer Vokabelliste lesen und sie schreiben. Sie lernen ihre Muttersprache, indem sie ganze Sätze hören und dann irgendwann beginnen nachzusprechen. Sicherlich zu Beginn noch einzelne Wörter, aber ziemlich schnell werden es ganze Sätze.
Außerdem sind die Sätze, die sie hören, ziemlich willkürlich und begleiten einfach den Alltag (des Kindes).
Im Lean Management beschäftigten wir uns vergleichbar zum Sprachenlernen der Erwachsenen zu Beginn oft mit einzelnen Methoden und Werkzeugen (=Wörtern) und versuchen diese in einer Form des Frontalunterrichts mit Powerpoint-Präsentationen (lesen) den Mitarbeitern zu vermitteln, unausgesprochen, damit sie die Methoden und Werkzeuge auswendig lernen.
Viel besser wäre es doch, wenn die Mitarbeiter die Methoden und Werkzeuge im praktischen Einsatz erleben könnten (=in ganzen Sätzen hören) und möglich selbst einsetzen könnten (=sprechen).
Und man muss auch nicht immer mit den 5S anfangen, sondern sollte sich an den spezifischen Gegebenheiten des Unternehmens orientieren, d.h. am Alltag und den Problemen, die dort auftreten.
Ein weiteres wichtiges Element des Sprachenlernens von Erwachsenen ist das Durchdringen der Struktur der Fremdsprache und der Vergleich mit der eigenen Muttersprache. Das betrifft dann Ähnlichkeiten aber auch Unterschiede im Satzbau, in der Grammatik, bei Konjugationen usw.
Auch hier geht es also um viel mehr als nur einzelne Wörter, sondern um den Gesamtzusammenhang im Kontext.
Übertragen auf den Lean-Kontext sehe ich dabei zwei Dimensionen.
Zum einen ist es wichtig, eben den gesamten Wertstrom zu betrachten, einzelne Prozesse in der Prozesslandschaft zu verorten. Unterbleibt das, lernt man vielleicht wieder einzelne Wörter, kann aber keinen ganzen Satz sprechen und damit etwas ausdrücken, indem man ein Subjekt, ein Objekt und ein Verb verwendet. Im Lean-Kontext optimiert man vielleicht eine einzelne Tätigkeit, läuft aber immer Gefahr das größere Bild (=den ganzen Satz) zu ignorieren und in der Konsequenz das, was hinten rauskommen soll und wer (=Kunde) daraus einen Nutzen ziehen soll (auch intern).
Die zweite Dimension, die mir dabei in den Sinn kommt, bewegt sich eher auf einer Meta-Ebene. Wenn es also darum geht, die zugrundeliegende Philosophie von Lean Management zu durchdringen, wie sie in den Lean-Prinzipien zum Ausdruck kommt. Das sind in meinen Augen ähnlich strukturelle Aspekte wie bei einer Sprache.
Wenn ich diese Aspekte nicht erkenne / durchdringe, werde ich mich immer schwertun ganze Sätze zu formulieren und damit eine Kommunikation zu gestalten, die ihren Zweck erfüllt (nämlich eine gewünschte Reaktion bei meinem Gesprächspartner = Kunde auszulösen). Im Lean-Kontext kann ich zwar einzelne Methoden und Werkzeuge einsetzen, aber den anderen Beteiligten bleibt der tiefere Sinn dahinter verborgen und entsprechend kann auch keine innere Motivation zur Mitwirkung entstehen.
Wenn Sie sich jetzt fragen, wo/wie man die „Lean-Sprache“ auf diese Weise lernen kann, verweise ich Sie gerne auf die LeanSimulation und die verschiedenen Programme des LeanTransferLearning auf der LeanBase.
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