9. Episode

Zwei Tage voller Ungewissheit

#LeanTransformation
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Die letzte Woche vor dem Audit hat gerade von Thomas Leitner und Alexander Moser nahezu übermenschliches abverlangt. Hatten sich doch beide im letzten Meeting bereit erklärt, wesentliche Unterlagen für das Audit zusammenzutragen und zu ordnen. Neben ihrem Tagesgeschäft war das mehr als eine Herkulesarbeit – keinen Tag weniger als 14 Stunden im Büro, das Wochenende eingeschlossen.

Ob sich der der Einsatz gelohnt hat? Sie wissen es nicht. Noch weniger wissen sie, ob die Delegierten der YOHA Co. Ltd. die vielen, kurzfristig nicht zu beseitigenden „Problemchen“ sehen werden?
Unsicher, wie sie in dieser Situation sind, bleibt ihnen dennoch die Hoffung. Denn diese stirbt bekanntermaßen ja zuletzt.

Gemeinsam mit Bernd und Ernst Krauss warten sie nun in der Kamin-Lounge-Bar auf die Ankunft der südkoreanischen Gäste. Thomas Leitner wirft nochmals einen Blick auf Namensliste der angekündigten Herren: Der Qualitätsleiter Yim Man-soo, der Einkaufsleiter Kang Tae-hee und der Vertriebsrepräsentant für Österreich SaKong Ki-moon, welcher gleichzeitig auch noch als Übersetzer fungieren würde, sollte man mit der englischen Sprache einmal nicht mehr weiter kommen.

Hier im Hotel Weitzer waren die besten Zimmer gebucht und ein kurzes Meeting für den heutigen Abend vereinbart. Wollte man doch die Herren in entspannter Atmosphäre willkommen heißen.

Und sich vielleicht ein wenig „näher“ kommen, in der Hoffnung, so die nächsten zwei Tage positiv beeinflussen zu können. Und wenn dies nicht gelingen sollte, dann wollte man doch wenigstens eine gute Miene zum bösen Spiel machen.

Nun, es gibt es wenig über den Verlauf des kurzen Abends zu erzählen. Man begegnete sich… höflich, aber distanziert.

Am nächsten Morgen berichten Krauss Senior wie auch der Junior der gesamten Führungsmannschaft von der Stimmung des gestrigen Abends. Und dies eine halbe Stunde vor Beginn des Audits. was die Nervosität im Konferenzzimmer spürbar steigen lässt. Dennoch wissen sie, dass sie da jetzt durch müssen!

Pünktlich um 09.00 Uhr beginnt das Meeting mit einer kurzen Vorstellung der Krauss GmbH & Co. KG, gefolgt von einer ausführlichen Präsentation der YOHA Co. Ltd. seitens Yim Man-soo, dem Qualitätsleiter. Schließlich ist dies ist der erste Besuch von YOHA Co. Ltd. in Graz. Bernd Krauss beginnt zu erahnen, welche Bedeutung eben Qualität für diesen Kunden hat, während er den Ausführungen Yims folgt.

Nach kurzer Theorie folgt umgehend die Praxis: Betriebsrundgang. Alexander Moser führt die Gäste durch die Firma, jeweils unterstützt durch diverse Funktionsleiter.
Während Franz Großmannn ‚seinen‘ Produktionsbereich vorstellt, beobachtet Bernd erneut, wie die Herren Yim und Kang immer wieder die Köpfe zusammenstecken und leise in ihrer Landessprache miteinander reden. Und dies verbunden mit Unmengen von Notizen auf diversen Formularen.
Nicht anders verläuft es auch in den weiteren Abteilungen.

Wieder im großen Konferenzraum angekommen, präsentiert Bernd Krauss das QM-System seines Unternehmens. Die Qualitätsziele sind, ausgehend vom Unternehmensziel, für die einzelnen Fachfunktionen entsprechend abgeleitet. Die Herren der YOHA nicken verhalten während Krauss Juniors Ausführungen.

Dieser doch eher theoretischen Abhandlung folgen im Anschluss Gespräche mit ausgewählten Mitarbeitern in den einzelnen Funktionen.
Den Anfang macht hier erneut Alexander Moser, der (nebenbei) auch für die Auftrags- und Reklamationsbearbeitung zuständig ist. Dabei wird es auch für Bernd Krauss zunehmend offenkundig, dass es zwar beschriebene Prozesse gibt, doch keine Klarheit über deren Inhalte und Abläufe herrscht. Zusätzlich scheint die Verknüpfung mit den Aufgaben der Qualitätssicherung nicht transparent zu sein. Auch das abschließende Gespräch mit Thomas Leitner bringt hier keine weiteren, erhellenden Aspekte zu Tage.

Am zweiten Tag des Audits werden die Kennzahlen der Liefertreue gegenüber der YOHA Co. Ltd. mit Alexander Moser und Bernd Krauss diskutiert. Diese werden wohl exakt dargestellt, doch die Bedeutung der Kennzahlen und deren Plausibilität bleiben vage.
Danach stellt Alexander Moser als letzten Punkt auf der Agenda die Schulungspläne vor und erläutert deren Aufbau.

Bis zum Mittag des Tages sind alle Gespräche geführt und die Vertreter der YOHA Co. Ltd. ziehen sich zur internen Beratung zurück. Gemachte Beobachtungen sollen nun zusammengestellt und bewertet werden, damit diese – zumindest in Kurzform – zum Ende des Audits am Nachmittag dem Leitungsteam der Krauss GmbH & Co. KG präsentiert werden können.

Beinahe zwei Stunden warten Bernd Krauss und sein Team auf die Abschlussdiskussion.
115 Minuten, welche allen unendlich lang erscheinen. Und dazu die Ungewissheit über das Ergebnis, dessen Bedeutung und dazu eine gewisse Vorahnung, die allen schwer im Magen liegt … Wäre doch nur schon alles schon überstanden!

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