Ralf Volkmer im Interview: "Was danach passiert, entscheiden die Menschen"
Einen Augenblick verstummte der pausenlose Lärm auf dem diesjährigen LeanAroundTheClock. Ralf Volkmer erklärte, dass er 2023 aufhören wird. Im Lichte dieses Moments fragte Kamuran Sezer im Gespräch mit Ralf Volkmer "Du Ralf, warum machst du das überhaupt?". – ein Interview.
Ralf, warum machst Du den LeanAroundTheClock überhaupt?
Weil wir Menschen zusammenbringen wollen, die üblicherweise in Organisationen nicht die Möglichkeit haben, sich auf einer neutralen Ebene auszutauschen. Wir machen bereits seit vielen Jahren die Beobachtung, dass Menschen aus unterschiedlichen Ebenen einer Hierarchie zu wenig Zeit haben, sich zu unterhalten, sich auszutauschen und so nicht immer die Möglichkeit haben, Verständnis für die jeweilige anderen Seite zu entwickeln. Zudem sind wir uns sicher, dass jeder und jede von der jeweiligen anderen Seite lernen kann.
Auch wenn sie im selben Unternehmen sind?
Besonders wenn sie im selben Unternehmen sind. Im Tagesgeschäft bleibt oft oder sogar nie Zeit, sich tatsächlich “neutral” auszutauschen.
Und was haben diese Menschen auf unterschiedlichen Ebenen der Hierarchie davon, wenn Sie sich miteinander austauschen?
Ganz einfach und wie bereits schon gesagt: Sie können auf diese Weise ein gegenseitiges Verständnis für die jeweils andere Seite entwickeln. Dies, so bin ich mir sicher, hilft allen und damit auch dem Unternehmen.
Stichwort "Gegenseitiges Verständnis"... Ist dies der Grund, warum auf der LATC-Bühne Postionen und Meinungen vertreten sind, die zumindest auf den ersten Blick nicht miteinander vereinbar sind?
Wir verstehen uns als Raumgestalter, schaffen einen Rahmen, wollen allen eine Bühne bieten - was dann passiert, liegt nicht mehr in unseren Händen und soll es auch nicht. Dafür bringen wir die unterschiedlichen Facetten des Lean Managements auf die Bühne. Zumal im Lean Management oft ein Begriffsmatsch aus englisch, deutsch und japanisch verwendet wird und dies nicht selten ohne Tiefgang. Ich denke, dass es in anderen Diziplinen wie zum Beispiel in der Agilen Szene oder Scrum-Welt ähnlich ist. Leider ist es auch so, dass im besten Fall zwar über das Gleiche gesprochen wird, aber eben nicht über dasselbe. Dies führt aus meiner Sicht zwangsläufig zu Fehlinterpretation. Das LeanAroundTheClock soll daher auch dabei helfen, solche Missverständnisse aufzulösen.
Was macht LeanAroundTheClock für den Organisator selbst so besonders?
Ein Aussteller, der in diesem Jahr zum ersten Mal dabei war, sagte zu mir, dass er verwirrt sei. Nichts, was er von anderen Veranstaltungen kennt, träfe auf das LATC zu. Es sei ein großes Kommen und Gehen, ohne Pausen, ohne Namensschilder. Und genau das wollen wir. Wir sind überzeugt, dass es für Aussteller, Vortragende und ein großes Publikum genug Platz in einem Raum gibt. Sie sollen nicht voneinander gerissen werden, sondern sich begegnen und austauschen können.
Am Abend des ersten Tages gab es einen emotionalen Moment auf der Bühne. Du hast dem Publikum verraten, dass das LATC2023 deine letzte Veranstaltung wird. Warum denkst Du übers Aufhören nach?
Eigentlich hätte dieses LATC schon mein letztes sein sollen. Aber Corona kam dazwischen. Ich denke es ist an der Zeit, den “Jungen” - wie zum Beispiel dem 17-jährigen Marvin - nun die Möglichkeit zu geben, ihre Ideen zu verwirklichen. Außerdem werde ich in diesem Jahr 63 und ich habe meiner Frau versprochen, kürzer zu treten.
Du hast erzählt, wie Du Dir #LATC2023 wünschst.
Ich habe in meiner Jugend noch Woodstock “erlebt” und das beeindruckt mich noch heute. Daher freue ich mich, wenn das #LATC2023 ein großes Festival wird. Und ich freue mich wirklich sehr, dass mit Nadja Böhlmann, Götz Müller und Jan Fischbach drei tolle Menschen für das kommende Jahr die Programmgestaltung und vieles mehr übernehmen. Vielleicht sogar sind Nadja, Götz und Jan dann die Gesichter der künftigen LATCs - mich würde das sehr freuen.
Und wie sollte LATC2024 aussehen, damit Du glücklich bist und das Gefühl hast, dass Dein Erbe gut fortgesetzt wird?
Das weiß ich nicht! Selbstverständlich ist es mir nicht egal, wie man sich das vorstellen kann. Aber ich habe großes Vertrauen in Menschen in unserem Team. Ich weiß, dass sie es rocken werden. Ich weiß aber auch, dass Sie den Geist von LeanAroundTheClock nicht verändern werden. Die größte Herausforderung für mich wird daher sein, mich herauszuhalten. Ja, auszuhalten, nichts zu machen. Aber dafür habe ich eine gute Frau, die gut auf mich aufpasst.
Vielen Dank für Deine Gedanken, Ralf!
*) Mit der Erstellung dieses Textes wurde von uns das futureorg institut beauftragt, welches wiederum Herrn Kamuran Sezer hiermit beauftragt hat.
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