Wie Sie mit guten Shopfloor-Management-Kennzahlen arbeiten

Wie Sie mit guten Shopfloor-Management-Kennzahlen arbeiten

Das Arbeiten mit Kennzahlen ist ein zentrales Element von Shopfloor Management. Mein heutiger 3-Minuten-Impuls zeigt, wie gute Shopfloor-Management-Kennzahlen erarbeitet werden. Für Liefertreue und Personal-Effizienz werden konkrete Beispiele genannt, wie diese Kennzahlen in einfache Shopfloor-Kennzahlen heruntergebrochen werden können.

03. Juli 2024 um 04:30 Uhr von Lukas Morys
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Im Gespräch mit Produktionsverantwortlichen wurde mir bereits mehr als 200 Mal der Wunsch nach der wirksamen Arbeit mit Kennzahlen als Zielstellung genannt. Es scheint, als würden wir in unseren Fabriken enorm viel Zeit damit verbringen, die Kennzahlen zu erarbeiten, anstatt mit Kennzahlen zu arbeiten. Das ist für mich Grund genug, diesen 3-Minuten-Impuls dem Arbeiten mit Kennzahlen zu widmen.

Das Erarbeiten von Kennzahlen fällt  leicht - das Arbeiten mit Kennzahlen fällt schwer.


Beginnen möchte ich mit einer wichtigen Unterscheidung. Meiner Erfahrung nach sind die drei am häufigsten genannten Kennzahlen in der Produktion Liefertreue, Produktivität bzw. Effizienz und die OEE. Über die Reihenfolge lässt sich sicher streiten. Alle drei Indikatoren eint jedoch eine wichtige Eigenschaft: Sie zeigen die Leistung der Vergangenheit. Aus diesem Grund werden solche Kennzahlen als Spätindikatoren bezeichnet.

Auf dem Shopfloor müssen Spätindikatoren und Frühindikatoren  unterschieden werden

Spätindikatoren müssen über einen längeren Zeitraum betrachtet werden. Die Berechnung ist komplex und für Außenstehende schwer nachvollziehbar, da die Kennzahlen eine Aggregation mehrerer Einzelfaktoren darstellen. Kurz gesagt: Spätindikatoren sind für die tägliche Arbeit am Shopfloor wenig geeignet. Es müsste viel zu viel erklärt werden und es ist schwer nachzuvollziehen, welche Ereignisse am Shopfloor die Kennzahlen beeinflussen.

Soll wirksam mit Kennzahlen gearbeitet werden, müssen daher Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge der Spätindikatoren identifiziert werden. Diese heißen Frühindikatoren. Werden Frühindikatoren verbessert, verbessern sich mittelfristig auch die Spätindikatoren. Frühindikatoren sind damit ideale Kennzahlen für die tägliche Arbeit auf dem Shopfloor. Soll also ein Spätindikator verbessert werden, gilt es passende Frühindikatoren zu finden, die diesen positiv beeinflussen.

4 Tipps für gute Shopfloor-Management-Kennzahlen

Effizienz-Kennzahlen auf dem Shopfloor sind einfach zu verstehen. Daher werden auf vielen Shopfloor-Boards oft einfache Strichlisten geführt oder Informationen gesammelt. Genau diese Einfachheit ist entscheidend, wenn geeignete Shopfloor-Management-Kennzahlen definiert werden sollen. 

Ich selbst nutze 4 Kriterien, um zu bewerten, wie „gut“ die definierten Frühindikatoren für den Shopfloor sind:

  1. Frühindikatoren müssen einfach verständlich sein. Alle beteiligten Mitarbeiter müssen diese erklären können.
  2. Frühindikatoren sind sachlich formuliert, ohne dass es Raum für Ausreden oder Schuldzuweisungen gibt.
  3. Frühindikatoren müssen messbar und mit realistischen Zielen versehen sein, damit Abweichungen erkannt werden können.
  4. Frühindikatoren müssen kurzzyklisch (mindestens täglich) erfassbar sein, damit schnell gegengesteuert werden kann.


Die folgenden Beispiele sollen die Arbeit mit guten Shopfloor-Management-Kennzahlen und dem Zusammenspiel von Früh- und Spätindikatoren veranschaulichen.

 
Beispiel Liefertreue:
Die Liefertreue einer Produktionslinie soll als Spätindikator über 95% liegen. 

Als geeignete Frühindikatoren können folgende Kennzahlen auf dem Shopfloor genutzt werden: 

  • Verhältnis von Ist-zu-Soll-Ausbringung: Das Verhältnis der Ist-Ausbringung zur geplanten Soll-Ausbringung pro Tag liegt bei mindestens 95%. 
  • Erfasste ungeplante Verluste: Die erfassten ungeplanten Verluste (Qualität, Materialversorgung, technische Stillstände, organisatorische Stillstände) pro Tag liegen bei weniger als 30 Minuten. 
  • Einhaltung der Frozen-Zone: Die Frozen-Zone über 24h vor Auftragsstart zur Rüstoptimierung wird eingehalten. 
  • Soll-Ausbringungsplanung anhand verfügbarer Kapazität: Die Soll-Ausbringung wird nach wöchentlichem Abgleich des verfügbaren Kapazitätsangebots anhand des voraussichtlich vorhandenen Personals geplant.


 
Beispiel Personal-Effizienz:
Die Personal-Effizienz einer Abteilung soll pro Jahr um 5% steigen (Spätindikator).

Geeignete Frühindikatoren sind:

  • Täglich erfasste Verschwendung: Die täglich auftretende Verschwendung (in Form von Verlusten und Stillständen) wird kategorisiert erfasst, sodass die größten Stellhebel zur Effizienzsteigerung identifizierbar sind. Ziel ist, dass in Summe 20% der Personalzeit als Verschwendung erfasst und kategorisiert sind.
  • Nachhaltig eliminierte Verschwendung: Für die größten Stellhebel werden Verbesserungsmaßnahmen zur strukturierten Problemlösung eingeleitet. Ziel ist, dass pro Monat 2% der aufgenommenen Verschwendung nachhaltig vermieden werden können. Durch den Blick in den zeitlichen Verlauf einer erfassten Verschwendungskategorie wird geprüft, ob umgesetzte Maßnahmen effektiv sind. 


Sind 20% der Personalzeit als Verschwendung erfasst und werden im Monat 2% davon eliminiert, entspricht dies einer Verbesserungsrate von 0,4% pro Monat und 4,8% pro Jahr.

Schauen Sie doch gerne bei unserem Glossar vorbei, bei dem wir weitere Begrifflichkeiten zur digitalen Transformation erläutern.

Glossar für Shopfloor und Instandhaltung – Scable



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