28. Episode

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Ein halb volles oder halb leeres Glas?

#leantransformation
Podcast, am 17. 05. 2019 um 05:30 Uhr in LeanTransformation von Lean Knowledge Base


Projektarbeit 2

Im Bereich von Jakob Jandl geht es mit dem Thema 5A/S motiviert und damit zügig voran. Nach dem Aussortieren, Aufräumen und Arbeitsplatz säubern folgt nun der nächste und vierte Schritt: bestimmte Abläufe festzulegen und zu standardisieren. Dies auf Grundlage der Fotos, welche alle Bereiche eines jeden Arbeitsplatzes in dem jetzt festgelegten Zustand dokumentieren. Denn im Moment hat alles seinen Platz und alles ist an seinem Platz.

Damit dies jedoch auch weiterhin so bleibt, werden Wartungs- und Reinigungspläne festgelegt und darüber hinaus die Umsetzung weiterer Verbesserungen dokumentiert.

Alle Fotos und Dokumente hinterlegen die Mitarbeiter in einer gleich strukturierten Mappe an jedem Arbeitsplatz.

Doch eine besondere Herausforderung für alle ist der letzte Schritt: Selbstdisziplin.
Jakob Jandl benennt seinen Vorarbeiter Karl Bauer als 5A/S-Verantwortlichen für den Bereich der spanenden Fertigung. Dieser erhält die Aufgabe, eine Checkliste zu erarbeiten, nach der er regelmäßig die getroffenen Festlegungen überprüft und die Ergebnisse des Bereichs visualisiert. Um hierin wirklich fit zu werden, soll Karl Bauer an einem externen 5A/S-Training teilnehmen.

Das 5A/S-Team um den Leiter der Entwicklung, Thomas Leitner, welches sich um die Büroarbeitsplätze kümmern soll, ist längst noch nicht auf dem Stand wie das Produktionsteam. Man hat sich in endlosen Diskussionen um nichtige Details zeitlich völlig verrannt. Denn Leitner war an vielen Stellen bereits der Meinung, die richtige Lösung zu kennen und diese auch durchsetzen zu müssen. Zwar ließen sich die Mitglieder im Projektteam letztendlich nicht darauf ein, doch die Zeit war verschwendet.

Alexander Moser, der u.a. den Plan zur Mitarbeiterqualifizierung verantwortet, ist sichtlich erstaunt, wie viel Schulungsbedarf inzwischen entstanden ist. Der anfänglich praktisch leere Schulungsplan gewinnt mit sehr verschiedenen Themen an Gestalt. Neben den üblichen IT-Trainings ist die QM-Systemschulung ein großer Block.
Doch auch die neuen Methoden aus den Vorschlägen der Fabrik im Seminarraum werden nachgefragt. Grundsätzlich ist Moser zwar zufrieden über den Zustand.

Nur mit der Umsetzung, insbesondere der Nachschulung des QM-Systems, wird man bis zum Audittermin nicht fertig werden, denn zu umfangreich ist der Bedarf. Ob die YOHA Co. Ltd. damit wohl einverstanden sein wird? Gerade weil es ja auch noch mit der Messung der Liefertermintreue in Franziska Steiners’ Projektteam richtige Schwierigkeiten gibt. Allein dieser Gedanke lässt ihn gleich wieder ins Schwitzen kommen...

Dagegen ist Hannah Pichler mit der Auswertung der Reklamationshistorie gut vorangekommen. Zumindest ist durch das vorhandene QM-System eine halbwegs zufrieden stellende Datenlage gegeben. Alle Reklamationen werden zwar noch manuell in Papierdokumenten erfasst, so dass eine Konsolidierung aller Daten noch notwendig sein wird. Aber Hannah Pichler hat durch ihr interdisziplinär besetztes Team solide und damit wertvolle Unterstützung.

Ein letztes Projektteammeeting vor dem Re-Audit ist angesetzt. An diesem nehmen jedoch neben Frank Weissenegger und den Teamleitern heute auch noch Bernd Krauss, Franz Großmann und Peter Baumgartner teil.
Jeder Teamleiter berichtet vom aktuellen Status des jeweils betreuten Projektes, was Frank Weissenegger kurz für alle am Flipchart zusammenfasst.

Die Ergebnisse auf dem Flipchart und damit das innerhalb kurzer Zeit Erreichte stimmen die Meetingteilnehmer positiv und lassen die ein oder anderen Ängste ein wenig weichen.

Ruhig wird es jedoch wieder, als die Frage auf den Tisch kommt, wer bei diesem Audit die verschiedenen Bereiche präsentieren wird. Auf der einen Seite wird es bei dem „klassischen“ Auftritt der Geschäftsführung und der Bereichsverantwortlichen bleiben. Doch kommt auch die Idee auf, dass ebenso Mitarbeiter aus der Sachbearbeiterebene durchaus Qualität präsentieren können. Hat sich doch bei der Krauss GmbH & Co. KG mittlerweile einiges getan: „Verborgene Talente“ wie Hannah Pichler sind als Prozessinhaber in der Lage, Abläufe und qualitätsbewußtes Denken kompetent und glaubhaft zu vertreten.

Auch noch fehlende Ergebnisse aus der Bewertung der Liefertreue im Projektteam um Franziska Steiner haben ihren Ursprung nicht in der Arbeit der letzten Wochen. Sondern in der Vergangenheit, als die Daten nur unzureichend erfasst und gepflegt wurden.

Und Jakob Jandl ist schon zum „Selbstläufer“ geworden, der die 5A/S-Methodik ständig mit neuem betrieblichem Leben füllt.

Damit wird sich gegenüber der YOHA glaubwürdig ein tief greifendes und umfassendes Qualitätsbewußtsein aufzeigen lassen, davon ist Frank Weissenegger überzeugt. Dies kann den Mangel der noch nicht erfüllten QM-Schulung relativieren und Vertrauen schaffen, dass diese Schritte kurzfristig nachgeholt werden.

Damit bleibt nur noch das Problem des „Mutes“, vor den „hohen Herren“ der YOHA aufzutreten. Denn weder Hannah Pichler, noch Franziska Steiner und nicht zuletzt auch ein Jakob Jandl haben „so etwas bislang gemacht“. Und es ist ihnen anzusehen, dass sie schwanken. Schwanken zwischen der Angst, während des Vortrags Fehler zu machen und damit zu „versagen“ und andererseits aber auch dem Reiz, vor so eine anspruchsvolle Aufgabe gestellt zu sein. 

Frank Weissenegger, diese Verunsicherung sehend, macht jedoch deutlich, dass gerade die zurückliegenden Wochen gezeigt haben, dass fachliche Qualifikation kein exklusives Merkmal einer höheren Position ist. Und es für die Steigerung der Leistungsfähigkeit eines Unternehmen vielmehr darauf ankommt, dass sich ein Bewusstsein für Qualitätsmanagement und nachhaltige Prozessverbesserung in allen Bereichen und über alle Hierarchiestufen hinweg entwickelt...

Dies genügt Franz Großmann und er hört nicht länger hin. Macht ihm das bislang Gesagte innerlich bereits schwer zu schaffen. Auf der einen Seite spürt er, dass „unter“ ihm eine erhebliche Kompetenz herangewachsen ist. Welche die Gefahr in sich birgt, im Vergleich zu diesen und damit seinen Mitarbeitern im Audit schlecht auszusehen. Andererseits blitzt in ihm insgeheim der Gedanke auf, dass der Auftritt der „Drei“ aber auch schief gehen könnte… nur, zu wessen Nutzen oder Schaden, wenn…?


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