27. Episode

27. Episode

Die eigentlichen Entdeckungsreisen bestehen nicht im Kennenlernen neuer Landstriche, sondern darin, etwas mit anderen Augen zu sehen (Marcel Proust)

#leantransformation
Podcast, am 10. 05. 2019 um 05:30 Uhr in LeanTransformation von Lean Knowledge Base


Projektarbeit 1

Jakob Jandl sieht sich zum wiederholten Male die Bilder an, die Frank Weissenegger während seines Rundgangs in der Produktion (siehe Episode 13) gemacht hat: Schmutzige Umgebung an den CNC-Maschinen, Werkzeuge liegen wahllos herum, Ausgangs- und Fertigmaterialien sind nicht voneinander getrennt, und, und, und. Nach der kleinen Übung zur Methode 5A/5S (Ordnung und Sauberkeit) während der Fabrik im Seminarraum fallen ihm diese Dinge jetzt besonders auf: Es müsste aber doch auch im Interesse aller anderen sein, in einem ordentlichen Umfeld zu arbeiten. Zumal er von so manchem Kollegen weiß, dass dieser zu Hause auch nicht eine solche Unordnung hat.

Er müsste seinen Maschinenfahrern diese Methode einfach mal aufzeigen. Und Frank Weissenegger könnte ihn dabei unterstützen.

Nun ist es leichter gesagt als getan, alle Mitarbeiter zügig zu einem Termin zu bekommen. Doch bereits am kommenden Morgen erläutert Jakob Jandl am Flipchart mit Hilfe von Weissenegger den Ablauf der 5A/5S Methode: Dass die Fünf für 5 einzelne Schritte steht und die Buchstaben diese beschreiben, wobei A und S jeweils die gleiche Bedeutung haben:

Und Weissenegger betont zusätzlich, dass es sich hierbei nicht um einen einmaligen Vorgang für ‚kosmetische‘ Verbesserungen handelt, sondern dieser wiederkehrend angewendet werden soll. Zum einen, um den einmal erreichten Zustand zu erhalten und dazu diesen ständig zu verbessern.

Bei der Umsetzung der Methode stellt jedoch bereits der erste Schritt und damit das Aussortieren für einige schon eine Herausforderung dar. Da doch an den Arbeitsplätzen – so kann Jandl dem allgemeinen Gemurmel entnehmen - nur die benötigten Werkzeuge liegen?!
Doch Jandl beginnt, an allen Arbeitsplätzen Fotos zu machen, um durchgängig den Fortschritt dokumentieren zu können. Im Anschluss bittet er seine Mitarbeiter mit Hilfe von roten Karten verschiedene Gegenstände zu markieren, die hier nicht gebraucht werden. Erneut beginnt eine Diskussion, doch letztendlich können sich alle auf eine Auswahl einigen. Und die rot markierten Gegenstände – geordnet nach den Arbeitsplätzen - an einem Ort zur Aufbewahrung zusammengetragen werden. Denn werden in den folgenden zwei Wochen diese Gegenstände nicht benötigt, sind sie für den Arbeitsplatz überflüssig.

Im Folgeschritt werden die benötigten Werkzeuge und Gegenstände zusammengestellt und nach Häufigkeit ihrer Nutzung sortiert, um eine entsprechende Platzierung und Anordnung nahe den Arbeitsplätzen vornehmen zu können. Schon jetzt erkennen die meisten, dass sie damit mehr Platz bekommen und sie zukünftig nicht mehr auf die Suche nach benötigten Materialien oder Werkzeugen gehen müssen. Es kommt zwar auch hier noch zu Diskussionen, wo genau die Werkzeuge aufbewahrt werden und wie die Plätze dafür gekennzeichnet werden sollen. Aber Jandl bemerkt, dass sich zwischen den einzelnen Maschinenfahrern bereits unbewusst ein kleiner Wettbewerb entwickelt hat, wer seinen Arbeitsplatz am besten herrichtet.
Weitere Fotos dokumentieren die Fortschritte. Und gute Beispiele, von denen alle noch lernen können, werden an einem eigens dafür hergerichteten, schwarzen Brett ausgehängt.

Den dritten Schritt – Säuberung der Arbeitsplätze - braucht Jakob Jandl gar nicht mehr anzuschieben. Wird doch dieser praktisch zum Selbstläufer.
Zufrieden sieht sich Jandl um: Eine so saubere Maschinenhalle hat er bei der Krauss GmbH & Co. KG noch nie gesehen. Aber er ist auch gespannt, wie Franz Großmann dies sieht. Hat sich Großmann doch bereits seit der ersten Aktion mit den roten Karten kaum mehr in der Maschinenhalle sehen lassen und seine Anweisungen nur noch schriftlich oder per Telefon erteilt.

Ganz anders geht es dagegen in den wöchentlichen Treffen der Projektleiter mit Frank Weissenegger zu: Hier wird jeder einzelne wahr- und ernst genommen.

Denn Weissenegger hört sich den jeweiligen Stand des Projektes genau an, stellt aber auch manchmal unangenehme Fragen. Nicht mit persönlicher Kritik, sondern um denjenigen beim Weiterkommen zu unterstützen. So erfahren die Projektleiter ‚on the job‘, wie man trotz operativen Stresses und eigener Anspannung miteinander umgehen und Herausforderungen und Problemen sachlich angehen kann. Dies lebt Weissenegger vor, indem er die Ansprüche an sein Team in gleichem Maße an sich selbst stellt.


Größtenteils geht es in den Teams auch gut voran. Nur Franziska Steiner kommt mit ihrem Thema zur Messung der Liefertreue nicht richtig weiter. Ist sie doch mit einem Datensalat konfrontiert, der zwar aus sehr vielen unterschiedlichen, aber nicht konsistenten Daten besteht. Wie soll sie bloß aus diesen Daten die nötigen Informationen herausziehen, wo sie noch nicht einmal die Validität dieser einschätzen kann? Voller Zweifel durchblättert Franziska die Datenstapel, ob dies bis zum Termin des Re-Audits noch zu schaffen sein wird…


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