Die Führungskraft als Recruitingfaktor – Leadership 4.0 in Zeiten der Digitalisierung

Die Führungskraft als Recruitingfaktor – Leadership 4.0 in Zeiten der Digitalisierung

Interview mit Tim Mois Gründer und Geschäftsführer der sipgate GmbH

#leanmagazin
am 26. 06. 2017 um 13:21 Uhr in LeanMagazin von Andreas Prause


Andreas Prause unterstützt seit über 20 Jahren Hochleistungssportler und Spitzenteams dabei, ihr Potential auszuschöpfen und Spitzenleistungen zu erzielen.
Mit Führungskräften arbeitet er wie mit Athleten: Ziel,- und ergebnisorientiert, praktisch, auf den Punkt mit den Maßgaben, Probleme gemeinsam zu lösen und eine Führungskultur zu etablieren, damit möglichst viele Beschäftigte das Trikot des Unternehmens überstreifen.

In seinem Interview mit dem Gründer und Geschäftsführer der sipgate GmbH, Tim Mois, beleuchtet er die Themen Leadership und Teamdevelopment in Zeiten der Digitalisierung sowie die Herausforderungen einer Führungskraft.

Tim Mois, 42, hat vor knapp 20 Jahren die Preisvergleichsseite billiger-telefonieren.de mitgegründet. Heute betreibt er den cloudbasierten Telefonieanbieter Sipgate mit 30 Mio. Euro Umsatz.
Die 130 Mitarbeiter arbeiten eigenverantwortlich, ohne Titel und Hierarchien, suchen neue Kollegen selbst aus und machen keine Überstunden.

„Absolut entscheidend sind Eigenverantwortung und Selbstorganisation als Coreprinzipien, d.h. dem Einzelnen möglichst viel Spielraum zu lassen und ihn nicht zu behindern.“

1. Welches sind für Sie die entscheidenden Komponenten von Leadership und Teamdevelopment in Zeiten der Digitalisierung?

Wissensarbeit ist der Kernfaktor, um den es geht. Wissensarbeit hat ganz andere Anforderungen als die Produktion oder der Servicesektor. Um Topleistungen zu erbringen muss man das Hirn überlisten und Teams in die Lage versetzen, dass sie exzellente Leistungen erbringen können. Das heißt auch die Schwächen und Talente der einzelnen Menschen zu kennen und das Beste daraus machen, so dass am Ende was Tolles dabei rauskommt. Dafür braucht man Verständnis wie Wissensarbeit grundsätzlich funktioniert. Ebenso muss man als Führungskraft eine Umgebung schaffen in der der Einzelne nicht behindert wird, sondern vielmehr unterstützt wird, um exzellente Leistungen zu bringen. Dafür sollte man neue und andere Wege gehen als man es vielleicht die letzten 20 oder 30 Jahre gegangen ist.

2. Was sind Ihres Erachtens die größten Herausforderungen einer Führungskraft in der heutigen Zeit und wie meistern Sie diese?

Absolut entscheidend sind Eigenverantwortung und Selbstorganisation als Coreprinzipien, d.h. dem Einzelnen möglichst viel Spielraum zu lassen und ihn nicht zu behindern. Dadurch entsteht die neue Kraft, die man benötigt, um die neuen Herausforderungen anzugehen, die anders sind als in der Vergangenheit. Loslassen zu können und auch den Rahmen zu setzen und diesen auch dynamisch zu verändern, sind sicherlich die größten Herausforderungen einer modernen Führungskraft.

Man begibt sich aktiv in die Bereiche, von denen man keine Ahnung hat.

Man kommt immer wieder an Stellen bei der kontinuierlichen Weiterentwicklung, wo man nicht versteht, was passiert. Man begibt sich aktiv in die Bereiche, von denen man keine Ahnung hat und muss sich immer wieder mit seiner eigenen Unwissenheit und Unfähigkeit auseinandersetzen und diese auch überwinden. Wenn man sich dann beginnt, einigermaßen wohlzufühlen, beginnt der ganze Kram wieder von vorne. Das kostet auf der einen Seite Kraft und ist auf der anderen Seite auch hochgradig belohnend. Hier den richtigen Rhythmus und die Balance zu schaffen, ist sicher auch eine große Herausforderung.

3. Wie gelingt es Ihnen Ihre Mitarbeiter emotional für Ihre Firma und Produkte zu begeistern und „mit auf die Reise zu nehmen“?

Kontrolle loslassen und immer noch das Gefühl zu haben, den Gesamtprozess zu steuern und die Richtung beizubehalten, ist nicht einfach. Man braucht selbst natürlich ein großes Maß an Begeisterung für das, was man tut. Hier ist auch wichtig klar zu machen, was einen begeistert, so dass Mitarbeiter und potentielle Mitarbeiter entscheiden können ob dies auch etwas ist, was ihnen Spaß macht.

Man braucht selbst natürlich ein großes Maß an Begeisterung für das, was man tut.

Darüber hinaus sind es Dinge wie persönlicher Kontakt und Wertschätzung, die Mitarbeiter mitmachen lassen. Freiräume schaffen, in denen man sich selbst verwirklichen und glücklich werden kann, gehört auch dazu. Die Leute, die hier arbeiten, wissen warum sie bei einer Internetfirma arbeiten. Wir stehen mit unseren Werten für Dinge, die Internetfirmen ausmachen und dies hält uns im Kern zusammen. Hacking Telco beispielsweise sind lustige Dinge, die Mitarbeiter begeistert.

4. Was glauben Sie, sind die entscheidenden Faktoren, um die Digitalisierung  im Mittelstand langfristig erfolgreich zu meistern?

Flexibilität, d.h. die Zyklen in denen man sich neu erfinden muss, werden immer kürzer. Die Organisation darauf aufzubauen, dass sie viel dynamischer und agiler reagieren kann, ist unabdingbar.

5. Welches werden die entscheidenden Herausforderungen rund um Leadership und Teamdevelopment in 10 Jahren sein?

Die Anforderungen an Leadership werden sich entscheidend verändern, da viel mehr Leute eine klare Vorstellung haben, wie sie arbeiten möchten. Immer mehr Mitarbeiter haben auch klare Anforderungen an  Führungskräfte. In Zeiten des Führungskräftemangels wird die Führungskraft somit zum wichtigen „Recruitingfaktor“. Arbeitnehmer werden sich viel mehr an den Fähigkeiten der Führungskraft orientieren, d.h. man wird sich viele Gedanken machen müssen was man tut und wie man es tut.
Das bedeutet auch seinen eigenen Führungsstil aktiv gestalten und kontinuierlich hinterfragen. Hier werden Weiterentwicklungsmöglichkeiten wie Coaching  und Training noch mehr an Bedeutung gewinnen.

5+1 Frage: Welches ist Ihr wichtigster Tipp, den Sie jungen Führungskräften heute geben würden?

Lest das entscheidende Wirtschaftsbuch der jüngeren Vergangenheit: „The Machine that Changed the World – The Story of Lean production – Toyota´s secret Weapon“ von James P. Womack, Daniel T. Jones und Daniel Roos.


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