Der Mensch im Fokus

Der Mensch im Fokus

Wir haben die Geschwindigkeit entwickelt, aber innerlich sind wir stehen geblieben.
Wir lassen Maschinen für uns Menschen arbeiten und sie denken auch für uns. Die Klugheit hat uns hochmütig werden lassen und unser Wissen kalt und hart. Wir sprechen zu viel und fühlen zu wenig. Aber zuerst kommt die Menschlichkeit und dann erst die Maschine.
Vor Klugheit und Wissen kommt Toleranz und Güte. Ohne Menschlichkeit und Nächstenliebe ist unser Dasein nicht lebenswert.
(Charlie Chaplin in „Der große Diktator“)

#leanmagazin
am 19. 04. 2017 um 09:40 Uhr in LeanMagazin von Guido Bosbach


Dieses Zitat aus Charlie Chaplins „Der große Diktator“ ist über 75 Jahre alt – und topaktuell. Die Dynamik hat zugenommen. Wir stecken noch immer in Strukturen, die Menschen wie Maschinenteile behandeln. Wir sind hochmütig im Umgang mit der Natur und unseresgleichen. Maschinen werden immer mehr Aufgaben übernehmen, die bislang unsere waren. Wir kommunizieren ständig und überall, sagen dabei wenig und Emotionen sind, zumindest was die Arbeit betrifft, meist nicht gewünscht. Wir sind scheinbar kaum einen Schritt weiter gekommen – inmitten der andauernden hochdynamischen Entwicklungen.

Die Frage ist: Wie und wann schaffen wir es, Arbeit und Mensch zu versöhnen? Wie können wir den Mensch und mit ihm das Ergebnis der Arbeit, statt des Prozesses der Ergebnisgenerierung, in den Fokus zu rücken.

Nie waren die Möglichkeiten so groß und die Chancen so gering. Wir werden in Zukunft immer öfter an (virtuellen) Weggabelungen stehen und uns (un)bewusst entscheiden, welche Rolle wir Menschen weiterhin spielen wollen. Es liegt an uns, individuell und ebenso an „uns“ als Gesellschaft, in welche Richtung wir uns weiterentwickeln.

Dabei sind immer mehr Faktoren zu berücksichtigen: Sind wir mit dem Unternehmen, in dem wir uns engagieren, weiterhin wirtschaftlich wettbewerbsfähig? Können wir das Geld erwirtschaften, das wir für unser Leben, für das Unternehmen und unsere Gesellschaft brauchen? Kommen wir persönlich mit der Technik noch mit? Wollen wir konsumieren oder gestalten? Welche technischen Entwicklungen nützen uns, welche Schaden uns? Welche Entwicklungen sind absehbar, was ist nur verschwommenes Bild in einer Glaskugel?
Können und wollen wir selbst entscheiden, welche Rolle wir einnehmen oder sollten wir die Entscheidung anderen überlassen?

Wir sind tief eingebunden in ein hochkomplexes, hochdynamischen System von Aktionen und Reaktionen unserer Arbeit- und Umwelt. Wir sind damit eine Art Gefangene in unserem jetzigen Werteverständnis, unseren Kommunikationswegen und unserer Kultur. Wir vergessen oft, dass wir allein es sind, die für uns Veränderung gestalten können. Wir sind wichtig und relevant in diesem System, weil wir, in der Kombination unserer individuellen Kompetenzen, Teil eines die Komplexität eingrenzenden Entscheidungssystems sind. Die „Weisheit der Vielen“ braucht „uns Viele“.

Marianne Williamson schrieb „Unsere größte Angst ist nicht, dass wir unzureichend sind. Unsere größte Angst ist, dass wir unermesslich mächtig sind. […] Und indem wir unser eigenes Licht leuchten lassen, geben wir unbewusst anderen die Erlaubnis, es auch zu tun. Indem wir uns von unserer eigenen Angst befreien, befreit unsere Gegenwart automatisch andere.“

Wir können uns Menschen nur dann tatsächlich in den Fokus rücken, wenn wir gemeinsam (Unternehmens)Kultur so gestalten, dass Raum für uns und unsere Ideen entsteht und wir uns in (Arbeits)strukturen wiederfinden, in denen wir uns wohl fühlen. So wohl, dass wir bereit sind, uns gerne „mit bestem Wissen und Gewissen“ einzubringen.
Gesunder Menschenverstand in Kombination mit gemeinsamem und gesundem Menschengefühl sind die zwei Linsen der Laterna magica futuri operis, der Zauberlaterne der Zukunft der Arbeit, deren Projektion einer neuen Arbeitswelt auf uns Menschen scharf stellt.

Egal welchen Weg wir ganz individuell, in den Unternehmen und als Gesellschaft(en) gehen, klar ist, es wird ein Weg weitgehender Technisierung sein. Wir haben schon immer die technischen Möglichkeiten genutzt, die uns zur Verfügung standen. Neu ist, dass wir mit Bedacht und Besonnenheit wählen können und sollten, wie wir diesen Weg konkret ausgestalten.

Reflexionsfragen

Individualebene

  • Wie sehr entspricht mein Arbeitsumfeld mir und meinen Kompetenzen?
  • Wie sehr bin ich Teil des Unternehmens? Wie sehr kann und will ich Einfluss nehmen?
  • Wo sind Entwicklungen sichtbar oder wahrnehmbar, die ich gutheiße oder die ich ablehne?

Organisationale Ebene

  • Wie sehr nehmen wir als Organisation bewusst und unbewusst Einfluss auf unser Umfeld und damit auf die Gesellschaft?
  • Welche Kulturelemente haben bereits den Menschen im Fokus, welche können wir dahin entwickeln?
  • Geben wir unseren Mitarbeiter den Raum, um sich einzubringen?
  • Wie können wir mehr Raum öffnen, damit sich unsere Mitarbeiter noch mehr einbringen können und wollen?

Anmerkung des Autors: Dieser Text ist ein überarbeiteter Auszug aus dem Buch „ArbeitsVisionen2025“.


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