Wie lassen sich Anker im Lean nutzen

Wie lassen sich Anker im Lean nutzen

Anker spielen eine zentrale Rolle dabei, das Verhalten von Menschen zu beeinflussen, einschließlich des eigenen. Dabei wird ein Anker mit einem gewünschten Verhalten verbunden, wodurch ein enger Zusammenhang im Sinne eines Wenn-Dann-Mechanismus entsteht, obwohl dieser nicht kausal wie die Schwerkraft ist.

18. Juni 2024 um 04:30 Uhr von Götz Müller
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Diese Methode wird besonders beim Aufbau von Routinen und Gewohnheiten angewendet. Es geht darum, bestimmte Verhaltensweisen zu etablieren, die dann zur Routine werden.

Die Verknüpfung durch Anker kann von einer Handlung ausgehen – wenn A gemacht wird, folgt B – oder sie kann räumlicher oder körperlicher Natur sein.

In maschinellen Kontexten werden solche Effekte oft für sicherheitsrelevante Vorgänge genutzt, wo sie kausale Zusammenhänge darstellen. Beispielsweise kann eine Maschine nur gestartet werden, wenn eine Tür geschlossen ist, oder ein irrtümlicher Eingriff in eine Gefahrenzone wird durch eine Zwei-Hand-Bedienung verhindert.

Im menschlichen Bereich ist die Verknüpfung meist subtiler und nicht so zwingend automatisch.
Ein wichtiges Anwendungsbeispiel sind die Karten der drei Job-Programme im Training Within Industry (TWI) oder das Kata-Kärtchen mit den Fragen der Coaching-Kata. Hier dient die Karte als primärer Anker, der sofort einsatzbereit ist und gezielt genutzt wird.

Anfangs kann es einer bewussten Handlung oder Entscheidung bedürfen, wie zum Beispiel: „Wenn eine Unterweisung mit einer Arbeitsaufschlüsselung beginnt, wird auch die Unterweisungskarte bereitgelegt.“ Dieser Effekt kann verstärkt werden, indem Mitarbeiter aufgefordert werden, den Einsatz von Arbeitsaufschlüsselungen und Unterweisungskarten zu verlangen bzw. selbst zu nutzen, wenn sie die Unterweisenden sind.

Mir ist ein Unternehmen bekannt, in dem dies zur täglichen Routine gehört und auch auf die Job-Relations-Karte ausgeweitet wurde, die bei nahezu jeder Kommunikation zwischen Führungskraft und Mitarbeiter eingesetzt wird. Sogar bei schriftlicher Kommunikation via E-Mail wird sie als Strukturierungselement genutzt. Der Firmeninhaber, der anfangs nachlässig war, erhielt von seinen Mitarbeitern zum Geburtstag eine übergroße aufblasbare JR-Karte. Diese Geste führte zu einer nachhaltigen Verhaltensänderung bei ihm.

Der tiefere Effekt hinter dem Einsatz der Karten ist entscheidend. Weil die Karten (Job Instruction und Job Relations) genutzt werden, verlaufen Unterweisungen und Kommunikationsvorgänge bewusster. Schon das Durchlesen der Karte vor oder während der Kommunikation verlangsamt die eigenen Gedanken, macht sie bewusst und erschwert impulsive Reaktionen.

Zudem signalisiert der Einsatz der Karten Respekt und zeigt, dass die Kommunikation wichtig ist und bewusst stattfinden soll. Dabei darf in meinen Augen durchaus auf diesen Aspekt hingewiesen werden. Die Karte muss dabei nicht wie ein Spickzettel versteckt werden.

Die Nutzung solcher Karten, ob vorgefertigt oder selbst erstellt, ist ein wesentliches Element, um Standards in der Führungsarbeit zu entwickeln und aufrechtzuerhalten. Ziel ist es nicht, roboterhaftes Verhalten zu erzeugen, sondern verlässliche Routinen zu schaffen und die positiven Effekte solcher Routinen zu nutzen, ähnlich wie beim Autofahren, Kaffeekochen oder morgendlichen Aufstehen.



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