Durchgeknallt statt staubtrocken – Jeans statt feinem Zwirn!

Durchgeknallt statt staubtrocken – Jeans statt feinem Zwirn!

Auf Symposien, Kongressen oder sonstigen „elitären“ Veranstaltungen sind in aller Regel diejenigen zu finden, welche sich den feinen Zwirn übergestreift haben. Die Atmosphäre ist meist eher nüchtern, die Pausengespräche zeugen von Wichtigkeit und die Wortwahl der Protagonisten ist nicht selten wohl überlegt. Von der Bühne werden seitens der Vortragenden aufgezeigt, welche Erfolge mit der einen Methode, mit dem einen Gedanken oder mit einem ganz bestimmten Vorhaben erzielt wurden.

#leanmagazin
am 03. 11. 2016 um 13:40 Uhr in LeanMagazin von LKB


Diejenigen, die an einer solchen Veranstaltung teilnehmen, gehören in aller Regel zur Elite, zur ersten, maximal zur zweiten Führungsebene. Teamleiter, Meister, Vorarbeiter und/oder „einfache“ Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind auf den meisten Veranstaltungen  dieser Art weder auf der Bühne, beim Lunch, im Plenum oder der Networkingfläche (sofern vorhanden) zu finden und das, obwohl es doch in aller Regel diejenigen sind, die später die Idee, welche der „Chef“ von einer solchen Veranstaltung mitbringt, umzusetzen haben.
Der wichtigste Grund, weswegen das „gemeine Volk“ aber auf Symposium, Kongressen etc. nicht zu finden ist, liegt allerdings mit großer Wahrscheinlichkeit in der Preisgestaltung der Teilnahmegebühr, welche man für eine solche Teilnahme entrichten muss. Nicht selten liegen die Teilnahmebeiträge im vierstelligen oder wenigstens im hohen dreistelligen Bereich.
Doch muss das wirklich so sein?

Wir haben mit Ralf Volkmer, einem der Initiatoren von LeanAroundTheClock, über das nach eigenen Angaben „abgefahrenste“ #LeanEvent gesprochen.

LKB: Herr Volkmer, wie „durchgeknallt“ muss man selbst sein, um ein Event wie LeanAroundTheClock zu organisieren, welches mehr als 24 Stunden dauert?

Ralf Volkmer: (Lacht) Ziemlich!

LKB: Mal ernsthaft! Wie kommt man auf die Idee, ein solches Event auf die Beine zu stellen?

Ralf Volkmer: Also die Idee dazu hatten wir bereits vor mehr als drei Jahren. Der Hintergrund dazu ist relativ einfach. In unserem täglichen Business erleben wir meist, dass diejenigen, auf die es bei der Umsetzung von Lean, Kaizen, KVP & Co. ankommt, keinen Zugang zu Wissen und Informationen haben. Sicher werden hin und wieder für die Mitarbeiter auf dem Shopfloor irgendwelche Seminare organisiert, aber über die Nachhaltigkeit von solch klassischen Seminaren wollen wir uns ja jetzt nicht unterhalten, oder?

LKB: Nun, eigentlich schon. Denn die Frage, die sich stellt, ist doch, ob LeanAroundTheClock nachhaltiger ist, als andere Veranstaltungen, ganz gleich ob es sich um ein Seminar, einen Kongress oder um ein Symposium handelt.

Ralf Volkmer: Zunächst geht es uns bei LeanAroundTheClock, wie ich bereits erwähnte, darum, dass auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den unterschiedlichsten Organisationen überhaupt einen Zugang zu einer solchen Veranstaltung erhalten. Und zwar auch dann, wenn es der Arbeitgeber nicht bezahlt. Denn mit einer Teilnahmegebühr von EUR 150,- für beide Tage sowie einer Teilnahmegebühr  von EUR 80,- für Studentinnen und Studenten können sich auch diese eine Teilnahme leisten.

LKB: Dann könnten Sie ja auch ein Barcamp organisieren?

Ralf Volkmer: Klar, doch Barcamps kommen ohne Sponsoren nicht aus und irgendwann  wollen die Sponsoren eine Art Gegenleistung zum Beispiel in Form von Programmbeiträgen. Erfolgreiche Barcamps stoßen zudem, was die Teilnehmerkapazität betrifft, irgendwann an ihre Grenzen. Ich selbst war einmal auf einem Barcamp mit weit über 300 Teilnehmern und fühlte mich irgendwie auch verloren. Im Vorfeld vom ersten LeanAroundTheClock, dem #LATC2016, hatten wir auch an eine Art Barcamp gedacht, haben uns letztlich jedoch gegen dieses Format entschieden. Doch das Veranstaltungsformat selbst ist für uns nicht so bedeutsam, uns geht es um etwas völlig anders!

LKB: Um was genau?

Ralf Volkmer: Wir wollen eine Plattform schaffen, wo sich Menschen aus unterschiedlichen Branchen unabhängig ihrer hierarchischen Stellung im Unternehmen auf Augenhöhe begegnen können, sich über ihre Erfahrungen austauschen können und dabei auch noch durch die Referentinnen und Referenten Impulse erhalten über das, was in dem einen Fall funktioniert hat und in einem anderen Fall bei genauer Betrachtung schon zu Beginn zum Scheitern verurteilt war. Dazu wollen wir eine Atmosphäre schaffen, in welcher sich beispielsweise ein Teilnehmer aus der Geschäftsführung mit einem anderen Teilnehmer – sagen wir mal dem Pförtner – austauschen kann. Ich bin mir sicher, beide können ungemein viel voneinander lernen und im besten Fall den anderen besser verstehen. Es geht uns also nicht nur um den inhaltlichen Input der Vortragenden, sondern auch um das Schaffen eines „neutralen Raums“, in welchem sich Menschen mit unterschiedlichen Denk- und Verhaltensmustern in Sachen Lean, also mit unterschiedlichen Mentalitäten treffen können. Wenn es uns dazu gelingt – und beim ersten LeanAroundTheClock scheint uns das gelungen zu sein – dass sich jeder einzelne nicht so wichtig nimmt, haben wir unser Ziel erreicht.

LKB: Kommen wir nochmals zur Preisgestaltung. Mit der ausgeschrieben Teilnahmegebühr lässt sich eine solches Event nicht wirtschaftlich veranstalten und wir könnten uns vorstellen, dass der eine oder andere Veranstalter genau beobachtet, wie seriös diese Veranstaltung daherkommt.

Ralf Volkmer: (Lacht) Natürlich lässt sich eine solche Veranstaltung wirtschaftlich gestalten, was auch immer man darunter verstehen mag. Jedoch nur, wenn es gelingt, die Referentinnen und Referenten von der Idee zu überzeugen. Dazu bieten wir mit LeanAroundTheClock den vielen und meist exzellenten, aber bisweilen unbeachteten freiberuflichen Kolleginnen und Kollegen eine Plattform, um sich präsentieren zu können. Doch auch bekanntere Kolleginnen und Kollegen wie beispielsweise die Bestsellerautoren Niels Pflaeging, Stephanie Borgert, Dr. Andreas Zeuch oder das gesamte freiKopfler-Team um Guido Bosbach, Heiko Bartlog und Christoph Karsten sind von unserer Idee überzeugt und werden neben Vertreterinnen und Vertretern der Basler AG, der Otto GmbH & Co. KG, der Kubota Baumaschinen GmbH, der TEREX Cranes Germany GmbH, der Stadt Mannheim, dem VDMA e.V., der Stabau Schulte-Henke GmbH und einigen anderen mehr im kommenden Jahr mit dabei sein.
Aber nochmals, es geht uns um etwas anders und dabei steht die Wirtschaftlichkeit an zweiter Stelle. Ob wir von anderen Veranstaltern beobachtet werden, vermag ich nicht zu beurteilen und was die Seriosität betrifft, da darf sich jeder gerne selbst davon überzeugen und sich sein eigenes Bild machen. Wir jedenfalls nehmen LeanAroundTheClock in der Vorbereitung, der Durchführung und hinsichtlich der Nachbereitung nicht auf die leichte Schulter, versuchen bei aller Ernsthaftigkeit locker zu bleiben und wenn es am 9. Februar 2017 dann endlich los geht, sind die vielen LeanInteressierten und LeanFreaks wichtig, nicht wir!

LKB: Das Event LeanAroundTheClock geht, wie Sie eben erwähnten, am 9. Februar 2017 in die zweite Runde. Was gibt es zum Programm zu sagen?

Ralf Volkmer: Nun, wie vorher bereits gesagt, haben wir eine Vielzahl an Referentinnen und Referenten aus den unterschiedlichsten Branchen und Organisationen. Mit Dr. Mario Buchinger aus Österreich und Frédéric Jordan aus der Schweiz haben wir erstmals Kollegen aus unseren Nachbarländern zu Gast. Ganz besonders freue ich mich, dass auch Kurt August Hermann Steffenhagen, alias Dr. h.c. Any Nemo, CEO des wohl erfolgreichsten Unternehmens der Welt, aus Italien zu diesem Event anreist. Das offizielle Programm endet am ersten Tag mit der Vorführung des Filmes „AUGENHÖHEwege“, dazu kommt Silke Luinstra von der AUGENHÖHEworks GmbH aus Hamburg angereist.
Und nach dem offiziellen Programm lassen wir es richtig krachen. Denn am 9. Februar rockt ab 24:00 Uhr bis 01:30 Uhr am 10. Februar die Supertramp Tribute Band Century´s Crime die ALTE FEUERWACHE und um 06:00 Uhr starten wir dann mit dem ersten Vortrag des zweiten Tages, wobei das gesamte Event dann so gegen 17:00 Uhr endet.

LKB: Durchgeknallt statt staubtrocken, let´s rock Lean! Herr Volkmer, besten Dank für das Interview.

Ralf Volkmer: Sehr gerne. Und nicht vergessen, lassen Sie den feinen Zwirn für dieses Event im Schrank.


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