Digital Leadership in der Produktion von Morgen

Digital Leadership in der Produktion von Morgen

Immer häufiger liest man heutzutage den Begriff Digital Leadership in Zeitungsartikeln, Seminarbroschüren und anderen Literaturangeboten. Dabei stellt sich für Führungskräfte aus dem Produktionsumfeld die Frage, was genau sich hinter diesem Begriff verbirgt und ob Digital Leadership auch für das eigene Arbeitsumfeld relevant ist.

#leanmagazin
am 14. 11. 2018 um 10:05 Uhr in LeanMagazin von Christian Hertle


Dabei beschreibt Digital Leadership in erster Linie die Art und Weise der Führung in Zeiten der Digitalisierung sowie in Phasen der digitalen Transformation. Dr. Gerhard Gudergan (RWTH Aachen) fasst darunter vor allem den Einsatz von (sozialer) Vernetzung, neuen Technologien sowie Cloud Computing als Mittel zum Zweck der Neugestaltung von Geschäftsmodellen, Wertschöpfungsprozessen und Arbeitssystemen. So experimentieren viele Unternehmen zum Thema Neugestaltung der Arbeitssysteme mit flexiblen Arbeitszeiten, mobilen Arbeitsorten sowie Teamwork ohne physische Präsenz. Nur gerade in Produktionsprozessen sind diese Ansätze schwer umzusetzen: Um Fertigungsschritte zu synchronisieren wird in festen Schichten gearbeitet, die Arbeitsgänge müssen vor Ort in der Fabrik durchgeführt werden und eine physische Präsenz von Werkern und Führungskräften ist aktuell unabdingbar. Wie also lässt sich der Ansatz des Digital Leaderships in der Produktion von Morgen einsetzen?

Prof. Javier Zamora (IESE Business School) sieht die Digitalisierung die gesamte Organisation durchdringen und dabei alle Phasen des Wertstroms beeinflussen. „So wie ein Manager eine Bilanz interpretieren kann, so sollte er auch wissen wie neue Technologien seinen Arbeitsbereich beeinflussen werden.“ Dabei ist der erste Schritt das Digitale Denken in die eigenen täglichen Führungsaktivitäten einzubinden. Dazu zählt auch sich regelmäßig über soziale Netzwerke wie Twitter (z.B. @SFMSystems) über neue Entwicklungen, Technologien oder Kundenwünsche zu informieren.

Darüber hinaus können Führungskräfte in der Produktion auch ihre Beschäftigten mitnehmen. Zum Digital Leadership gehört auch die eigenen Beschäftigten zur Entwicklung von digitalen Kompetenzen zu motivieren. Dies kann u.a. mit der Auseinandersetzung mit digitalen Applikationen in der Produktion geschehen. So bietet das digitale Shopfloor Management der SFM Systems für die Beschäftigten einen geeigneten Einstieg in die Digitalisierung. Über die Webapplikation können Kennzahlen und Daten aus unterschiedlichen Datenquellen eingebunden werden und anschließend zur Information und Steuerung genutzt werden. Maßnahmen und Aufgaben können digital angelegt, verteilt und eskaliert werden – und das alles über eine leicht zu bedienende Oberfläche. So gilt: Desto besser sich die eigenen Mitarbeiter in der Digitalisierung zurecht finden, desto größer ist ihr Potential wichtige Beiträge zur Wertschöpfung zu liefern.

Wenn es um konkrete Maßnahmen für das Produktionsumfeld geht, können Führungskräfte der „Ende-des-Monats“-Denkweise entgegenwirken. Die Zielstellung möglichst viele Aufträge noch diesen Monat „rauszubekommen“ sorgt für Instabilität in den Produktionsprozessen und der Organisation (der Auftragsspeicher wird leergezogen, Überstunden werden aufgebaut, etc.) Zusammen mit der „Standard-Kostenrechnung zwingt sie Unternehmen dazu, sich noch viel zu lange mit dem vergangenen Monat zu beschäftigten, obwohl es längst neue Herausforderungen zu bewältigen gibt. Um künftige Ergebnisse zu beeinflussen, muss man nach vorn schauen, nicht zurück“, schreibt Prof. Dietmar Fink (Hochschule Bonn-Rhein-Sieg).

Darüber hinaus lassen sich in vielen Unternehmen bestehende Informationsflüsse hinterfragen und digitalisieren. Die Digitalisierung schafft Geschwindigkeit auf Ereignisse reagieren zu können, unnötige Informationsflüsse werden abgeschafft oder ersetzt und viele Routine-Informationsflüsse können automatisiert werden. Um hier den Einstieg zu finden, ist die Wertstromanalyse 4.0 ein hilfreiches Werkzeug. Entwickelt am Institut für Produktionsmanagement, Technologie und Werkzeugmaschinen an der TU Darmstadt bietet es in Anlehnung an die klassische Wertstromanalyse die Möglichkeit Informationsflüsse im Auftragsabwicklungsprozess (inkl. Produktion) zu identifizieren und zu visualisieren (http://prozesslernfabrik.de/index.php/wertstromanalyse-4-0).


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