Aufsichtsratssitzung - Folge 14

Aufsichtsratssitzung - Folge 14

Heute ist der Interviewer zu Gast in einer Aufsichtsratssitzung von WMIA Incorporated, Los Straneros.
WMIA ist weitgehend, also zu 67% im Besitz der Familie Nemo, die traditionsgemäß mit den Gattinnen der Kapitaleigner im Aufsichtsrat vertreten ist.

#WMIA
Podcast, am 10. 06. 2018 um 15:11 Uhr in Interview mit Dr. h.c. Any Nemo


Heute ist der Interviewer zu Gast in einer Aufsichtsratssitzung von WMIA Inc., Los Straneros, eine besondere Ehre.

Das Wort „Aufsichtsrat“ beinhaltet das Wort „Aufsicht“, also salopp ausgedrückt „Aufpassen, dass es rund läuft“ und „Rat“, also die Vermutung darüber, dass von diesem Gremium ein Rat kommt oder zumindest Sachverstand vorhanden ist.

Wie diese Bedeutung des Aufsichtsrats nun bei WMIA interpretiert wird, erfährt der Interviewer sogleich…

Im Vorwege hat er sich über die Besetzung des Aufsichtsrats kundig gemacht.

WMIA Inc. ist weitgehend, also zu 67% im Besitz der der Familie Nemo, die dementsprechend in der Aktionärshauptversammlung aufgrund weitreichender Stimmberechtigung ihrer Anteile die fünf Vertreter des Kapitals und auch auf die Auswahl der vier Vertreter der Arbeitnehmer im Aufsichtsrat Einfluss nimmt.

Elvira, die Assistentin des Vorstands und der personifizierte wunderschöne rote Faden durch die Management Welt von WMIA, begleitet den Interviewer zur Sitzung.

Interviewer: „Wer sitzt im Aufsichtsrat?“

Elvira: „Traditionsgemäß ist die Familie Nemo mit den Gattinnen der Kapitaleigner im Aufsichtsrat vertreten. Wir vertrauen Frauen, die ja bekanntlich die besseren Aufpasser sind als Männer. Frauenquote ist daher bestens erfüllt. Also, da werden Sie Signora Antonia Battista-Nemo kennenlernen, eine bekannte ehemalige argentinische Tangotänzerin, sie ist die Aufsichtsratsvorsitzende, Mrs. Phil McSmith-Nemo, eine Schafzüchterin aus Neuseeland und die drei Schwestern Louisa, Capuccina und Favorita Nemo, in der eben benannten Reihenfolge Exgattinnen des inzwischen verstorbenen Prof. Ambrosius Nemo, ein bekannter Sammler schöner Kunst und Liebhaber aller sonstiger Schönheit. Die Namen der Arbeitnehmervertreter fallen mir gerade nicht ein.“

Die Aufsichtsratssitzung findet in einem Nebengebäude der Verwaltung statt. Eine kleine Villa, die man auch ohne Wegweiser finden kann, wenn man nur dem Duft von Chanel Nr. 5 bis 19 folgt.
Der Interviewer unterschreibt noch schnell eine Geheimhaltungsvereinbarung und betritt den Sitzungssaal.

Man bzw. Frau ist schon in vollem Gange. Es geht um eine Kapitalerhöhung, die ja bekanntlich vom Aufsichtsrat genehmigt werden muss. Antonia Battista-Nemo führt das Wort.

Das Problem ist allerdings, dass sie niemand versteht. Das hat wegen der Internationalität der Aufsichtsratsmitglieder sprachliche Hintergründe und böswillige Zeitgenossen würden das Unverständnis nicht nur auf die Sprache schieben, was ja auch bei männlichen Aufsichtsräten jedenfalls im fortgeschrittenen Alter vorkommen soll.

Das überaus Interessante dieser Sitzung ist ihre Atmosphäre und weniger der Inhalt der abzuarbeitenden Agenda.

Die Arbeitnehmervertreter haben brav lederne Aktenkoffer mitgebracht, in denen sich natürlich auch eine leicht zerbeulte Blechdose mit frisch geschmierten Butterbroten befindet, man will sich ja nicht bestechen lassen.

Die Damen beobachten sich gegenseitig und es ist nicht auszuschließen, dass das Interesse an Antonia eher ihrem neuen Collier gilt als der Frage nach der Kapitalerhöhung.

Nun, auch das Sachliche kommt natürlich nicht zu kurz.

Die Berater des Aufsichtsrats sind auch die Berater von Herrn Dr. Nemo, dem CEO und sie machen ihrer Profession alle Ehre. Wer einen Berater hat, braucht nicht mehr selber zu denken. Wie praktisch.

Antonia: „Wir haben nicht nur eine Corporate Identity, wir haben auch eine Thinking Identity.“

Interviewer: „Was bedeutet das?“

Antonia: „Sie wissen ja vielleicht, dass ich Argentiniens bekannteste Tangotänzerin war.“ Als sie das Wort „Tango“ sagte erschien sie 32 Jahre jünger und der Interviewer wäre fast in Schnappatmung verfallen. „Vom Tangotanzen habe ich gelernt. Man muss im Takt bleiben miteinander und man sollte dem Tanzpartner nicht auf die Füße treten.“

Interviewer: „Ist es aber nicht die Aufgabe des Aufsichtsrats, gelegentlich der Operations auf die Füße zu treten?“

Antonia: „Mein Herr, was im Lehrbuch steht, ist eine Sache. Wie man dann tanzt, das zählt.“

Das Ergebnis der Sitzung unterliegt der Geheimhaltung, der anschließende kleine Snack mit Kaviarschnittchen darf erwähnt werden.

Der Rest der Sitzung war privatissime.

Im Garten der Villa hörte man Tangomusik. Tanzmeister Knaak unterwies die Damen des Aufsichtsrats darin, wie man korrekt und elegant Tango tanzt.

Elvira begleitete den Interviewer durch die Empfangshalle.

Interviewer: „Ist diese WMIA Incorporated nicht eine Parallelwelt?“

Elvira hielt ihren bezaubernd schlanken und gepflegten Zeigefinger vor den Mund: „Psst!“

Interviewer: „Was ist das Geheimnis?“

Elvira: „Darüber reden wir nächste Woche, Dienstag…“

„Typisch Frau“, dachte der Interviewer, „sie machen es spannend.“


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