In einem fremden Land ... Folge 113

In einem fremden Land ... Folge 113

„Es erscheint fast unmöglich, einen Menschen zu beschreiben, seinen Erfolg zu erklären ... man schaut ihn an, hört ihm zu, sieht seine Taten und glaubt dann zu wissen, wer er ist, um dann am nächsten Tage eines Besseren belehrt zu werden!“, sagte Gemma in einem Magazin. Der Interviewer ist dadurch auf sie aufmerksam geworden. Immerhin ist das Erkennen von Menschen, das Wissen um ihn beispielsweise eine der Kernfragen des Recruiting im Management.

Der Interviewer besucht Gemma, die Tochter des Dr. Nemo ...

#WMIA
Podcast, am 24. 09. 2018 um 11:01 Uhr in Interview mit Dr. h.c. Any Nemo von Kurt August Herrmann Steffenhagen


Man sagt ja, der Apfel falle nicht weit vom Stamm. Gemma ist Sängerin und ungeschminkt sieht sie eher unauffällig aus. Wie überhaupt ist ihr nicht anzumerken, dass diese Dame, die unter einem Künstlernamen agiert, zu den Großen ihres Metiers zählt. Sie ist allerdings im Gegensatz zu ihrem Vater in ihrer Lebensführung bescheiden mit Ausnahme ihrer weißen Villa am Großen Meer.

Interviewer: „Hinter dem Erfolg im Leben, den Sie ja sicher beanspruchen können, steht oder vermutet man ja ein Rezept.“

Gemma schmunzelt: „Die Frage könnte von meinem Vater stammen …“

Interviewer: „Na ja, von nichts kommt nichts. Irgendwas haben sie doch anders gemacht als alle anderen. Wie kamen Sie zu Ihrer wundervollen Stimme?“

Diese Frage des Interviewers scheint Gemma irgendwie zu langweilen. Zu oft ist sie das gefragt worden.

Gemma trommelt mit ihren grazilen Fingern auf dem Marmortisch als würde sie auf einem Klavier spielen.

Gemma: „Na gut. Auch auf die Gefahr hin, dass Sie nicht verstehen werden, was ich sage …“

Interviewer räuspert sich: „Ich werde mir Mühe geben …“

Gemma hat auch diesen Satz schon oft gehört. Früher hätte sie darauf geantwortet: „Sich Mühe geben, um einen Menschen und seinen Erfolg zu verstehen, ist wie ein Hamster, der sich im Rad dreht und glaubt, voranzukommen.“
Aber, da der Interviewer ein Charmeur ist, entlockt er Gemma einige Worte zum Thema.

Übrigens, die Unterhaltung mit einer Künstlerin ist wie ein Blick über eine Mauer in ein fremdes Land. Insofern ist die Bemerkung Gemmas nicht arrogant, wenn sie sagt, der Interviewer würde sie wohl nicht verstehen. Aber hören wir mal weiter zu.

Gemma: „Nun, ich habe meine Stimme trainiert. War bei den großen Sängern und Sängerinnen und na ja … so weit so gut und irgendwie vergleichbar. Meinen Vater hat das gefreut, mein Eifer, mein Fleiß und soweit ist dieser Teil des Weges zu meiner Stimme für jeden nachvollziehbar. Ohne Fleiß kein Preis, sagt man ja noch gebräuchlicher …“

Interviewer: „Dann war es harte Arbeit?“

Gemma: „Auf den ersten Blick, ja. Auf den zweiten war das Härteste, wenn Sie so wollen, nicht die Arbeit an und für sich, sondern das Nichtwissen, ob ich jemals meine Stimme erreichen werde.“

Interviewer: „Klar, das kenne ich, ist wie im Management. Letztlich ist Erfolg nicht vorhersehbar, nicht zwingend.“

Gemma: „Wie klug gesprochen … stimmt aber nicht oder sagen wir mal so, das Management handelt anders als es spricht.“

Interviewer: „Wie das?“

Gemma: „Stichwort Kennzahlen und Forecast …“

Man plänkelt ein wenig über Management, immerhin ist Gemma als Tochter des Dr. Nemo davon nicht ganz unberührt.

Interviewer: „Kehren wir zum Thema zurück. Wie fanden Sie Ihre Stimme, die Sie berühmt gemacht hat?“

Gemma: „Eines Tages, ich übte und sang die Arie „Una furtiva lagrima“ von Donizetti aus seiner Oper „L’elisir d’amore“. Mein Lehrer sagte: “Jetzt habe ich Deine Stimme gehört … wunderbar!“, und ich sagte: „Jetzt weiß ich, dass ich das, was ich suchte, nie benennen konnte. Plötzlich war es da.“

Interviewer: „Mmmh …!“

Man ging ins Haus, nahm noch einen Champagner und der Interviewer machte sich auf seinen Weg. Irgendwie war ihm ganz leicht zumute.

Wie es in Los Straneros weitergeht, erfahren wir nächsten Dienstag.

Doch halt, die Frage bleibt: „Müssen wir denn alles erklären?“


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