Die Kinder des Dr. h.c Any Nemo - Folge 28

Die Kinder des Dr. h.c Any Nemo - Folge 28

Hinter dem Kleid des Marmors der Fassaden, hinter dem strahlenden Licht der Bühnen der großen Welt lebt und arbeitet ein Mensch.
Herr Dr. h.c. Any Nemo, CEO des größten Unternehmens der Welt.
Die Frage nach seinen Kindern, um die es heute gehen soll, berührt alle Menschen.

#WMIA
Podcast, am 10. 06. 2018 um 15:32 Uhr in Interview mit Dr. h.c. Any Nemo von Kurt August Herrmann Steffenhagen


Männer sind auf diesem Feld des Labyrinths des Lebens aller Erfahrung nach nicht immer unbedingt begnadet, reden sich aber ganz gut heraus. Aber, wir werden sehen.

Das Interview findet heute nicht im eleganten Vorstandsbüro statt, sondern auf einer anderen Etage.

Nemo: “Rufen Sie an, wenn Sie da sind, meine Durchwahl ist 103.“

Das andere Büro oder nennen wir es lieber das Refugium des Dr. Nemo ist ein großzügiger Raum. Er ist oval und vermittelt eine fast verspielte Atmosphäre.

An den Wänden hängen Bilder der Familie Nemo. Würdige Herrschaften und drei Bilder fröhlicher, junger Menschen.

Nemo: „Mein Privatissime!“

Interviewer: „Wer sind die drei jungen Leute auf den Bildern?“

Nemo: „Die junge Frau ist meine Tochter Gemma, der Name bedeutet „Edelstein“, mein Liebling. Daneben hängt das Bild von meinem Sohn Rubirosa, schon damals ein Playboy und ihm folgte Cesare, ein feiner Geist.“

Interviewer: „Man hört in der Presse nichts von Ihren Kindern.“

Nemo: „Meine Kinder haben mit WMIA nichts zu tun. Gemma ist Sängerin geworden und lebt inkognito unter einem Künstlernamen. Rubirosa vergnügt sich in der Südsee und betreibt ein kleines Hotel. Cesare ist Landarbeiter, er pflegt Gärten und beschneidet Oliven auf der Insel Marittimi Blu, manchmal schnitzt er Skulpturen aus dem Holz.“

Interviewer: „Tritt niemand in Ihre Fußstapfen?“

Nemo: „Ich hätte es mir gewünscht, aber sie gingen ihre eigenen Wege. Ich sehe sie kaum.“

Interviewer: „Haben Sie darin versagt, Ihren Kindern eine Rolle in der großen Welt zu verschaffen?“

Die Frage blieb erstmal unbeantwortet wie die meisten Fragen, die ans Herz gehen.

Dem Interviewer kommt es vor, als schält er eine Zwiebel, Schicht für Schicht enthüllt sich.

Nemo sagt dann doch etwas zu dieser Frage: „Nun gut, ich habe mit Macht versucht, der Macht des Geldes, die Kinder in meine Spur zu bringen. Mein Sohn Rubirosa fuhr mit mir als kleiner Junge auf dem Tank meiner Harley an unserem Strand am mittleren Meer. Er hat das etwas zu wörtlich genommen, worum es im Leben geht… Gemma galoppierte mit ihrem weißen Pferd hinter uns her und sang im Wind, Cesare sammelte Muscheln in den Wellen …. sehen Sie, ich habe alles getan.“

Interviewer: „Sie lieben aber Ihre Kinder, auch wenn sie nicht so sind wie Sie es wollten?“

Nemo: „Lieben? Ja schon, allerdings nicht so wie früher als sie klein waren. Die Liebe zu den Kindern verändert sich im Laufe des Lebens, oder?“

Interviewer: „Mmmh…“

Nemo zieht eine Schublade seines Tisches auf. „Schaun Sie mal hier, das ist ein Foto der Kinder von vor 20 Jahren.“

Nemo versucht, abzulenken. Das Thema „Liebe“ ist offensichtlich ein wunder Punkt. Der Interviewer hakt deshalb nach.

Interviewer: „Die Liebe wandelt sich im Laufe des Lebens? Wie ist es mit der Liebe zum Beruf, das ist ja auch so eine Art Kind, das manche Männer haben.“

Nemo: „Die Liebe zum Beruf? Nein, das war einmal, heute empfinde ich eher Lust an dieser Aufgabe.“

Interviewer: „Was ist denn der Unterschied zwischen Liebe und Lust?“

Nemo: „Das ist der Unterschied zwischen liebevollem Sex und Pornografie. Das Surrogat für Liebe ist die Lust am Herrschen.“

Interviewer: „Das klingt ja schrecklich!“

Nemo: „Wissen Sie, Lieben, Beherrschen und Besitzen wird sehr oft verwechselt. Ich bin da wenigstens klar, ich will Macht!
Wenn ich schon keinen Einfluss mehr in meiner Familie habe, meine Kinder nicht das wurden, was ich gerne wollte, wenn schon keine Liebe mehr ist, jedenfalls die, die ich mir vorstelle, so will ich Macht.“

„Wo die Liebe endet, beginnt die Macht…. eine billige Ultima Ratio und trotzdem gern genommen,“ denkt der Interviewer und ihm fallen die Schlagzeilen der Zeitung ein, die er am Morgen las.

Interviewer: „Würde man Sie für diese Entscheidung eines Tages verdammen?“

Nemo: „Ich habe das nicht wirklich gewollt, aber die Hand, die mir das Schicksal reichte, war verführerisch…“

Als wäre „verführerisch“ das Stichwort für die nächste Szene in Dr. Nemos Theater…  Elvira betritt den Raum.

In der Hand hält sie ein kleines Päckchen.

Elvira: „Das kam heute mit der Post, es ist von Ihrem Sohn Cesare.“

Nemo öffnet das Päckchen. In ihm lag eine Schnitzerei. Ein lächelnder Buddha.
„Für Papa, mit lieben Grüßen,“ stand auf einem Zettel.

Nemo war gerührt, jedenfalls für einen Wimpernschlag, der das Feuchte seiner Augen verbarg.

Elvira begleitet den Interviewer zum Fahrstuhl.

Interviewer: „Was wird aus WMIA, wenn Dr. Nemo nicht mehr ist? Wer folgt nach?“

Elvira: „Das fragen Sie ihn mal am nächsten Dienstag…“


Kommentare

Bisher hat niemand einen Kommentar hinterlassen.

Kommentar schreiben

Melde Dich an, um einen Kommentar zu hinterlassen.

Teilen

Ähnliche Inhalte

Hier findest Du weitere Inhalte zu dem von Dir gewählten Thema. Bei diesen Vorschlägen handelt es sich um eine Auswahl an Inhalten, welche wir insgesamt für Dich auf der LeanBase zur Verfügung stellen.

Lean Development muss gelebt werden

Lean Development muss gelebt werden

Beitrag auf LeanPublishing
am 15. 12. 2016 um 13:42 Uhr
Kanal: LeanMagazin

Eine Studie des VDMA und der Staufen AG zeigt, dass neben dem entsprechenden Konzept seine konsequente Umsetzung und ein grundlegender Kulturwandel mindestens ebenso wichtig sind.

JanineFragtNach

JanineFragtNach

Channel auf LeanPublishing

Janine Kreienbrink vernetzt begeistert, denkt mit dem Stift, kommuniziert sehr gerne, digitalisiert schon lange und liest noch richtige Bücher. Ihre Passion sind Menschen mit...

Lean verstehen und umsetzen: Der Weg zum nachhaltig schlanken Unternehmen

Lean verstehen und umsetzen: Der Weg zum nachhaltig schlanken Unternehmen

Buch auf LeanBooks
Kategorie: Lean Management

von Harald Balzer und Axel Tome

Blinder Fleck „LeanOffice“ – ein Kommentar

Blinder Fleck „LeanOffice“ – ein Kommentar

Beitrag auf LeanPublishing
am 30. 03. 2017 um 18:28 Uhr
Kanal: LeanMagazin

Vor einigen Tagen an einem Sonntag rief Dr. Winfried Felser mich und Gunnar Sohn auf meinem Facebook-Account zur Diskussion auf der Basis einer Studie von Dagmar Bürkardt und Bettina Seibold...

Gedanken zu "Entscheiden | Regeln vs. Prinzipien"

Gedanken zu "Entscheiden | Regeln vs. Prinzipien"

Podcast auf LeanPublishing
am 22. 01. 2019 um 10:38 Uhr
Kanal: Connys Gedanken zu ...

„Entscheiden“ oder „Entscheidungen treffen“ ist derzeit als Thema in aller Munde. Zu Recht. Denn jeder Mensch muss tagtäglich Entscheidungen treffen. Aber was sind...

Das Shopfloor Board

Das Shopfloor Board

LernModul auf LeanOnlineAcademy
12 Punkte
Kaegorie: Methoden & Tools

Der wichtigste Platz zur Information und Kommunikation im Shopfloor stellt das Shopfloor Board dar. Hier sind alle relevanten und sinnvollen Kennzahlen mit Trends und Zielen in einfacher und...

Die psychologischen Defekte unserer Verkaufsgurus

Die psychologischen Defekte unserer Verkaufsgurus

Beitrag auf LeanPublishing
am 23. 09. 2016 um 16:55 Uhr
Kanal: LeanMagazin

Showbusiness oder Größenwahn?

360Mover - Routenzugschlepper

360Mover - Routenzugschlepper

Angebot im LeanMarketplace

Transportwagen und Lastenträger flexibel bewegen? Oft sind es die kurzen Distanzen, für die es sich nicht lohnt, einen Routenzug zu bilden. Mit dem 360Mover-Konzepts lassen sich Transportwagen und Lastenträger bis 1500kg mühelos rangieren oder als Routenzug bewegen.