Trefft ihr euch wirklich jeden Morgen?

Trefft ihr euch wirklich jeden Morgen?

Das Interesse am LeanStammtisch Rheinland zum Thema Morgentreffen war groß! 19 LeanEnthusiasten fanden sich am 3.3.2022 ein, um von den Erfahrungen von Michael Althoff von Yellotools und Stephan Löttgen vom Stommel Haus zu hören.

am 22. 03. 2022 um 11:32 Uhr

In der einen Stunde und 45 Minuten haben Michael und Stephan insgesamt 25 Fragen beantwortet und mit den Teilnehmenden darüber diskutiert, warum eine solche morgendliche Zusammenkunft hervorragend geeignet ist, um alle Mitarbeiter täglich am kontinuierlichen Wandel teilhaben zu lassen. 
 
Ich kam das erstmal mit einem solchen unternehmensübergreifenden, täglichen Treffen in Berührung, als wir im Mai 2019 mit dem LeanStammtisch Rheinland ins Bergische Land zur Holzhaus-Manufaktor Stommel Haus eingeladen waren.

Ralf Stommel und Stephan Löttgen haben die „Morgenrunde“ damals für uns LeanInteressierte einfach auf den Abend gelegt, um uns an ihren Erfahrungen damit teilhaben zu lassen.
 
Sie lernten das Morgentreffen wiederum im Hause Yellotools durch Michael Althoff und sein Team kennen. Michael und sein Team waren im Juli 2021 bei uns zu Gast. 


In beiden Unternehmen sind die täglichen Morgentreffen der Kern aller Lean-Initiativen. Anhand einer Checkliste wird die Zusammenkunft wechselnd von einem Mitarbeiter moderiert. An einem Pult stehend vertritt damit jeder einmal die Wünsche der Kunden in der großen Runde. Die 30 Minuten jeden Morgen sind kostbar und somit wird die Checkliste auch ständig verbessert, um keine Zeit zu verschwenden.


„Ohne Lean und unser Morgentreffen würde Yellotools nicht mehr existieren. Mit diesem Morgentreffen bringen wir jeden Morgen für 30 Minuten 40 Gehirne zusammen. Deshalb gibt es uns noch. Das Morgentreffen ist ein Upgrade fürs Leben! Verbesserungsarbeit ist eine Investition in die Zukunft", meinte Michael Althoff.
 
Doch nun zu den Fragen der Teilnehmenden. In die Antworten fließen sowohl Michaels als auch Stephans Erfahrungen mit ein. Ich habe sie deshalb der Einfachheit halber zusammengefasst.
 
Morgentreffen oder Daily – was ist der Unterschied?
Beide finden täglich statt und bringen alle Mitarbeiter zusammen.
Struktur und Ablauf sind immer gleich, die Moderation wird wechselnd von allen Mitarbeitern übernommen.
 
Gibt es eine maximale Teilnehmeranzahl, um gut arbeiten zu können?
Je mehr, desto besser. Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg, auch bei vielen Mitarbeitern. Es gibt Unternehmen, die mit mehreren hundert Mitarbeitern in verschiedenen Ländern jeden Tag ein Morgentreffen veranstalten.
 
War irgendwann schon mal „die Luft raus“, und falls ja, was habt ihr getan?
Ja klar, die Luft ist öfter mal raus. Die Qualität des Morgentreffens ist tagesformabhängig, wie eine Welle. Mal surfen wir sie und mal läuft es nicht so gut. Es gilt: einfach weitermachen.

Wie macht ihr das mit der wechselnden Moderation?
Es gibt eine Liste mit allen Mitarbeitern und dort legen wir reihum fest, wer wann dran ist. Wenn jemand unsicher ist, steht ihm ein erfahrener Moderator zur Seite. Nach und nach haben wir so die Kommunikationsfähigkeit im Unternehmen hochgefahren.

Bei uns nehmen die Maschinenführer nicht teil, weil die Maschinen 24/7 laufen. Gibt es andere Ideen?
Jeder soll die Chance haben, am Morgentreffen teilzunehmen! Holt die Maschinenführer in das Meeting, seid kreativ, führt Vertretungen ein.

Gibt es typische Leistungskennzahlen, an denen ihr den Erfolg von eurem Morgentreffen messt?
Es geht darum, dass wir alle gut zusammenarbeiten und unsere Kunden zufrieden sind. Die für mich wichtigste Kennzahl: meine lachenden Mitarbeiter! Außerdem liegen die durchschnittlichen Krankentage bei uns 5 Tage unter dem deutschlandweiten Durchschnitt.

Wie sieht eine beispielhafte Agenda aus?
Mehr zur Morgentreffen-Agenda und überhaupt zum Thema Lean und dem Morgentreffen findet ihr in Michaels Buch "The Lean Deal"

Michael und sein Team organisieren ihre Morgentreffen mit Trello. Dort kann jeder Mitarbeiter unter den einzelnen Themenpunkten Ergänzungen eingeben.

Wie halte ich die Balance, dass MA sichtbar werden als Teil des Arbeitsprozesses ebenso wie als Mensch - ohne dass abgeschweift, gejammert etc. wird?
Natürlich wird auch mal gejammert, aber dann helfen sich die Kollegen gegenseitig. Das Morgentreffen ist Teil einer Werkzeugkiste. Das Gejammer ist Verschwendung.

Könntest Du die „2 Hours of Power“ noch einmal näher erläutern?
Dabei geht es um schnelle Hilfe, um einen SOS-Ruf und egal, um welchen Bereich es geht, jeder Kollege, der gerade Zeit hat, hilft zwei Stunden lang mit, um das Problem zu lösen. Jeder hat bei uns immer Sicherheitsschuhe an und kann so auch überall eingesetzt werden.

Push oder Pull?
Früher habe ich meine Mitarbeiter hinter mir hergezogen. Durch die Anwendung von Lean habe ich eine Möglichkeit gefunden, dass meine Mitarbeiter mich tragen und ich sie nicht mehr ziehen muss.

Wie funktioniert bei Euch Qualifizierung und Einarbeitung? Es scheint ja jeder eine ganze Menge Funktionen zu beherrschen.
Wir haben bei Yellotools hierfür eine Matrix entwickelt. Jeder Mitarbeiter trägt dort in Form eines Kuchendiagramms ein, ob er in dem Bereich helfen kann, ob er an einer Unterweisung interessiert ist, ob er nach Anweisung arbeiten kann, ob er die Taktzeit der Maschine oder des Prozesses unbeaufsichtigt einhalten kann oder ob er den Bereich so hart rocken kann, dass er es auch anderen beibringen könnte.


 
Mein Dank geht an Michael und Stephan für einen sehr leidenschaftlichen und ehrlichen Abend! Danke, dass ihr eure Erfahrungen so offen mit uns geteilt habt und alle 25 brennenden Fragen ausführlich beantwortet habt!


Außerdem bedanke ich mich bei allen interessierten Teilnehmenden für euer Dasein und euren aktiven Beitrag im Chat. Es hat wieder sehr viel Spaß gemacht, diese Wissbegierde zu moderieren!


Der nächste LeanStammtisch Rheinland findet am 5.5.2022 von 17:30 – 19:15 Uhr statt. Hier könnt ihr euch schon mal anmelden, das Thema folgt alsbald: https://t1p.de/ufp90
 
Bis dahin,
herzliche Grüße

Michael Althoff 
Seine mehr als 30 jährige Erfahrung im Bereich„Try and Error“ zum Thema Mitarbeiterführung / Motivation / Arbeitsabläufe / Work-Life-Balance der Teams und der Unterstützung von Menschen bei deren Wachstum stellt Michael Althoff gerne jedem „Suchenden“ zur Verfügung. Wenn Kritiker, Trainer oder Führungskräfte zu deren Ärger als „hemdsärmelig“ bezeichnet werden, nimmt Althoff dies gerne als Kompliment. Sein Ansatz ist es, Menschen auf Augenhöhe zu begegnen und ein mögliches Wachstum genau dort beginnen zu lassen. Einfache Sprache, simple Erklärungen und spielerisches Umsetzen von Techniken sind sein Erfolgsrezept welches sich beeindruckend an seinen Unternehmungen vor-Ort beobachten läßt. Laut Althoff muss eine Theorie bzw. eine Philosophie auch prüfbar gelebt worden sein, bevor man sich hinter ein Podium stellt und Menschen von etwas überzeugen versucht.
Wer mehr von Michael und seinen Erfahrungen hören bzw. lesen möchte, dem ist sein Buch „The Lean Deal“ sehr ans Herzu zu legen.

Stephan Löttgen 
Stephan ist Handwerker mit Herzblut, Kaufmann mit Haltung und Gewissen, dass macht für ihn den Unterschied aus. Lange Jahre war er auf der Suche nach dem passenden Weg. Seit er bei Stommel Haus die Verantwortung für die Akademie übernommen hat, beschäftigt er sich sehr interessiert mit dem Thema Weiterentwicklung. Angetrieben von dem Wunsch, die gemeinsame Weiterentwicklung bei Stommel Haus zu fördern, hat er begonnen die Erfahrungen seines eigenen Weges, mit den Erfahrungen seiner Mentoren, auf seinem Weg zu kombinieren.
Hier könnt ihr mehr von Stephan hören: http://www.loettgen.com/der-podcast/


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