Wie dürfen digitale Umfelder beschaffen sein, um aktuellen Herausforderungen gemeinsam besser begegnen zu können?

Wie dürfen digitale Umfelder beschaffen sein, um aktuellen Herausforderungen gemeinsam besser begegnen zu können?

An die Intention bzw. den kühnen Grund für die Zusammenkunft glauben, der Gruppe Zeit geben, sich zu beschnuppern und auf die Kraft der Pausen zwischen den Wortmeldungen vertrauen. Das ist meine Quintessenz aus der Fishbowl-Diskussion auf dem ersten LeanStammtisch Rheinland in 2021.

am 25. 01. 2021 um 09:28 Uhr

Im Mittelpunkt des Abends stand folgende Frage:
Wie dürfen digitale Umfelder beschaffen sein, um aktuellen Herausforderungen gemeinsam besser begegnen zu können?
 
Nach einer kleinen Einführung starteten wir mit einem Perspektivwechsel: „Beschreibe das schlimmste digitale Treffen, was du je mitgemacht hast mit drei Hashtags.“ Mehrfachnennungen gab es einige: „Keine Agenda, keine Struktur, zu wenig Pausen, zu viele Powerpoints Slides, zu wenig Austausch unter den Teilnehmern.“
 
Es folgte ein kleiner Impuls meinerseits über die Erfahrungen, die ich in 2020 rund um gute Zusammenkünfte im digitalen Raum gesammelt haben. Hier ein kleiner Auszug:
 
·      Zusammenkünfte komplett neu denken und nicht einfach eine analoge Veranstaltung 1:1 ins Digitale übertragen
·      Die ersten 10 Minuten sind essentiell wichtig, um eine Gruppe miteinander in Kontakt zu bringen.
·      Es braucht einen kühnen, mutigen Grund für die Zusammenkunft (siehe Priya Parkers Buch „The Art of Gathering“)
·      Keine Angst vor Unruhe und Konflikten: „Our connection is often most threatened by unhealthy peace than by unhealthy conflict.“ Priya Parker
·      Ungewöhnliche Regeln aufstellen hilft, um einen besonderen, verbindenen Rahmen für das digitale Treffen zu schaffen
 
Danach starteten wir mit der 60-minütigen Fishbowl Diskussion.
 
Zur Methode: Der ZOOM Fishbowl Set-up bringt jeweils drei Austauschende mit Kamera und Mikrofon zur Diskussion zusammen. Wenn sich eine vierte Person beteiligen möchte, macht sie einfach ihre Kamera und ihr Mikrofon an und „geht“ somit in den digitalen Redekreis hinein. Aus dem Diskussionstrio tritt dann wiederum eine Person aus, indem sie die Kamera abschaltet und das Mikro auf stumm setzt. Es diskutieren also immer nur drei Personen. 
 
Die Beiträge aller 15 Teilnehmer sammelten wir am Ende gemeinsam auf einem Miro-Board und clusterten sie wie folgt:
+ Kamera
+ Faciliation
+ Tools/Software
+ Spiele
 
Hier könnt ihr unsere Sammlung einsehen.
 
Neben den vielen umgebungs- und technologiebezogenen Einflüssen (siehe oben), die wichtig für fruchtbare digitale Umgebungen sind, ist mir noch ein ganz anderer Aspekt bewusst geworden, der entscheidend ist:
 
Eine Art unerschütterliches Grundvertrauen in die Magie von Zusammenkünften und der Intelligenz der Gruppe. Oder „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“
 
"Das, was aus Bestandteilen so zusammengesetzt ist, dass es ein einheitliches Ganzes bildet – nicht nach Art eines Haufens, sondern wie eine Silbe –, das ist offenbar mehr als bloß die Summe seiner Bestandteile." 
Aristoteles
 
Jeder Teilnehmer bringt eine für die Gruppe wichtige Facette in das Ganze ein und zusammen schaffen wir so eine Zusammenkunft, die ohne die Teilnahme jedes einzelnen nicht möglich gewesen wäre.
 
Und was hat die respektvolle Gestaltung von digitalen Umfeldern nun mit Lean Management zu tun? Ursprünglich geht es im Kontext von Lean um einen ganzheitlichen Ansatz, der auf den Potenzialen von Menschen beruht und der über das japanischen Wortes KAIZEN am besten auszudrücken ist. Ich nehme zur Erklärung die Übersetzung von Mari Furukawa-Caspary zu Hilfe:

KAIZEN setzt sich aus zwei Zeichen zusammen:
1. "einen neuen Ansatz finden", "verändern"​
Im Kontext von Prozessverbesserung: Lerne die eigenen Annahmen stets zu hinterfragen​
2. ​"das Gute" ​
Im Kontext von Prozessverbesserung: Steigere das Kundenwohl mit einer Win-Win-Lösung für alle Beteiligten


KAIZEN bedeutet also "Einen neuen Ansatz finden und zum Besseren verändern"

Wenn wir nun davon ausgehen, dass wir als Moderatoren, Lean Manager, Führungskräfte etc. den Rahmen unserer digitalen Umfelder immer wieder hinterfragen, neu denken und zum Wohle einer guten, gemeinsamen Zusammenarbeit immer weiter verbessern, dann sehe ich dieselbe ganzheitliche Haltung wie im ursprünglichen Lean Kontext. Wir verändern bestehende, analoge Ansätze, wandeln sie um, verbessern sie, um unsere "Kunden", also unsere Teilnehmer, an etwas "Gutem" teilhaben zu lassen.
 
Und mit diesen Worten wünsche ich euch gutes Gelingen beim stetigen Anpassen von digitalen Umfeldern an äußere Gegebenheiten und die Bedürfnisse eurer Gruppen!
 
Ich bedanke mich bei allen Teilnehmern, die sich auf das digitale Fishbowl-Experiment eingelassen haben und ihr eigenen Facetten mit- und reingebracht habt! Es war eine bereichernde Erfahrung und hat Spaß gemacht mit euch!
 
Der nächste LeanStammtisch findet am 4.3.2021 statt. Das Thema denke ich mir gerade aus. Wer mutig ist, kann sich schon mal hier anmelden.
 

Photo by kazuend on Unsplash


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