„Wo stehen wir als Organisation und wo wollen wir hin?“

„Wo stehen wir als Organisation und wo wollen wir hin?“

„Du bist Teil der Veränderung, die deine Organisation (in turbulenten Zeiten) braucht“ Dieses Thema war am 3. September 2020 der Aufhänger für den LeanStammtisch im digitalen Raum. Franziska Gütle stellte ihre Forschungsarbeit „Lean Management trifft auf New Work“ vor und half den 35 Teilnehmern mit einer visuellen Transformationslandkarte ihren eigenen Unternehmensstandort zu bestimmen und eventuellen Handlungsbedarf abzuleiten. Da dieses Thema auch viele Organisationsentwickler umtreibt, fand der LeanStammtisch in Kooperation mit der gfo | gesellschaft für organisation e.v. statt.

am 07. 09. 2020 um 08:15 Uhr

Franziska Gütle hat Wirtschaftsingenieurwesen und Lean Operations Management studiert und beschäftigt sich mit digitaler Transformation, Organisationsentwicklung und Lean & Agile Thinking. Sie ist der Meinung, dass sich Arbeit im digitalen Zeitalter verändern muss und hat deshalb ein Forschungsprojekt aufgesetzt, welches sich damit beschäftigt, wie Unternehmen im digitalen Zeitalter bestehen und sich weiterentwickeln können. Gibt es die eine, „richtige Organisationsform“ bzw. die „richtige Unternehmensstrategie“, um in unruhigen Zeiten erfolgreich bestehen zu können? Über 60 Unternehmen aus der Lean bzw. New Work Szene hat sie dazu befragt. Einige Firmen setzen auf vermehrte Selbstorganisation ihrer Mitarbeiter, auf kleine, wendige Teams, andere auf noch mehr Kennzahlen und großangelegte Effizienzprogramme und es gibt auch hybride Organisationsformen.

Der LeanStammtisch startete mit einer Austauschrunde in Kleingruppen zu den aktuellen „organisatorischen Schmerzen“ in den Organisationen der Teilnehmer. In der anschließenden visuellen Auswertung über Mentimeter tauchten besonders die Worte „Führung“, „Zusammenarbeit“ und „Kunden“ auf.

Danach gab es einen Theoriepart und Franziska Gütle führte aus, dass Organisationen erst einmal wissen müssen, wo sie heute stehen, um sich dann gezielt weiterentwickeln zu können. „Wenn ich Mitarbeiter frage, wie ihre Organisation tickt, dann bekomme ich zig unterschiedliche Antworten, die nicht wirklich greifbar sind. Auch Fragen über Kultur und Unternehmenswerte sind kaum eindeutig zu beantworten. Also habe ich versucht, in irgendeiner Form Modelle zur Einordnung zu finden“, erklärt Franziska Gütle.
 
Sie kombinierte das 7S Modell nach Peters/Watermann, das Spiral Dynamics Model nach Beck/Cowan sowie das Cynfin Framework und hat damit eine Art visuelle Transformationslandkarte erschaffen, die es Unternehmen und ihren Mitarbeitern ermöglicht, eine Standortbestimmung vorzunehmen und daraus nächste Schritte für ihre Entwicklung abzuleiten.

Wenn ein Unternehmen heute sehr hierarchisch geprägt ist, dann ist es sehr schwer, morgen auf Selbstorganisation umzustellen. Letzteres setzt eine evolutionäre Entwicklung der Mitarbeiter voraus, die Zeit braucht. „Bis hin zur Selbstorganisation braucht es verschiedene Evolutionsschritte, die nicht übersprungen werden können.“ Davon ist Franziska Gütle überzeugt.
 
Dem Theoriepart folgte eine weitere 15-minütige Austauschrunde, in der jeweils vier Teilnehmer darüber diskutierten, welchen Standort ihre Organisation momentan einnimmt. Franziska Gütle stellte dafür einen Leitfaden zur Verfügung. Laut Mentimeter ordneten sich die meisten dem blauen und orangefarbenem Spektrum zu. Aber es gab auch Nennungen im türkisen, also im lebendigen, hollistisch geprägten Bereich.

Danach teilten die Teilnehmer die für sie wichtigsten Impulse der 105-minutigen Lean/New-Work-Exkursion im Chat. Hier eine Auswahl:
„Wo stehen wir als Organisation und wo wollen wir hin?“
„New work needs inner work"
„Die überzeugende und unaufgeregte Einordnung der Stufen, ohne Wertung "am Schluss sollte alles Türkis sein"
„Impuls: hybrider Ansatz -> In welchem Bereich im Unternehmen möchte man in welche Stufe entwickeln oder bewusst auch bleiben“
 
Zum Abschluss noch ein Zitat von Franziska Gütle :
„Das Zeitalter der Digitalisierung ist ein sehr individuelles Zeitalter. Jede Organisation muss für sich selbst die passenden, neuen Geschäftsmodelle finden und auch den Weg dorthin muss sie selbst beschreiten. Aber immer beginnt die Veränderung einer Organisation auch mit einer Art Reise zu dir selbst. Wenn du mit dir im Reinen bist und für eine Idee brennst, kannst du andere anstecken. Dann ist es auch egal, wie die ersten Veränderungen aussehen. Du inspirierst andere Menschen und alles andere entwickelt sich darauf aufbauend.“

Ich bedanke mich sehr herzlich bei dir, Franziska, für deinen digitalen Besuch und die mitreißende Präsentation deiner Forschungsergebnisse!
 
Bei Simone Glitsch bedanke ich mich für die Kooperation mit der gfo, die LeanEnthusiasten und Organisationsentwickler digitale zusammenbrachte.
 
Und ich bedanke mich bei allen Teilnehmern für eure Zeit, für eure Offenheit und für euren sympathischen Zuspruch, als es technisch mal kurz hakte. Kommt gerne wieder, wenn am 5. November 2020 der nächste LeanStammtisch stattfindet. Es wird wieder ein "über-den-Lean-Tellerrand-gucken-Stammtisch" werden. Hier könnt ihr euch anmelden. Das Thema steht demnächst.
 
Ich freue mich auf euch! Bis bald
 
Eure Janine


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