Lean Management bei LEMKEN – ohne tägliche Regelkommunikation geht es nicht

Lean Management bei LEMKEN – ohne tägliche Regelkommunikation geht es nicht

Der siebte LeanStammtisch Rheinland führte uns am 11. Juli 2019 an den Ort der Wertschöpfung – auf die Produktionsfläche des Familienunternehmens LEMKEN GmbH & Co. KG. Shopfloor Management heißt dort einfach „Regelkommunikation“ und der tägliche Austausch auf der Fläche bildet die Basis des Lean Managements bei dem Landmaschinenhersteller in Alpen.

am 16. 07. 2019 um 11:50 Uhr

Für die Geschäftsprozesse von LEMKEN interessierten sich fünfundzwanzig Stammtischteilnehmer. Die LeanExkursion in Alpen startete mit einer Vorstellung der Firma und ihrer Lean Aktivitäten.
 
Der Landmaschinenhersteller LEMKEN gehört mit seinen cirka 1.800 Mitarbeitern zu den international führenden Spezialanbietern für den professionellen Pflanzenbau und wird in siebter Generation von Nicola Lemken geführt. Mit seiner landwirtschaftlichen Produktionsstätte in Alpen ist er einer der größten Arbeitgeber im Kreis Wesel.

Anfang 2018 haben die beiden Lean Verantwortlichen Lea Satzinger & Anke Hermkes mit der Einführung von Lean Management begonnen. „Mit viel Unterstützung unseres Werksleiters Rudolf Vervoorst“, betonten die beiden.
 
Der Fokus liegt dabei auf dem „Führen am Ort der Wertschöpfung“, dem Shopfloor Management. Das basiert bei LEMKEN auf drei Grundelementen: 

1. Transparenz und Prozessverständnis durch Kennzahlen
2. Zusammenarbeit der Führungskräfte und Mitarbeiter durch Vorleben, Verstehen & Unterstützen
3. Zielorientierte und strukturierte Prozessverbesserungen

Durch Transparenz in den Kennzahlen und dem Aufbau von Prozessverständnis durch Shopfloor Management- und Lean-Basis Schulungen sollen alle Mitarbeiter miteinbezogen werden. Darüber hinaus werden sie begleitet und gecoacht. Das zweite Grundelement ist eine engere Zusammenarbeit zwischen Mitarbeitern und Führungskräften. Diese soll sich über eine Änderung der Firmenkultur langsam entwickeln. Um Probleme gemeinsam effizient zu lösen, werden die Mitarbeiter immer mehr befähigt, Problemlösungen selbstständig am Ort des Geschehens durchzuführen. Sollte das nicht gelingen, können die Themen auf die nächste Ebene eskaliert werden. Als drittes Grundelement soll durch einen PDCA-Zyklus eine Plattform für zielorientierte und kontinuierliche Prozessverbesserung geschaffen werden und so die Mitarbeiter nachhaltig zum Mitmachen angeregt werden. Zur Umsetzung der drei Grundelemente wurde eine regelmäßige Kommunikation über alle Ebenen hinweg eingeführt: die REKO.

„Früher haben wir uns einmal pro Woche zusammengefunden, heute treffen wir uns täglich zu einer kurzen REKO direkt vor Ort auf der Fläche“, führte Linienführer Oliver Heisterkamp weiter aus. Er leitet die Pflugmontage und ist mit seinem Team Teil der ersten Shopfloor Management Einführung bei LEMKEN. „Wir haben die Verantwortung in die Teams gegeben. Jeder Werker kennt seine Wochen- und Tagesaufträge und kann sofort gegensteuern bzw. um Hilfe durch einen Kollegen bitten, wenn er sein Soll nicht erreicht. Für uns in der Auftragssteuer ist das eine große Entlastung. 

Wir haben jederzeit einen Überblick über die Situation unserer Kundenaufträge.“

Was bei den Ausführungen auffiel: LEMKEN verzichtet fast völlig auf die sonst üblichen (Lean) Anglizismen. „Alle Mitarbeiter sollen in die Geschäftsprozessorganisation miteinbezogen werden, deshalb nutzen wir eine klare Sprache, die vom Werker bis zum Werksleiter alle verstehen. Shopfloor Management heißt bei uns einfach „Regelkommunikation“ bzw. in der Kurzform „REKO““, erklärten Anke Hermkes und Lea Satzinger.

Nach der halbstündigen Einführung und einer Sicherheitsunterweisung ging es zum Rundgang auf die Fläche. 

Alle Stammtischteilnehmer tauschten Straßen- gegen Sicherheitsschuhe, zogen die gelben Schutzwesten an und setzten die Kopfhörer der Personenführanlage auf. In zwei Gruppen wurden wir von Werksleiter Rudolf Vervoorst und Linienführer Oliver Heisterkamp durch die Pflugmontage geführt. Ich war bei letzterer dabei, deshalb hier die Ausführungen von Oliver Heisterkamp.

Dem Ablauf des Herstellungsprozesses eines Pflugs folgend, durchliefen wir die Montagehalle. An den einzelnen Arbeitsstationen erklärte Oliver Heisterkamp den Produktionsablauf bzw. die Anpassungen, die im Rahmen der Lean Einführung vorgenommen wurden.
 
Das Werk wird in drei Schichten geführt. In jeder Schicht findet jeweils zu Schichtanfang eine kurze REKO vor den jeweils installierten Shopfloor Boards statt. Einer der Kernpunkte des LEMKEN Shopfloor Managements ist eine effektive Kommunikation über alle Hierarchiestufen hinweg. „Neu eingeführte sogenannte Teamsprecher sorgen dafür, dass unsere Werker ihre Verbesserungsvorschläge gezielter einbringen können und sie auch gehört werden“, führte Oliver Heisterkamp aus. 

Auch die Beaufsichtigung der PDCA-Zyklen ist Aufgabe der Teamsprecher. Für die täglichen REKOs gelten die folgenden Spielregeln:
·     Handy- und Telefonverbot
·     Eine Reko darf nie ausfallen (Vertretung)
·     Alle Teilnehmer müssen anwesend sein
·     Pünktlichkeit
·     Keine Suche nach Schuldigen, sondern Lösungen
·     Möglichst kurzfassen
Beim letzten LeanStammtisch Treffen im Haus Stommel hatte das Stommel Team die täglich stattfindende Morgenrund einfach für uns in den Abend „gelegt“.

Unsere Initiatoren bei LEMKEN haben sich dadurch inspirieren lassen und für uns zwei Regelkommunikationen simuliert:  einmal mit Teamsprecher und Werkern und zweitens mit dem Schichtleiter.

Danach ging es zurück in den Besprechungsraum und in die moderierte Diskussions- und Fragerunde. Ein Teilnehmer wollte z. B. wissen, ob Mitarbeiter überhaupt in der Lage seien, Probleme selber zu lösen bzw. wie der Eskalationsweg aussähe, wenn der Lösungsweg die Befugnisse der einzelnen Werker übersteigt. Lea Satzinger erklärte daraufhin, dass die Rolle des Teamsprechers ausgebaut werden soll. Früher wurde der Teamsprecher lediglich als Kommunikationsorgan eingesetzt, mittlerweile ist klar, dass sein Verantwortungsbereich wachsen muss, um schneller über Abteilungsgrenzen hinweg Veränderungen herbeizuführen. 
 

„Die Pflugabteilung ist unser Lean Pilot. Jetzt fangen langsam andere Abteilungen an, nachzuziehen.“ Und Verbesserungspotentiale seien oft nicht Abteilungsintern, sondern nur Unternehmensweit zu heben.
 
Michael Althoff, Geschäftsführer der Firma Yellowtools, zeigte sich beeindruckt von dem bisher erreichten und gab noch einen „hemdsärmeligen“ Tipp. Über eine Lean-Whatsapp-Gruppe für alle 30 Mitarbeiter hatte Yellowtools anhand von Vorher/Nachher-Bildern schnell umzusetzende Verbesserungsvorschläge gesammelt und über alle Abteilungen hinweg ins Unternehmen getragen. Er „warnte“ auch vor erhöhter Ansteckungsgefahr, denn u. a. so greife der „Lean Virus“ schnell um sich.
 

LeanStammtisch Teilnehmerin Birgit Bronder, Lean Production Master bei der Betriebsorganisation BRONDER GmbH, war von der „Live-Session“ der ReKo sehr angetan: „Schnell, auf den Punkt und zielorientiert – kurzum: LEAN.“
 Zum Abschluss baten die LEMKEN Initiatoren alle Teilnehmer um Feedback zur LEMKEN REKO & Führung durchs Werk. Dafür hatten sie eine Moderatorenwand mit SWOT-Analyse vorbereitet und Post-its bereitgelegt. Unter Stärken klebte jemand z. B. „Gute ReKo-Struktur“ und „Kommunikationsritual gut etabliert.“ Chancen sahen die Teilnehmer u. a. im „schaffen von Freiräumen für die Mitarbeiter“, in „festen Zeiten für PDCAs“ und in einer „Reko Linien-/Bereichsübergreifend.“ Eine clevere Idee, um geballtes Lean-Wissen abzufragen. So viel Erfahrung rund um Geschäftsprozessorganisation findet man schließlich nicht so häufig in einem Raum. Für die LeanStammtisch Teilnehmer lag außerdem ein Informationsblatt zu „Lean bei LEMKEN“ bereit, welches die wichtigsten Punkte zusammenfasst. Und damit war der ereignisreiche Abend auch schon zu Ende.

Ich bedanke mich ganz herzlich bei Anke Hermkes, Oliver Heisterkamp, Lea Satzinger und Rudolf Vervoorst für einen sehr bereichernden & spannenden Stammtischabend in Alpen! Außerdem geht mein Dank an alle Mitarbeiter auf der Fläche, die an den extra für uns organisierten REKOs teilgenommen haben. Dadurch haben wir einen sehr authentischen Einblick in die Lean Welt bei LEMKEN erhalten. Es war klasse bei euch!

Wer beim 7. LeanStammtisch nicht dabei sein konnte und LEMKEN trotzdem gerne kennenlernen möchte, kann sich hier zu einer Werksbesichtigung anmelden.
 
Und wer mehr zum „Führen am Ort der Wertschöpfung“ erfahren möchte, kann sich drei Lernmodule dazu auf der LeanOnlineAcademy anschauen.

Am 5. September 2019 findet der 8. LeanStammtisch statt. Anmelden könnt ihr euch jetzt schon, Thema und Ort folgen alsbald. 


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