Lean trifft Bau - oder wenn ein Zug über die Baupläne fährt

Lean trifft Bau - oder wenn ein Zug über die Baupläne fährt

Beim ersten Stammtisch 2020 wurde wieder eine Baustelle aufgemacht. Diesmal aber richtig. Wie passen die Lean Prinzipien und Bauvorhaben zusammen. Philipp Crisafulli gab uns spannende Einblicke in die Anwendung von Lean und Erfahrung auf dem Bau.

am 17. 02. 2020 um 17:49 Uhr

Wie es sich für das Thema "Lean Construction" gehört wurde vor dem Start ein ordentlicher Bauplan für den Stammtisch erstellt. Von der Baustelleneinrichtung, über die Instruktionen und Klärung der Sachverhalte bis hin zum Feierabendbier war an alles gedacht.

Die Baustelleneinweisung übernahm Philipp. Er stellte konkret die Leanprinzipien und deren Umsetzung in Bauprojekten vor und veranschaulichte es mit einigen Praxisbeispielen.

Wie bei klassischen Fertigungsabläufen sind auch auf dem Bau die Abläufe in Silos aufgeteilt statt nach Prozessen. Dieses führt zu Abstimmungsproblemen, Schuldzuweisungen bei Fehlern und entsprechend zu Verzug im Bauablauf. Um dieses zu reduzieren, wirde versucht Leanansätze auf Bauprojekte anzuwenden.

Die klassischen Silos sind auf dem Bau die einzelnen Gewerke, die unabhängig voneinander agieren. Um dieses aufzulösen wird ein Takt ( im konkreten Beispiel 2,5Tage) festgelegt in dem die Arbeiten der einzelnen Gewerke abgerechnet werden. Anschließend wurde die Reihenfolge der Gewerke je Baustellenabschnitt ermittelt und damit der Prozessablauf und wiederholbare Standardtätigkeiten identifiziert. Entsprechend erfolgt die zeitliche Planung, wie lange welcher Handwerker im jeweiligen Abschnitt beschäftigt ist und welches Gewerk folgt. Ein Puffer für Probleme wird ebenfalls vorgesehen. So entsteht eine Kette an Gewerken, die sich durch die Bauabschnitte bewegt. Zur besseren Illustration hat man das Bild eines Zuges genutzt. Je nach Größe des Bauvorhabens können auch mehrere solcher Züge parallel laufen.

Das Herzstück bildet die Baustellenbesprechung alle 2,5 Tage in einem "War room". Dieses entspricht den Shopfloormeetings bei Fertigungsprozessen. In diesem sind alle Gewerke anwesend. Die Aufgaben werden auf einem Kanbanboard erfasst und besprochen. Rückstände sind somit sofort ersichtlich und Gegenmaßnahmen können entwickelt und gemeinsam abgestimmt werden. Durch die direkte Absprache werden Unklarheiten und Probleme zwischen den Gewerken sichtbar und geklärt, die durch getrennte Ausschreibungen und getrennt entwickelte Lastenverzeichnisse entstehen. Weiterhin kann sich auch keiner verstecken, da die Leistungsabnahme nicht erst am Ende sondern laufend erfolgt. Verzug durch fehlende Mitarbeiter oder Material sowie Fehler sind entsprechend schnell ersichtlich. So werden vorallem Folgefehler reduziert.

Die Resonanz der  beteiligten Firmen und Handwerker auf die neue Art den Bau zu steuern ist recht unterschiedlich. Auch hier findet sich die Parallele zum klassischen Lean Ansatz. Die Lösung von Problemen und die gute Abstimmung kommen gut an. Die Transparenz der eigenen Leistung und auch der Probleme wird meistens kritisch gesehen. Speziell Führungskräfte müssen hier über Ihren Schatten springen. Reports und Excel werden stark reduziert, dafür sind Post-Its und Boards die bewerten Mittel. Gerade an diesem Punkt von Fehlerkultur und veränderte Führungskultur entspann sich eine rege Diskussion unter den Teilnehmern. Es konnte unabhängig von dem Anwendungsgebiet von Lean die selben Stolpersteine und fördernde wie hindernde Verhaltensweisen gefunden und verglichen werden.

Nach intensiver Diskussion gab es ganz klassisch das Feierabendbier bei dem der Austausch noch kräftig ausgedehnt und somit die eine oder andere Überstunde gemacht wurde.

Freud Euch auf den nächsten Termin am 7.5. mit dem Thema „Was kann Organisationsentwicklung für Lean tun“. Damit setzen wir sicher die gestartete Diskussion von diesem Stammtisch fort.


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