
Vom Improvisieren zum stabilen Stationsalltag: Wie Lean Management die Pflege stärkt
Christoph Marx-Pyko, Pflegedirektor der VITREA Klinik in Hattingen und zertifizierter Lean Hospital Professional, berichtet im Interview mit Natasa Neuhold eindrucksvoll von seiner Lean-Reise und den Veränderungen, die dadurch im Klinikalltag angestoßen wurden. Die nachfolgende Fassung ist eine redaktionell verdichtete Version des Gespräches.
Ausgangspunkt für Christoph Marx-Pyko war ihn nicht eine theoretische Schulung, sondern die tägliche Praxis: Als Pflegedirektor erlebte er immer wieder Engpässe, Störungen und ineffiziente Abläufe. Auf der Suche nach Lösungen stieß er auf Lean Hospital und erkannte darin einen Ansatz, der Verschwendung sichtbar macht und Mitarbeitende befähigt, Prozesse selbst aktiv zu verbessern. Besonders wichtig ist ihm dabei, Veränderungen gemeinsam mit den Teams zu gestalten und nicht von oben vorzugeben.
Ein zentrales Problem im Krankenhausalltag sieht Marx-Pyko in der „Dauerimprovisation“. Viele Abläufe seien nicht ausreichend aufeinander abgestimmt, sodass Mitarbeitende ständig auf ungeplante Situationen reagieren müssten. Bevor über zusätzlichen Personalbedarf gesprochen werde, müsse zunächst überprüft werden, ob Prozesse klar definiert, Verantwortlichkeiten geregelt und Arbeitsabläufe sinnvoll organisiert seien.
Die größte Wirkung seiner Lean-Initiativen zeigt sich für ihn nicht in Kennzahlen, sondern in der Zufriedenheit der Mitarbeitenden. Durch klare Standards, transparente Prozesse und eine bessere Organisation konnten Unsicherheiten, Doppelarbeiten und Suchzeiten reduziert werden. Das Ergebnis sind stabilere Abläufe, weniger Hektik und eine spürbar höhere Arbeitszufriedenheit. Marx-Pyko ist überzeugt: Zufriedene Mitarbeitende schaffen die Grundlage für qualitativ hochwertige Pflege.

Dem häufig geäußerten Vorwurf, Lean Management sei im Gesundheitswesen nicht anwendbar, widerspricht er entschieden. Für ihn ist die Station das „Fließband“ des Krankenhauses: Funktionieren die Prozesse dort, profitieren auch alle nachgelagerten Bereiche. Lean bedeute dabei nicht mehr Kontrolle oder höheren Druck, sondern die Schaffung von Strukturen, die Menschen und Berufsgruppen besser zusammenarbeiten lassen.
Auch die Dynamik des Klinikalltags sieht er nicht als Hindernis für Lean Management. Notfälle oder unvorhersehbare Ereignisse lassen sich zwar nicht vermeiden, doch stabile Grundprozesse schaffen die notwendige Flexibilität, um auf solche Situationen souverän reagieren zu können. Transparenz und Standardisierung erhöhen aus seiner Sicht daher nicht die Starrheit, sondern die Agilität einer Organisation.

Besonders deutlich wird der Erfolg in den bereits umgestellten Bereichen der Klinik. Der Vergleich zwischen Lean-Stationen und noch nicht optimierten Stationen zeige erhebliche Unterschiede hinsichtlich Ruhe, Stabilität, Zusammenarbeit und Arbeitsatmosphäre. Mitarbeitende auf Lean-Stationen wirkten entspannter, zielgerichteter und gleichzeitig ansprechbarer. Diese positiven Erfahrungen motivieren inzwischen weitere Teams, den Lean-Weg ebenfalls einzuschlagen.
Für die Zukunft wünscht sich Marx-Pyko, dass Lean Management stärker als übergreifender Qualitätsstandard im Gesundheitswesen verankert wird. Anstelle zahlreicher einzelner Audits und Prüfungen könnte ein gemeinsames Lean-Verständnis Krankenhäuser vergleichbarer machen und gleichzeitig Qualität, Effizienz und Mitarbeiterzufriedenheit fördern.
Seine Botschaft an skeptische Einrichtungen ist klar: Nicht diskutieren, sondern ausprobieren. Lean Management entfaltet seine Wirkung vor allem dort, wo Teams bereit sind, Prozesse gemeinsam zu hinterfragen, aus Erfahrungen zu lernen und Schritt für Schritt Verbesserungen umzusetzen.
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Cristian Berchi
Ich verbinde Lean Management, Prozessoptimierung und Digitalisierung mit praktischer Erfahrung im Gesundheitswesen. Mein Schwerpunkt liegt auf der Optimierung klinischer und pflegerischer Prozesse – insbesondere an der Schnittstelle zwischen Fachbereich, IT und Management. Ich denke nicht in Tools – ich denke in Prozessen. Mein Fokus liegt nicht auf Theorie – sondern auf Umsetzung im...

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Unsere Arbeit basiert auf unserer Überzeugung, dass Akzeptanz und Nachhaltigkeit von Veränderungen in Organisationen und damit im Rahmen der Geschäftsprozessorganisation nur erreicht werden kann, wenn die Grundidee zur ständigen Verbesserung nachvollzogen und in die Lebens- und Arbeitswelt der Menschen und damit in die Unternehmenskultur dauerhaft integriert werden kann.
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