Erfolgsfaktor: Unsichtbare Gruppendynamik

Erfolgsfaktor: Unsichtbare Gruppendynamik

Georgiy Michailov trifft Prof. Dr. Olaf Geramanis
Über Selbstorganisation, Grenzen der Führung und Innovationen.

17. Juni 2026 um 04:30 Uhr von Georgiy Michailov


„Gruppendynamik ist dieses unauflösbare Spannungsfeld zwischen Individuum und Gruppe.“


Organisationen werden effizienter, Prozesse klarer, Strukturen schlanker. Und trotzdem scheitert Zusammenarbeit oft genau dort, wo sie am wichtigsten ist: zwischen Menschen. Wer schon einmal erlebt hat, wie Teams trotz klarer Ziele nicht vorankommen, kennt dieses Spannungsfeld. Zwischen Individualität und Gruppenzwang, zwischen Harmonie und Konflikt, zwischen Struktur und echter Kooperation entsteht Dynamik, die sich nicht einfach steuern lässt.

„Arbeitsfähig ist ein Team dann, wenn es seine eigene Arbeitsunfähigkeit erkennen kann.“


Prof. Olaf Geramanis beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit genau diesen Dynamiken. Als Experte für Gruppendynamik und Selbstorganisation zeigt er, warum klassische Organisationslogiken an ihre Grenzen stoßen – und weshalb echte Zusammenarbeit immer persönlich wird. Im Gespräch mit Georgiy Michailov geht es um die Frage, warum Innovation nicht planbar ist, welche Rolle Konflikte wirklich spielen, weshalb Harmonie Teams schwächt und wie Führung heute wirken muss. 

Prof. Dr. Olaf Geramanis


Prof. Dr. Olaf Geramanis ist Experte für Gruppendynamik, Führung und Organisationsentwicklung und besitzt die deutsche, griechische und schweizerische Staatsbürgerschaft. Nach seinem Studium der Erziehungswissenschaften diente er bis 2000 als Offizier der Bundeswehr und war anschließend wissenschaftlicher Assistent an der Universität der Bundeswehr München. Seit 2004 ist er Professor an der Hochschule für Soziale Arbeit der FHNW und lehrt angewandte Gruppendynamik sowie personenorientierte Beratung. Zudem ist er Studiengangsleiter des Master of Advanced Studies in Change und Organisationsdynamik und Leiter der Changetagung Basel. Neben seiner Lehrtätigkeit arbeitet er als Coach, Supervisor und Organisationsberater (BSO) sowie als Lehrtrainer für Gruppendynamik (DGGO). Seine Schwerpunkte liegen in Führungsberatung sowie Team- und Organisationsentwicklung.

 
Mehr zur Person

Selbstorganisation durch Selbstdiagnose

Prof. Olaf Geramanis zeigt, warum Organisationen trotz klarer Prozesse oft an Wirkung verlieren: Steuerung nimmt zu, Verantwortung wandert nach oben – echte Leistung bleibt aus. Selbstorganisation setzt hier an, indem Entscheidungen in kleine, vertrauensvolle Teams verlagert werden, wo Wissen und Motivation entstehen. Zentral ist persönliche Bekanntheit: Erst sie schafft Relevanz, Verantwortung und ein funktionierendes „Wir“. Gleichzeitig hat Selbstorganisation Grenzen – ab etwa acht bis zwölf Personen wird echte Zusammenarbeit schwieriger. Entscheidend sind daher nicht Tools, sondern Rahmenbedingungen wie Vertrauen, Verbindlichkeit und Zeit für Austausch. Denn Wirkung entsteht durch Beziehung – Selbstorganisation ist Kultur, nicht Methode



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