
Veränderung beginnt nicht mit Worten – sondern mit Verhalten
Veränderung ist eines der meistgenutzten Worte in Organisationen – und gleichzeitig eines der am schwersten umzusetzenden. In ihrem Beitrag beim LeanAroundTheClock 2026 geht Sandra Schwedler genau dieser Frage auf den Grund: Wie gelingt Veränderung wirklich – jenseits von Leitbildern, PowerPoint-Folien und wohlklingenden Appellen?
Schwedler bringt dafür einen ungewöhnlich breiten Erfahrungshintergrund mit. Zwölf Jahre arbeitete sie in einer Digitalagentur, verantwortete Projekte und Führung – bevor sie sich intensiver mit der Frage beschäftigte, warum Veränderung in der Praxis so oft scheitert. Heute arbeitet sie als selbstständige Agile Coach und Organisationsentwicklerin. Parallel dazu engagiert sie sich seit über einem Jahrzehnt im Aufsichtsrat des FC St. Pauli – ein Umfeld, in dem Leistung, Veränderung und öffentliche Erwartungen täglich aufeinandertreffen.
Eine zentrale These ihres Vortrags: Menschen orientieren sich weniger an dem, was gesagt wird, sondern an dem, was sie beobachten. Unser Gehirn kann mit Widersprüchen zwischen Worten und Handlungen schlecht umgehen – und entscheidet blitzschnell, welchem Signal es glaubt. Das Verhalten gewinnt. Für Führungskräfte bedeutet das: Jede Handlung wirkt, ob bewusst oder unbewusst.
Schwedler illustriert dies mit einer persönlichen Erfahrung aus ihrer Zeit als Führungskraft in der Agenturwelt. Während sie ihre Mitarbeitenden dazu ermutigte, auf sich zu achten und Grenzen zu setzen, lebte sie selbst ein völlig anderes Verhalten vor: ständige Erreichbarkeit, späte E-Mails, lange Arbeitstage. Die implizite Botschaft war eindeutig – und wirkmächtiger als jede gut gemeinte Ansprache. Wer Karriere machen will, so die stille Lektion, muss sich genauso verhalten.

Damit schlägt sie die Brücke zum Thema wertebasierte Führung. Werte entfalten ihre Kraft nicht dadurch, dass sie formuliert und aufgehängt werden, sondern dadurch, dass sie im Alltag sichtbar werden. Oft, so Schwedler, werden gerade die Prinzipien aufgeschrieben, bei denen es ohnehin hakt. Wirklich funktionierende Selbstverständlichkeiten brauchen keine Plakate.
Ein weiterer Schwerpunkt ihres Vortrags ist die Rolle von Reflexion. Unser Gehirn ist darauf ausgelegt, Energie zu sparen: Ein Großteil unserer Entscheidungen läuft automatisiert ab. Das ist hilfreich – wird aber zum Problem, wenn wir unser eigenes Verhalten nicht mehr hinterfragen. Viele Führungskräfte sind sich gar nicht bewusst, wie stark ihr Handeln von dem abweicht, was sie kommunizieren. Nicht aus bösem Willen, sondern weil bewusstes Innehalten und Reflektieren selten als „echte Arbeit“ gilt. Dabei ist genau das, so Schwedler, ein entscheidender Hebel für wirksame Führung und nachhaltige Veränderung.
Besonders anschaulich wird dieser Gedanke durch den Blick in den Profifußball. Dort existieren klare Regeln, enge Leitplanken und hoher Leistungsdruck – und gleichzeitig ist auf dem Spielfeld maximale Selbstorganisation gefragt. Niemand gibt während des Spiels konkrete Anweisungen. Teams müssen antizipieren, gemeinsam reagieren und Verantwortung übernehmen. Diese Spannung zwischen festen Rahmenbedingungen und notwendiger Eigenverantwortung kennt auch jede Organisation.
Schwedlers Fazit: Auch Unternehmen bewegen sich immer in vorgegebenen Strukturen – Gesetze, Marktanforderungen, Zielvorgaben. Entscheidend ist, ob es gelingt, innerhalb dieses Rahmens Teams zu entwickeln, die selbstständig denken, handeln und lernen können. Führung bedeutet dann nicht Kontrolle, sondern Orientierung, Vorbild und die bewusste Gestaltung von Lern- und Reflexionsräumen.
Ihr Vortrag beim LATC2026 richtet sich an alle, die sich ernsthaft fragen: Wie geht Veränderung eigentlich wirklich? Und welchen Beitrag kann ich selbst – als Führungskraft oder als Mensch – dazu leisten, dass Wandel nicht nur gefordert, sondern auch gelebt wird.
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