Ursachen sichtbar machen: Das Ishikawa-Diagramm als Werkzeug im Lean Management

Ursachen sichtbar machen: Das Ishikawa-Diagramm als Werkzeug im Lean Management

Jeder kennt es: Ein Prozess läuft nicht wie er soll, aber das Problem ist die Ursache ausfindig zumachen. Hinzu kommt auf dem Weg zur Ursache zu verstehen welche der potentiellen Ursachen entscheidend ist und welche vermeintlichen Ursachen bloß Symptome darstellen.

Und wie bringt man Klarheit in die Komplexität? Genau hier setzt das Ishikawa-Diagramm an – ein zentrales Werkzeug zur Ursachen-Wirkungs-Analyse in Lean Six Sigma.

Autor: Hendrik Bienert

09. Juli 2025 um 04:30 Uhr von European Six Sigma Club Deutschland e. V.
  • 4


Was ist ein Ishikawa-Diagramm?

Das Ishikawa-Diagramm – auch bekannt als Fischgrätendiagramm oder Cause-and-Effect-Diagramm – ist ein grafisches Analysewerkzeug, das hilft, mögliche Ursachen für ein definiertes Problem systematisch zu identifizieren und zu strukturieren.

In der Darstellung erinnert es an ein Fischskelett: Das Hauptproblem steht als „Kopf“ am rechten Rand, während mögliche Ursachen als „Gräten“ entlang der „Wirbelsäule“ abzweigen. Ziel ist es, die Ursachen nicht nur zu sammeln, sondern logisch zu gruppieren – typischerweise nach den sogenannten 6M-Kategorien:

  • Mensch (z. B. Qualifikation, Motivation)
  • Maschine (z. B. Defekte, Kalibrierung)
  • Methode (z. B. fehlende Standards, fehlerhafte Abläufe)
  • Material (z. B. Qualität, Verfügbarkeit)
  • Messung (Messtechnik) (z. B. ungenaue Instrumente)
  • Mitwelt (z. B. Temperatur, Umfeldbedingungen)

Wann ist der Einsatz eines Ishikawa-Diagramms sinnvoll?

Ein Ishikawa-Diagramm wird beispielsweise eingesetzt, wenn:

  • ein Problem bekannt, die Ursache jedoch unklar ist,
  • die Ursachenfindung strukturiert im Team erfolgen soll,
  • eine Grundlage für Hypothesen oder Datenerhebung geschaffen werden soll.

Typische Anwendungsfelder sind etwa Fehleranalysen in der Produktion, Kundenzufriedenheitsprobleme, Qualitätsmängel oder Lieferverzögerungen.

Wichtig: Das Ishikawa-Diagramm kommt nicht ganz am Anfang einer Problemanalyse, sondern nachdem ein gemeinsames Verständnis vom Prozess und Problem besteht, hier kann z. B. mithilfe einer Process Map, Gemba oder eine Is-/Is not Analyse gearbeitet werden.

Aufbau und Durchführung

Ein Ishikawa-Diagramm wird idealerweise im Team erstellt. Der Projektleiter folgt dabei einem klaren Ablauf:

  1. Roter Faden herstellen: Den aktuellen Stand und das Ziel des Treffens erläutern.
  2. Problemdefinition: Das zu analysierende Problem klar formulieren.
  3. Brainstorming: Alle denkbaren Ursachen zusammentragen – ohne Bewertung.
  4. Gruppierung nach Hauptursachen: Zunächst frei oder anhand der 6Ms.
  5. Vertiefung: Unterursachen benennen, ggf. hierarchisch einordnen.
  6. Priorisierung: Die wahrscheinlichsten Ursachen markieren – z. B. per Klebepunktmethode

Vorteile und Grenzen

Vorteile

Übersichtlich: Komplexe Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge werden visuell dargestellt.
Teamorientiert: Fördert Gruppenarbeit und gemeinsames Verständnis.
Flexibel: Kann bei verschiedenen Problemarten eingesetzt werden.
Strukturiert: Bietet eine systematische Herangehensweise für weitere Analysen.


Grenzen

Keine Kausalitätsbewertung: Das Ishikawa Diagramm zeigt Zusammenhänge, aber keine Gewichtung der potentiellen Ursachen.
Subjektivität: Die Ergebnisse hängen stark von der Qualität des Brainstormings ab.
Voraussetzung: Es muss bereits eine Problemstellung und Prozessverständnis vorliegen.

Tipps aus der Praxis

  • Jeder darf Ursachen beitragen – keine Ideen zensieren oder bewerten.
  • Es sollte je nach Problem mit cross-functional Teams gearbeitet werdenund die Mitarbeiter aus der Linie sollten miteingebunden werden.
  • Ursachen sollten konkret formuliert sein (nicht: „schlechte Kommunikation“, sondern: „fehlende Rückmeldung bei E-Mail-Anfragen“).
  • Ein Ishikawa pro Hauptfragestellung! Bei komplexen Prozessen lieber mehrere Diagramme erstellen.
  • Das Problem im Vorfeld eingrenzen, um ein fokussiertes Ishikawa Diagramm zu erstellen.
  • Nicht an allen potentiellen Ursachen gleichzeitig arbeiten, sondern einige wenige Ursachen strukturiert bearbeiten.
  • Nicht „Management“ oder „Mitarbeiter“ als Kategorie aufführen – Blame the process, not the person
  • Nicht zu stark an den 6Ms festhalten, wenn das Team besser mit freigewählten Kategorien arbeiten kann oder nicht für jedes M eine mögliche Ursache aufgeführt wird, dann ist das okay.

Fazit: Ursachen erkennen, bevor man sie bekämpft

Das Ishikawa-Diagramm ist ein unverzichtbares Werkzeug für alle, die Ursachen nicht nur vermuten, sondern verstehen und gezielt untersuchen möchten. Es bringt Struktur in die Ursachenanalyse, macht Teamwissen sichtbar und legt den Grundstein für faktenbasierte Verbesserungen.

 



Kommentare

Bisher hat niemand einen Kommentar hinterlassen.

Kommentar schreiben

Melde Dich an, um einen Kommentar zu hinterlassen.

Teilen

Lean wirkt. Oder es bleibt ein Schauspiel
Lean wirkt. Oder es bleibt ein Schauspiel

Fake Lean kann jeder. Theater ist einfacher als Veränderung