
Rückblick auf die Debatten-Session KI und Lean am dritten Tag des LATC2026
Das breit angelegte Debattenthema KI und Lean fand das Interesse von ca. 25 Teilnehmer:innen, die sich rege am Austausch über die verschiedenen Thesen beteiligten. Manche waren zu Beginn vielleicht noch eher Zaungäste, die sich dann aber im Verlauf in die Gruppe integrierten und an den Diskussionen aktiv mitwirkten.
Die folgende Retrospektive gibt den Wortlaut der Zusammenfassungen zu den vorgestellten Thesen von Robin Ruderisch wieder, der sich dankenswerterweise während dem Austausch Notizen gemacht und diese vor jedem Thesenwechsel und am Schluss vorgetragen hatte.
Zum Abschluss enthält der Beitrag noch die Ergebnisse einer Umfrage unter den Teilnehmer:innen an der Debatte.
Im erweiterten Rückblick und verstärkt durch Rückmeldungen wäre die Debatte möglicherweise noch differenzierter verlaufen, wenn begleitend zu den Thesen nochmals (wie in der Umfrage im Vorfeld) dargestellt worden wäre, dass unter KI nicht nur generative Chatbots basierend auf Large Language Models zu verstehen sind, sondern auch andere Ausprägungen umfassen.
Mit leistungsfähiger KI löst der Mensch nicht mehr Probleme, sondern bewertet nur noch KI-Lösungen. Damit verliert Lean seinen kulturellen Kern.
Auf der einen Seite steht die Sichtweise, dass KI als Werkzeug verstanden werden muss. Der Mensch trägt die Verantwortung für ihren Einsatz und kann sie insbesondere in der Datenverarbeitung sinnvoll nutzen.
Auf der anderen Seite wurde betont, dass KI den Menschen nicht vollständig nachvollziehen kann. Lean basiert jedoch stark auf dem Faktor Mensch und auf Kommunikation. Genau hier ist Vorsicht geboten: Wenn der Fokus zu stark auf KI liegt, besteht die Gefahr, dass dieser zentrale Bestandteil von Lean vernachlässigt wird.
Lean scheitert nicht an fehlender KI-Kompetenz, sondern an fehlender Führungskompetenz und fehlender Mitarbeiterentwicklung.
Die Diskussionen aus verschiedenen Bereichen gingen letztlich in eine ähnliche Richtung. Lean funktioniert grundsätzlich auch ohne KI – sie ist lediglich eine Erweiterungsmöglichkeit.
Problematisch ist, dass KI-Aussagen häufig glorifiziert und ungeprüft übernommen werden, was den Lean-Prozess eher behindert als unterstützt. KI ersetzt den Menschen nicht.
Ihr Mehrwert liegt vor allem in der Datenanalyse, Aufbereitung und in unterstützenden Bereichen wie beispielsweise Reparaturprozessen. Entscheidend ist jedoch die Fähigkeit, relevante von irrelevanten Informationen zu trennen und Ergebnisse kritisch zu bewerten. Genau hier spielen Führung und Mitarbeiterkompetenz eine zentrale Rolle.
KI ersetzt zentrale Lean-Werkzeuge und -Methoden wie 5S, SMED, SFM, 5Why oder Kaizen.
Es wurde deutlich, dass KI diese Methoden nicht vollständig ersetzen kann. Sie kann bei der Implementierung unterstützen, jedoch müssen ihre Vorschläge immer kritisch geprüft werden.
Die Lean-Kultur muss weiterhin verstanden und aktiv gelebt werden. Zudem wurde hervorgehoben, dass Menschen unterschiedlich auf Methoden reagieren. Sowohl digitale als auch analoge Ansätze haben ihre Berechtigung und wirken je nach Kontext unterschiedlich.
Ein weiterer zentraler Punkt ist die Fehleranfälligkeit von KI, insbesondere bei öffentlichen Modellen. Diese funktionieren oft wie eine Black Box, deren Entscheidungswege nicht transparent sind.
Dem gegenüber steht die Möglichkeit, eigene KI-Modelle mit spezifischen Datensätzen zu entwickeln, um mehr Kontrolle und verlässlichere Ergebnisse zu erzielen. Eine differenzierte Betrachtung ist daher notwendig.
KI und Lean werden sich gegenseitig beeinflussen und damit die Anwendung und Entwicklung entscheidend bestimmen.
Dass KI Lean beeinflusst, wurde in der Diskussion deutlich. Offen bleibt jedoch, inwiefern Lean auch die KI beeinflusst.
Ein Ansatz ist, dass Lean durch strukturierte Prozesse und Datensätze die Grundlage für KI-Systeme mitgestaltet und somit indirekt deren Ergebnisse beeinflusst. Aktuell ist der Einfluss von KI auf Lean jedoch stärker als umgekehrt.
Zudem wurde angesprochen, dass KI an sich kein neues Phänomen ist, sondern aktuell vor allem durch Large Language Models (LLMs) an Bedeutung gewinnt. Entscheidend ist daher die Frage, wie sich gerade diese Form der KI zukünftig auf Lean auswirken wird.
Die Kombination von KI und Lean führt nicht zu mehr Effizienz sondern zu neuer Verschwendung
Ob KI zu Effizienz oder Verschwendung führt, hängt stark von ihrer Anwendung ab.
Wird sie lediglich als Hype-Tool eingesetzt, ohne klaren Nutzen, kann sie Prozesse eher verschlechtern und stellt dann ein Kompetenzproblem dar. Studien zeigen zudem, dass viele Menschen subjektiv eine Effizienzsteigerung wahrnehmen, obwohl diese objektiv nicht gegeben ist.
Gleichzeitig bietet KI klare Vorteile: Sie ermöglicht schnellen Zugriff auf strukturiertes Wissen und beschleunigt Informationsverarbeitung.
Dem steht jedoch die Gefahr gegenüber, dass Kreativität verloren geht oder Entscheidungen zu unkritisch übernommen werden. Auch hier zeigt sich: Der Nutzen von KI hängt maßgeblich von der Kompetenz im Umgang mit ihr ab.
Ergebnisse der Folgeumfrage im Anschluss an die Debatten-Session
Ganz allgemein gefragt: Wie gefällt Dir ganz generell das Debattenformat?
Hier antworteten zwei Drittel der Teilnehmer mit sehr gut und ein Drittel mit gut. Schlechtere Bewertungen wurden dabei nicht abgegeben.
Diese Rückmeldung motiviert uns das Debatten-Format auch 2027 wieder ins Programm des LATC aufzunehmen.
Was konntest Du aus dem Debatten-Format für Dich mitnehmen?
Hier hatten über 50 % der Teilnehmer neue Erkenntnisse mitgenommen, ein knappes Drittel immerhin die Vertiefung von bereits bekanntem. Für knappe 30 % war es eine Bestätigung von bereits bekanntem. Für knapp 10 % war nichts wirklich neues dabei und weitere 10 % haben Meinungen mitgenommen aber echte Anwenderinformationen vermisst.
Wieviel Interesse hast Du an einer Vertiefung des Themas im Rahmen einer Veranstaltung der LeanBase?
Über drei Viertel der Teilnehmer haben ein hohes bis sehr hohes Interesse an einer Vertiefung, knapp 20 % ein mittleres Interesse und unter 5 % nur ein geringes Interesse.
Für welche weiterführenden Formate würdest Du Dich interessieren?
Bei dieser Frage waren Mehrfachantworten möglich und so hatten knapp zwei Drittel Interesse an einem Praxis-Workshop für konkrete KI-Tools im Lean-Alltag und die Hälfte der Teilnehmer an einer Expertenrunde mit Anwenderberichten. Ein knappes Drittel möchte das in Form eines Intensivseminars über KI und Lean-Methoden vertiefen. Etwa je ein Viertel der Teilnehmer interessieren sich für Austausch in Peer-Learning-Gruppen bzw. Zertifizierungsangebote. Ein sehr kleiner Teil reduziert das auf den reinen Austausch.
Welche Themen würdest Du gerne vertiefen?
Auch hier waren mehrfache Antworten möglich, wobei von zwei Dritteln der Teilnehmer konkrete Tool-Vorstellungen und Anwendungsfälle ganz oben auf der Liste standen. Über 50 % wünschen sich Methoden-Workshops zur Kombination KI und Lean bzw. Praxisbeispiele aus Unternehmen. Über 40 % der Teilnehmer zeigten Interesse an Veränderungs- und Kulturthemen und knappe 30 % an der Messung von KI-Impact.
Welcher Rahmen spricht Dich dabei am stärksten an?
Über die Hälfte der Teilnehmer bevorzugt eine Online-Halbtagesveranstaltung, knappe 30 % eine Tagesveranstaltung in Präsenz und der kleine Rest (unter 15 %) eine Halbtagesveranstaltung in Präsenz. Kein Interesse wurde von niemand gezeigt.
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