OEE und die „Theorie der Engpässe“ (TOC)

OEE und die „Theorie der Engpässe“ (TOC)

Es werden häufig drastische Aussagen darüber getroffen, wie man OEE in Bezug auf die Theorie der Engpässe (TOC) anwenden sollte (oder eben nicht anwenden sollte).
In meiner Praxis ist die Realität jedoch wesentlich widerspenstiger als in dieser Theorie dargestellt...

13. November 2025 um 04:30 Uhr von Arno Koch


Gemäß der TOC wird der Durchsatz eines Systems durch EIN (oder nur EINIGE) schwache Glieder in der gesamten Kette eingeschränkt.

Es handelt sich um eine Theorie, die plausibel erscheint. Allerdings habe ich ein Problem damit... In den letzten 30 Jahren habe ich Hunderte von Fabriken in verschiedenen Branchen auf der ganzen Welt besucht. Außerdem hatte ich die Gelegenheit, Daten von Tausenden von Maschinen zu analysieren. Allerdings habe ich nie DEN entscheidenden Engpass identifiziert.

Was ich jedoch gefunden habe -und anhand der gemessenen Daten auch nachweisen konnte- ist, dass eine durchschnittliche Maschine in einer Linie oder in einer Lieferkette in der Regel kaum in der Lage ist, auch nur eine ganze Schicht ohne Störung zu laufen (MTBF < 8 Stunden). Ganz zu schweigen von anderen Wartezeiten/Unterbrechungen, die häufig und oft unerwartet auftreten.

Wenn man dann mehrere solcher Maschinen hintereinander hat, stelle ich mir die Frage: Wo ist nun DER Engpass? Denn sobald eine Maschine in einer Kette stillsteht, ist dies der begrenzende Faktor und dort liegt dann der Engpass. Wenn diese Engpässe also mehrmals pro Schicht von Maschine zu Maschine springen, kann man nicht wirklich von einem Flow sprechen... Dies wird in der Regel mit Puffern maskiert.

Und in FMCG-Umgebungen sehen wir sogar Linien, in denen künstlich versucht wird, einen Engpass zu schaffen. In solchen sogenannten V-Shape Formationen hat die Haupttransformationsanlage dann die geringste Kapazität. Und je weiter man sich von dieser Komponente entfernt, desto höher wird die Kapazität. Zwischen den verschiedenen Maschinen befinden sich dann Puffer, die die Schwankungen auffangen sollen. Dennoch habe ich noch nie eine solche Linie gesehen, in der die Hauptkomponente (also der eigentliche Engpass) nicht auch regelmäßig stillstand. Nach der Theory of Constraints sollte das nicht möglich sein. Dennoch habe ich mehr als einmal erlebt, dass eine mehrere hunderttausend Euro teure Abfüllanlage wegen eines defekten Tintenstrahldruckers im Wert von ein paar tausend Euro stillstand.

TOC-Experten betonen immer wieder, dass man die OEE nur am Engpass messen sollte. Beachten Sie: DEM Engpass. Aber wo befindet sich dieser? Und wie kann man eine Produktionslinie reibungslos laufen lassen, wenn der Engpass von Maschine zu Maschine wechselt? Genau aus diesem Grund messen wir die OEE an mehreren Komponenten. Nicht, weil das Ziel der OEE darin besteht, hoch zu sein, sondern um diese Komponenten stabil zu bekommen. Nur dann kann man wirklich erkennen, ob und wo ein Engpass vorliegt.

Ich bin sehr gespannt, ob es unter Ihnen jemanden gibt, der mit harten Messungen nachweisen kann, dass es in seiner Linie tatsächlich einen echten Engpass gibt.

Eine Theorie sollte es geben, um ein Phänomen zu erklären, das in der Praxis auftritt. Für mich ist TOC aber eine Theorie über ein Phänomen, das ich in der Praxis noch nie wirklich deutlich beobachten konnte. Sie vielleicht?



Kommentare

Götz Müller
Götz Müller, am 15. November 2025 um 17:11 Uhr
Vermutlich trägt das Ding genau deshalb seinen Namen: _Theory_ of Constraints

Kommentar schreiben

Melde Dich an, um einen Kommentar zu hinterlassen.

Teilen

Weitere Inhalte

JubiläumsLATC
JubiläumsLATC

LATC202610 Jahre LeanAroundTheClock!