
Trägheit - Innovation - Verschwendung
Lassen Sie mich ein paar Eulen nach Athen tragen...
Mitteleuropa wie wahrscheinlich nahezu alle wirtschaftsstarken Nationen ist träge geworden. Unser Erfolg - trotz einer weitestgehend allgegenwärtigen Ressourcenmangels - ist erstaunlich, lässt sich aber gut und gerne mit der Innovationsstärke begründen.
Doch wir straucheln.
Anhand von Norwegen und anderen Beispielen lässt sich gut aufzeigen, wo die Chancen und Risiken liegen, bzw. was an sich zu tun wäre, um der Malaise ein Ende zu setzen.
Ein paar Vorgedanken
Anhand von Norwegen und anderen Beispielen lässt sich gut aufzeigen, wo die Chancen und Risiken liegen, bzw. was an sich zu tun wäre, um der Malaise ein Ende zu setzen.
Doch: Die hierfür benötigen Instrumente kosten Geld; Geld, was wir nicht haben, solange wir uns nach wie vor erlauben, allüberall ein Maß an Verschwendung an den Tag zu legen, welche wir uns nicht leisten können und leisten sollten.
Dabei sollten wir m. E. nicht in erster Linie anderen an den Geldbeutel gehen, sondern in erster Linie bei uns selbst schauen, wo im eigenen Hause die Verschwendung grassiert und wie wir dieser Herr werden.
Kurzum
- Welche Ausgaben müssen wirklich sein? Wo können wir überflüssige Kosten einsparen?
- An welcher Stelle können wir uns interne Firmokratie kneifen?
Innovationskraft braucht Liquidität - und diese liegt nicht selten im Unternehmen begraben. Verschwendung zu minimieren, systematische "Kostenmüllabfuhr" zu betreiben, ist eine der wichtigsten Managementaufgaben.
Trägheit
Trägheit gilt als eine der 7 Todsünden und wurde - hochkarätig besetzt (Morgan Freeman, Brad Pitt, Gwyneth Paltrow) - zuletzt im Film "Sieben" thematisiert.
Über den Film kann man streiten, über die Relevanz dieser Todsünde nicht. Und dies ganz ohne konfessionell-religionsphilophischem Hintergrund.
Innovation, Wohlstand und Krisenresilienz: Ein Überblick
Innovation gilt als zentrale Triebkraft langfristigen Wirtschaftswachstums. Empirische Studien zeigen einen robusten Zusammenhang zwischen Innovationsentwicklung und Produktivitätswachstum. Länder mit aktiver Innovationspolitik verzeichnen tendenziell höhere Wachstumsraten, bessere Krisenresistenz und nachhaltigen Wohlstand.
Die Kernhypothesen:
- Innovationsintensive Volkswirtschaften weisen langfristig höhere Produktivität, bessere Diversifizierung und geringere Abhängigkeit von einzelnen Sektoren auf.
- Innovationsarme, aber wohlhabende Länder sind kurzfristig stabil, jedoch anfälliger bei strukturellen oder externen Schocks – insbesondere wenn Wohlstand auf begrenzten Ressourcen beruht.
Daten zu Norwegen: Wohlstand trotz relativer Innovationsschwäche?
1. Wirtschaftliche Ausgangslage und Innovationsleistung
Norwegen zählt zu den reichsten Ländern weltweit – hohe BIP‑Pro-Kopf-Werte, stabiler Wohlfahrtsstaat, großer Staatsfonds, geringe Einkommensungleichheit. Das Land belegt Platz 7 im EU-Innovationsvergleich, mit ausgeprägten Stärken bei Zusammenarbeit von Wirtschaft und Forschung sowie digitaler Qualifikation. Allerdings liegt die F&E‑Intensität, insbesondere in privatwirtschaftlichen Forschungsausgaben, unter EU-Durchschnitt – die sogenannte „norwegische Paradoxie“: hoher Wohlstand bei vergleichsweise schwacher Innovationsleistung.
2. Krisenanfälligkeit und Produktivitätsprobleme
Obwohl die Produktivität hoch ist, stagniert das Wachstum seit der Finanzkrise, und die Diversifikation bleibt limitiert. Die Dominanz von Öl‑ und Gasexporten (ca. 60 % des Warenexports) macht die Wirtschaft anfällig gegenüber Preis‑ und Nachfragefluktuationen.
Meine Kernfrage: Macht Erfolg träge? Verlässt man sich zu gerne auf seine "Assets" und erfindet sich nicht mehr neu?
Gegenbeispiele: Innovationsstarke und innovationsarme Länder
A) Innovationsstarke Beispiele
Vereinigte Staaten: Hohe F&E‑Ausgaben, Start-up‑Kultur und rasche Produktivitätszuwächse (30 % Produktivitätswachstum seit 2008) zeigen, wie Innovation Wachstum und Resilienz fördern.
Für mich augenfällig ist, daß die USA trotz einer hohen F&E-Quote und einer ausgeprägten Start-up-Kultur nicht stark dominant reüssieren. Meine bisherige Antwort: Der wirtschaftliche Erfolg wird an Stellen allokiert, wo er nicht wirkt.
B) Innovationsarme Wohlstandsländer mit Gefahrenpotenzial
Botswana: ähnliches Muster wie Norwegen. Diamantenerlöse erlaubt durch gezielte Diversifikation und langfristige Sparpolitik stabiler Wohlstand, aber eine geringe Innovationsbasis macht das Land langfristig vulnerabel.
Irland: Wohlstand beruht stark auf einigen US-Multis, fragil bei externen Handelsrisiken (z. B. neue US-EU Zollpolitik).
Risiken und Chancen low‑innovation‑Wohlstandsländer
Risiken
Ressourcenabhängigkeit: Preisstürze führen zu fiskalischen und gesellschaftlichen Spannungen.
Innovationsparadox: hohe Innovationsaktivität existiert, aber geringe Patent- und Markterfolge.
Stagnierende Produktivität: geringes Wachstumspotenzial und begrenzte Diversifikation
Chancen
Hohe absorptive Kapazität: gut qualifizierte Arbeitskräfte ermöglichen schnelle Adaption neuer Technologien
Starke Kooperationslandschaft (Triple‑Helix) zwischen Staat, Universitäten und Unternehmen auch in peripheren Regionen
Finanzielle Puffer: Staatsfonds als Stabilitätsreserve ermöglicht antizyklische Fiskalpolitik.
Instrumente und Strategien für Innovationsförderung
Strategien auf Makroebene
- Diversifikation und Industriepolitik: Stärkung von technologieintensiven Branchen wie grüner Tech, Life Sciences, digitaler Dienste; gezielte Clusterförderung
- Forschungsförderung und Grundfinanzierung: Erhöhung von R&D-Ausgaben, insbesondere Basisforschung, durch öffentlich geförderte Programme (z. B. durch Research Council / SkatteFUNN)
- Offene Innovationskooperationen: Nutzung des Triple‑Helix‑Modells und Ausbau zur Quadruple‑Helix mit Einbezug Zivilgesellschaft
Regionale und soziale Strategien
- Inklusive Innovationspolitik (OECD‑Modell): gezielte Förderung benachteiligter Regionen, Branchen und Gruppen durch Zugang zu Finanzierung, Beratung, Netzwerken
Best‑Practice‑Fälle
- Israel (Start-Up Nation): Hohe Start-Up-Dichte trotz relativ kleiner Bevölkerung – Förderung durch Gründerfonds, inkubierende Zusammenarbeit mit Hochschulen
- Baltische Staaten (Digitalisierung): Erstaunliche hohe Dichte an "Digital-Unternehmen"; Digitalisierung des öffentlichen Sektors
- Botswana: Diversifizierung durch staatlich finanziertes Bildungssystem, Infrastrukturprojekte und Investitionen in kleine Unternehmen
Konkrete Strategieempfehlungen für ein innovationsarmes Wohlstandsnation
- Steigerung der F&E‑Quote: Zielgerichtete Förderprogramme, Steuervergünstigungen für KMU, Ausbau universitäre Forschungspartnerschaften.
- Technologietransfer-Initiativen: Innovationsgutscheine, technologie-Scouts, Pilotprojekte mit Forschungseinrichtungen.
Regionale Innovationszentren: Aufbau von Hubs in strukturell schwächeren Regionen, Kopplung mit Hochschulen und Förderbanken. - Digitale Agenda erweitern: Ausbau von Breitband/5G in ländlichen Gebieten, Qualifizierungsprogramme in Digital Skills OECD.
- Gründungsförderung: Start-up-Inkubatoren, Seedfonds, Mentoring, regionale Gründerzentren und Cluster.
- Öffentliche Beschaffung: Innovationsorientierte Ausschreibungen („public procurement for innovation“) um Nachfrage zu stimulieren European Commission.
Zusammenfassung und Ausblick
- Zusammenhang: Innovationskraft stärkt langfristige Produktivität, Wohlstand und Krisenresistenz.
- Norwegen demonstriert: Wohlstand trotz moderater Innovationsintensität – allerdings mit Risiko bei externer Schockabhängigkeit.
- Handlungsbedarf: Erhöhung von F&E-Ausgaben, Diversifikation, technologische Transferfinanzierung, digitale Infrastruktur und inklusive Innovationspolitik.
Durch gezielte Politikinterventionen kann ein innovationsarmes wohlhabendes Land seinen Wohlstand nicht nur sichern, sondern zukunftsfähig transformieren – unterhalten von starken Institutionen, einem klaren Strategiegebäude und erfolgreicher Umsetzung vorhandener Beispiele international.
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