Mehr als eine Besprechung: Wie Daily Management klinische Prozesse sichtbar macht

Mehr als eine Besprechung: Wie Daily Management klinische Prozesse sichtbar macht

Warum Transparenz, Kennzahlen und interdisziplinäre Zusammenarbeit entscheidend für eine bessere Patientenversorgung sind

In Krankenhäusern wird täglich kommuniziert. Übergaben, Fallbesprechungen, Visiten und Abstimmungen gehören zum klinischen Alltag. Dennoch bleiben viele Probleme auf Systemebene oft unsichtbar. Genau hier setzt ein Daily Management System an.

Die nachfolgende Fassung ist eine redaktionell verdichtete Version des Gespräches von Natasa Neuhold mit Dr. Axel Mechtler geschäftsführender Oberarzt an der Universitätsklinik für Orthopädie und Traumatologie des Kepler Universitätsklinikums Linz

#leanmagazin
25. Juni 2026 um 04:30 Uhr in LeanMagazin von LKB Redaktion


Dr. Axel Mechtler berichtet aus der Praxis, wie Daily Management dabei hilft, klinische Kernprozesse transparenter, steuerbarer und letztlich patientenorientierter zu gestalten. 

Der Auslöser für die Einführung eines Daily Management Systems am Universitätsklinik für Orthopädie und Traumatologie des Kepler Universitätsklinikums Linz war die Zusammenführung zweier großer klinischer Bereiche: Orthopädie und Unfallchirurgie.

Mit der organisatorischen Zusammenlegung trafen unterschiedliche Arbeitsweisen, Behandlungskulturen und Sichtweisen aufeinander. Schnell wurde deutlich, dass es mehr brauchte als klassische Besprechungen, um gemeinsame Ziele und Standards zu etablieren. Das Team entschied sich deshalb für einen strukturierten Daily-Management-Ansatz. 

Der Unterschied zwischen Übergabe und Daily Management

Auf den ersten Blick wirken tägliche Übergaben und Daily Management ähnlich. Doch laut Mächtler verfolgen sie unterschiedliche Ziele.

Während klassische Übergaben vor allem einzelne Patient:innen und aktuelle Ereignisse betrachten, richtet Daily Management den Blick auf das Gesamtsystem. Es geht nicht nur darum, was heute passiert ist, sondern darum, Muster, Trends und wiederkehrende Probleme sichtbar zu machen.

Die entscheidende Frage lautet: Entwickeln wir uns in die richtige Richtung – oder erkennen wir Probleme erst, wenn sie bereits groß geworden sind?

Durch die regelmäßige Erhebung und Visualisierung von Kennzahlen können Entwicklungen frühzeitig erkannt und Gegenmaßnahmen eingeleitet werden.

Vom Patienten zum Patientenpfad

Mechtler beschreibt Daily Management als einen Perspektivwechsel.

Die klinische Arbeit konzentriert sich naturgemäß auf einzelne Patientinnen und Patienten. Daily Management betrachtet dagegen den gesamten Patientenpfad und die dahinterliegenden Prozesse. Dadurch werden systemische Hindernisse sichtbar, die sich auf viele Patient:innen gleichzeitig auswirken können.

Probleme sichtbar machen

Eine der größten Herausforderungen bestand darin, Mitarbeitende für den Nutzen von Kennzahlen und systematischer Steuerung zu gewinnen.

Insbesondere im medizinischen Umfeld ist die Arbeit traditionell weniger durch Prozesskennzahlen geprägt als beispielsweise in Industrie oder Logistik. Die Frage, welche Kennzahlen überhaupt relevant sind und wie Erfolg gemessen werden kann, war daher zunächst ungewohnt.

Doch mit der Zeit entwickelte sich ein Kulturwandel. Was anfangs als zusätzliche Aufgabe wahrgenommen wurde, wurde zunehmend zur Routine. Mitarbeitende erkannten, dass Transparenz nicht Kontrolle bedeutet, sondern Orientierung schafft und Verbesserungen ermöglicht.

Führung macht den Unterschied

Ein zentrales Learning aus der Einführung des Systems: Ohne konsequente Unterstützung durch die Führungsebene funktioniert Daily Management nicht.

Führungskräfte müssen Ziele definieren, Prioritäten setzen und den Rahmen schaffen, in dem kontinuierliche Verbesserung stattfinden kann. Ebenso wichtig ist es, die notwendige Konsequenz zu zeigen, damit neue Routinen tatsächlich gelebt werden.

Wenn Berufsgruppen gemeinsam Probleme lösen

Der Moment, in dem Mechtler erkannte, dass das System zu wirken beginnt, war überraschend einfach:

Unterschiedliche Berufsgruppen begannen, sich regelmäßig auszutauschen und gemeinsam an Problemen zu arbeiten. Neben Ärztinnen und Ärzten wurden auch Pflegekräfte sowie weitere Fachbereiche wie die Anästhesie aktiv eingebunden.

Dadurch entstand eine neue Sichtweise auf die Versorgung: Der Patient gehört nicht einer einzelnen Berufsgruppe oder Abteilung – der Patient gehört dem Krankenhaus.

Diese gemeinsame Verantwortung stärkt die interdisziplinäre Zusammenarbeit und verbessert die Koordination entlang des gesamten Behandlungsprozesses.

Kontinuierliche Verbesserung beginnt mit Transparenz

Für Dr. Mechtler ist Daily Management weit mehr als ein Steuerungsinstrument. Es schafft einen Rahmen, in dem Probleme sichtbar werden, Zusammenarbeit gefördert wird und Verbesserungen systematisch entstehen können.

Oder anders formuliert: Wer Prozesse verbessern möchte, muss sie zuerst sichtbar machen.

Genau darin liegt die Stärke eines Daily Management Systems – und ein wichtiger Hebel für die Zukunft moderner Krankenhäuser.



Kommentare

Bisher hat niemand einen Kommentar hinterlassen.

Kommentar schreiben

Melde Dich an, um einen Kommentar zu hinterlassen.

Teilen

Weitere Inhalte

Kennst Du schon LeanAdmin?

  • Mit LeanManagement zu mehr Nachhaltigkeit
  • praxisorientiertes Event plus Wissenschaft, Medien und Politik
  • Impulse für Deine Nachhaltigkeitsstrategie
Werbung
Management & Krankenhaus
Management & Krankenhaus

Wissen nutzen. Klinik steuern. Zukunft machen.