Medikamentenlogistik im Alltag: Warum kleine Verschwendungen große Risiken und Kosten verursachen

Medikamentenlogistik im Alltag: Warum kleine Verschwendungen große Risiken und Kosten verursachen

Ein Tropfen zu viel, eine Minute zu spät, ein Weg zu weit – in der Medikamentenlogistik der Krankenhäuser und Kliniken sind es oft scheinbar belanglose Details, die im Alltag übersehen werden. Doch gerade hier verbergen sich erhebliche Risiken und unnötige Kosten. Wer genauer hinsieht, erkennt: Die kleinen Verschwendungen sind alles andere als harmlos.

#leanmagazin
05. August 2025 um 07:30 Uhr in LeanMagazin von LKB Redaktion
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In vielen Krankenhäusern ist die Medikamentenlogistik eine Kette von Abläufen, die über Jahre gewachsen und kaum je grundlegend hinterfragt worden ist. Führungskräfte aus der Krankenhauslogistik und der Krankenhausapotheke kennen diese wiederkehrenden Herausforderungen nur zu gut:

  1. Unklare Verantwortlichkeiten und Schnittstellen: Wenn Zuständigkeiten nicht eindeutig geregelt sind, kommt es zu Medienbrüchen, doppelter Dokumentation oder unvollständiger Übergabe von Informationen.
  2. Wege, die niemand gehen will – aber muss: Pflegekräfte, die Medikamente suchen, holen oder kontrollieren müssen, verschwenden nicht nur wertvolle Zeit, sondern gefährden dabei auch die Versorgungsqualität.
  3. Pufferlager, die zur Kostenfalle werden: Aus Angst vor Engpässen werden Medikamente dezentral gebunkert – mit Risiken für Haltbarkeit, Bestandssicherheit und Wirtschaftlichkeit.

All das führt zu einer schleichenden Überlastung der Beteiligten, einer erhöhten Fehleranfälligkeit im Alltag und unnötigen Ausgaben, die in keiner Kostenstelle direkt sichtbar sind – aber dennoch wirken.

„Das ist halt so“ – Warum Gewohnheit ein schlechter Ratgeber ist

Gerade in sensiblen Bereichen wie der Medikamentenlogistik scheuen viele Entscheidungsträger tiefgreifende Veränderungen. Die Angst, funktionierende (wenn auch ineffiziente) Abläufe zu stören, ist nachvollziehbar. Doch genau hier liegt das eigentliche Risiko: Denn ineffizient bedeutet im Ernstfall auch instabil.

Die häufigsten Vorbehalte gegen eine Optimierung sind:

  • „Die Prozesse laufen doch – wir haben kaum Ausfälle.“
  • „Einheitliche Abläufe passen nicht zu den individuellen Anforderungen der Stationen.“
  • „Das haben wir schon mal versucht, aber es hat nicht funktioniert.“

Diese Haltungen lassen sich entkräften, wenn deutlich wird, dass es nicht um Standardisierung gegen Flexibilität geht, sondern um Transparenz und Fehlervermeidung durch Struktur.

Wenn Zeit zur riskanten Ressource wird

Ein Blick in den Alltag einer Station zeigt schnell, wie sich kleine Verschwendungen summieren: Eine Pflegekraft unterbricht die Patientenversorgung, um ein fehlendes Medikament aus der Apotheke zu organisieren. Eine andere ist unsicher, ob ein bestimmtes Präparat noch haltbar ist. Gleichzeitig wartet die Apotheke auf Rückläufer, um Verfalldaten prüfen und Bestände anpassen zu können. Diese Situationen erzeugen Stress, Reibungsverluste und Fehlerquellen – und sie sind vermeidbar.

Konkret wird seit einigen Jahren am Uniklinikum auch im Bereich Wirtschaft und Logistik bzw. der Stabsstelle Supply Chain Management (SCM) versucht die wesentlichen Elemente in das „tägliche Tun“ (operatives Tagesgeschäft) zu integrieren und die Lean Philosophie bestmöglich über alle Hierarchieebenen im Bereich zu etablieren und vor allem zu leben.

Ein anderes Beispiel zeigt sich im Zentrallager: Medikamente werden in Einheiten gepackt, die nicht zum Bedarf der Stationen passen. So entstehen aufwändige Umverteilungen, teils ohne ausreichende Kennzeichnung. Der Zeitdruck bei der Kommissionierung tut sein Übriges. Eine optimierte Verpackungslogik und standardisierte Übergabeprozesse könnten hier Abhilfe schaffen – wenn Verantwortlichkeiten klar sind und Prozesse gemeinsam mit den Beteiligten überarbeitet werden.

Erkenntnisse für die Praxis

Kleine Verschwendungen, große Wirkung – und große Chance:

  • Jede unnötige Bewegung, jedes unklare Etikett, jeder doppelte Gang ist nicht nur ein Kostenfaktor, sondern ein potenzielles Risiko.
  • Transparente, klar definierte Prozesse reduzieren Fehler und erhöhen die Versorgungssicherheit.
  • Lean-Methoden helfen, die Abläufe sichtbar zu machen, Engpässe zu identifizieren und die Medikamentenlogistik patientenorientiert zu gestalten – ohne zusätzliche Belastung für das Personal.
  • Entscheidend ist die Beteiligung der Mitarbeitenden in der Analyse und Neugestaltung: Wer die täglichen Reibungsverluste kennt, weiß auch, wo der Hebel am besten anzusetzen ist.

Mehr Klarheit in der Logistik – Mehr Sicherheit in der Versorgung

Die Herausforderungen in der Krankenhauslogistik lassen sich nicht durch kurzfristige Aktionen oder technische Lösungen allein beheben. Es braucht ein systematisches Vorgehen, das auf Transparenz, Beteiligung und kontinuierliche Verbesserung setzt. Die Medikamentenlogistik ist dafür ein idealer Hebelpunkt – denn hier treffen Kosten, Qualität und Sicherheit in besonders sensibler Form aufeinander.



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