
Lean-Community ehrt Mari Furukawa-Caspary als „Brückenbauerin“ – Laudatio von Dr. Alexander Ruderisch im Wortlaut
Mari Furukawa-Caspary – eine Brückenbauerin zwischen japanischem Ursprung und westlichem Verständnis von Lean. Seit vielen Jahren trägt sie mit Übersetzungen, Büchern und ihrer einzigartigen Fähigkeit zur kulturellen Vermittlung dazu bei, dass Lean nicht nur angewendet, sondern wirklich verstanden wird. Eine Arbeit, die oft im Hintergrund geschieht – aber für die Entwicklung unserer Community von unschätzbarem Wert ist.
Liebe Freunde der gepflegten Prozessverbesserung,
da wir heute das 10-jährige Juhubiläum des LATC begehen, möchten wir diese Gelegenheit nutzen, Menschen für ihre bedeutsamen Beiträge für die deutsche Lean-Community zu würdigen.
Wir beginnen mit einer Person, deren Arbeit in den letzten anderthalb Jahrzehnten wesentlich dazu beigetragen hat, dass Lean und seine Wurzeln im deutschsprachigen Raum besser verstanden werden.
Mari Furukawa-Caspary.
Lean kommt ursprünglich aus Japan. Viele der Begriffe und Konzepte, die wir heute anwenden, sind dort entstanden – eingebettet in eine Kultur, eine Sprache und eine Denkweise, die sich nicht immer leicht in eine westliche Perspektive übertragen lassen. Das hat in den letzten mehr als dreißig Jahren, seit The Machine That Changed the World den ersten großen Erklärungsversuch unternommen hat, immer wieder zu Missverständnissen geführt.
In der Vergangenheit hat der Transfer der Lean-Philosophie häufig über den Umweg des Englischen stattgefunden. Japanische Begriffe wurden zunächst ins Englische übersetzt und von dort in weitere Sprachen übertragen. Dabei gehen zwangsläufig Nuancen verloren. Interessanterweise kann die deutsche Sprache manche Bedeutungen aus dem Japanischen sogar präziser abbilden als das Englische – wenn man sich die Mühe macht, genau hinzusehen.
Genau hier liegt das besondere Verdienst von Mari Furukawa-Caspary.
Seit vielen Jahren schlägt sie Brücken zwischen diesen Kulturen. Sie kennt beide Perspektiven – und hat mit großer Genauigkeit und viel Engagement zwischen ihnen vermittelt.
Über mehr als ein Jahrzehnt hat sie japanische Lean-Experten bei ihrer Arbeit in Deutschland begleitet. In Workshops, Trainings und Gesprächen hat sie nicht nur Worte übersetzt, sondern Zusammenhänge erklärt und kulturelle Hintergründe verständlich gemacht. Wer solche Situationen erlebt hat, weiß: Gute Übersetzung ist weit mehr als Sprachkenntnis – sie ist Vermittlung von Denken.

Diese Vermittlungsarbeit hat sie auch in ihren Büchern fortgeführt, insbesondere in der Reihe Lean auf gut Deutsch, die seit 2016 erscheint. Dort geht es weniger um Methoden und Werkzeuge, sondern um Begriffe, Bedeutungen und das Denken hinter Lean.
Darüber hinaus hat sie wichtige Lean-Literatur aus Japan ins Deutsche übersetzt, darunter mehrere Toyota-Praxisbücher, die vielen von uns erstmals einen direkten Einblick in das ursprüngliche Denken hinter dem Toyota-Produktionssystem ermöglicht haben.
Und sie hat ihr Wissen nicht nur in Büchern geteilt, sondern seit vielen Jahren auch in Workshops, Gesprächen, Podcasts und Vorträgen, immer mit dem Ziel, Lean nicht nur als Toolbox anzuwenden, sondern wirklich zu verstehen.
Ich erinnere hier nur an den vielbejubelten Vortrag bei unserer Veranstaltung im letzten Jahr. Ich habe dort eine Community erlebt, die dir, liebe Mari, regelrecht an den Lippen hing, um Lean besser zu verstehen. Deine Vermittlung ist klar und prägnant – besonders dann, wenn es um Dein Herzensthema Monozukuri geht.
Wenn man all das betrachtet, könnte man meinen, dass eine solche Leistung längst mit Preisen und Auszeichnungen gewürdigt worden wäre.
Interessanterweise ist das – soweit wir wissen – noch nicht der Fall.
Vielleicht liegt das daran, dass diese Art von Arbeit schwer zu messen ist. Sie schafft kein neues Label und kein neues Framework. Aber sie schafft etwas viel Wertvolleres: Verständnis.
Liebe Mari,
du hast über viele Jahre dazu beigetragen, dass Lean im deutschsprachigen Raum nicht nur übersetzt, sondern wirklich verstanden werden kann.
Für deine Bücher, deine Übersetzungen, deine kulturelle Vermittlung und deinen wichtigen Beitrag zur Lean-Community danken wir dir sehr herzlich.
Große Beiträge entstehen nicht immer dadurch, dass jemand etwas Neues erfindet. Manchmal entstehen sie dadurch, dass jemand dafür sorgt, dass wir das Bestehende endlich richtig verstehen.
Liebe Mari – genau das hast du für Lean im deutschsprachigen Raum getan. Hierfür sagen wir heute recht herzlich Dankeschön.
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