Kaizen 2 go 379 : Schreibprozesse – ein retrospektiver Gemba Walk

Kaizen 2 go 379 : Schreibprozesse – ein retrospektiver Gemba Walk

Fragestellungen aus der Unterhaltung mit Andreas Syska: Was war der Impuls für das Schreiben eines Zukunftsromans? Wie kam es dann zu der spezifischen Themenauswahl? Wie hat die Entstehung durch eine Prozess- und Lean-Brille ausgesehen? Wie haben Sie die Kundensicht des zukünftigen Lesers integriert? Welche Evolutionsschleifen im Sinne des PDCA-Zyklus sind während des Schreibprozesses aufgetreten? Hat die klassische Produktions- und Lean-Erfahrung einen besonderen Einfluss auf den Schreibprozess gehabt oder haben Sie sich primär eher an dokumentierten und bewährten Schreibprozessen orientiert? Wie hat die Post-Production ausgesehen und welche Einfluss hatte ggf. die Lean-Sicht? Was würden Sie mit der Erfahrung des ersten Romans beim zweiten verändern oder wieder so machen? Welchen Tipp zum Einstieg in den Schreibprozess würden Sie einem technisch orientierten Menschen geben, der auch mit einer Romanidee schwanger geht?

30. Januar 2026 um 04:30 Uhr von Götz Müller
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Das Transkript der Episode ist hier verfügbar.

Kaizen 2 go 379 : Schreibprozesse – ein retrospektiver Gemba Walk

KI-generierte Zusammenfassung des Transkripts

In dieser Episode spricht Götz Müller mit Andreas Syska über den Entstehungsprozess eines Zukunftsromans und beleuchtet diesen bewusst aus einer Prozess- und Lernperspektive. Ausgangspunkt des Gesprächs ist die Frage, wie ein Ingenieur und Produktionsfachmann dazu kommt, einen Roman zu schreiben, der im Jahr 2040 spielt. Andreas Syska beschreibt, dass der Impuls aus seiner langjährigen Beschäftigung mit Wirtschaft, Industrie und Technologie entstand. Viele Entwicklungen, etwa künstliche Intelligenz, autonome Systeme oder neue Formen der Mensch-Maschine-Interaktion, haben aus seiner Sicht bereits heute einen hohen Reifegrad. Der Roman ist der Versuch, diese Technologien nicht abstrakt zu beschreiben, sondern ihre Auswirkungen auf Menschen und Gesellschaft erzählerisch erfahrbar zu machen.

Bewusst entschied sich Andreas Syska gegen ein klassisches Fachbuch. Stattdessen wollte er ein neues Terrain betreten und wählte die Form des Romans, obwohl er keinerlei Erfahrung im literarischen Schreiben hatte. Rückblickend beschreibt er diesen Schritt als Wagnis, das er vermutlich nicht eingegangen wäre, hätte er den tatsächlichen Aufwand gekannt. Gerade diese Ungewissheit habe jedoch ermöglicht, sich auf den Prozess einzulassen und ihn konsequent zu Ende zu führen. Der zeitliche Rahmen des Romans, das Jahr 2040, ist dabei bewusst nah gewählt, um den Leserinnen und Lesern keine komfortable Distanz zu erlauben, sondern eine direkte Betroffenheit zu erzeugen.

Ein zentrales Merkmal des Romans ist die ausgeprägte Liebe zum Detail. Andreas Syska schildert, dass er reale Orte, Straßenzüge und Umgebungen präzise beschreibt und auch Technologien, Räume und Atmosphären sehr konkret ausarbeitet. Für ihn gleicht das fertige Werk einem Mosaik, das Stein für Stein zusammengesetzt wurde. Jeder Abschnitt wurde mehrfach überarbeitet, bis er sich stimmig in das Gesamtbild eingefügt hat. Dieser Anspruch führte zu einem hohen zeitlichen Aufwand, prägt aber nach seiner Einschätzung die Qualität und Dichte der Erzählung.

Im Gespräch entwickelt sich zunehmend eine Analogie zwischen dem Schreibprozess und bekannten Denkmodellen aus der Prozess- und Produktionswelt. Andreas Syska erläutert, dass er von Beginn an mit einem klaren Zielbild gearbeitet hat. Grundlage war ein umfangreiches Storyboard, das zeitliche Abläufe, handelnde Personen und technologische Elemente miteinander verknüpfte. Dieses visuelle Gesamtbild diente als Orientierung, auch wenn der Weg dorthin alles andere als linear verlief. Einzelne Kapitel entstanden unabhängig voneinander, wurden später zusammengeführt und mehrfach angepasst. Dabei zeigte sich, dass ursprüngliche Annahmen revidiert werden mussten, um die Geschichte schlüssiger zu machen.

Ein wichtiger Lernpunkt ergab sich aus der Arbeit mit erfundenen Begriffen, Markennamen und gesellschaftlichen Slogans. Über den langen Entstehungszeitraum hinweg hatten sich Inkonsistenzen eingeschlichen, die erst bei der Gesamtschau deutlich wurden. Andreas Syska beschreibt diesen Moment als schmerzhaft, aber lehrreich. Heute würde er von Beginn an ein Glossar führen, um Begriffe eindeutig und nachvollziehbar zu verwenden. Diese Erfahrung vergleicht er mit typischen Schnittstellenproblemen in Organisationen, bei denen einzelne Bereiche für sich funktionieren, die Übergänge jedoch Reibungsverluste erzeugen.

Götz Müller greift diese Beobachtungen auf und zieht Parallelen zu iterativen Lernschleifen. Rückmeldungen der Lektorin und von Testlesern spielten eine zentrale Rolle. Andreas Syska betont, dass er den Roman zunächst ausschließlich für sich geschrieben habe und sich nicht an einer klar definierten Zielgruppe orientierte. Erst im späteren Verlauf floss eine Art Kundensicht ein, allerdings ohne jedem Feedback unkritisch zu folgen. Entscheidend war für ihn, Reaktionen zu verstehen und bewusst zu entscheiden, welche Wirkung er verstärken wollte und welche nicht.

Ein weiterer wesentlicher Aspekt war das bewusste Verlernen bisheriger Schreibgewohnheiten. Trotz jahrzehntelanger Erfahrung mit Fachtexten stellte Andreas Syska fest, dass diese Routinen für einen Roman nicht geeignet waren. Sprache, Figurenentwicklung und Dramaturgie erforderten einen völlig anderen Ansatz. Unterstützt durch Fachliteratur und intensive Übung lernte er, Figuren plastisch anzulegen und Konflikte so zu gestalten, dass ihr Handeln nachvollziehbar wirkt. Auch seine Erfahrungen als Redner halfen dabei, narrative Elemente zu entwickeln und Geschichten zu erzählen.

Abschließend thematisiert das Gespräch die vielen unterstützenden Prozesse rund um die Veröffentlichung. Andreas Syska entschied sich bewusst gegen einen klassischen Verlag und für eine eigenständige Veröffentlichung, um inhaltliche Kontrolle zu behalten. Lektorat, Korrektorat, Covergestaltung, technische Veröffentlichung und rechtliche Aspekte erwiesen sich als komplex, aber lehrreich. Rückblickend sieht er den gesamten Prozess als intensiven Lernzyklus, dessen Erkenntnisse in ein mögliches nächstes Projekt einfließen würden.

Zum Abschluss gibt Andreas Syska einen klaren Rat an alle, die mit dem Gedanken spielen zu schreiben: bestehende Vorstellungen über das Schreiben loslassen, unvoreingenommen beginnen, sich früh mit den Anforderungen auseinandersetzen und den eigenen Weg konsequent gehen.



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