
Datentransparenz vor KI: Warum Unternehmen erst ihre Prozesse verstehen müssen
Im Gespräch von Regina Reul mit Benjamin Auenkofer wird schnell deutlich: Künstliche Intelligenz ist nicht der erste Schritt zur Transformation – sondern Datentransparenz.
Im Interview spricht der Gründer der DATANOMIQ GmbH und Mitgründer der AUDAVIS GmbH über ein zentrales Missverständnis vieler Unternehmen: KI-Strategien ohne saubere Datenbasis führen selten zum Ziel – und können durch sogenannte „Schatten-KI“ sogar zum Risiko werden.
Künstliche Intelligenz ist in aller Munde. Kaum ein Strategiepapier, kaum eine Konferenz kommt ohne sie aus. Doch im Gespräch mit Benjamin Auenkofer wird schnell deutlich: Wer über KI spricht, ohne über Datentransparenz zu sprechen, greift zu kurz.
Beim Lean Around the Clock, das vom 11. bis 13. März 2026 in Mannheim stattfindet, wird Auenkofer genau diesen Zusammenhang beleuchten. Sein Credo: Nicht die KI steht am Anfang der Transformation – sondern die Klarheit über die eigenen Prozesse.
Auenkofer, Gründer der DATANOMIQ GmbH und Mitgründer der AUDAVIS GmbH, verbindet technische Tiefe mit industrieller Praxis. Als ausgebildeter Softwareentwickler und Wirtschaftsingenieur kennt er sowohl die Welt der Datenmodelle als auch die Realität gewachsener Produktions- und Verwaltungsstrukturen. Seine Erfahrung aus zahlreichen Industrieprojekten zeigt: In vielen Unternehmen existieren enorme Datenschätze – doch sie bleiben ungenutzt oder sind über verschiedene Systeme verteilt.
Gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten wird das zum Problem. Märkte verändern sich schneller, Lieferketten werden instabiler, Wettbewerber – insbesondere junge, datengetriebene Unternehmen – treten dynamischer auf. Wer in diesem Umfeld bestehen will, braucht Transparenz. Transparenz darüber, wie Prozesse tatsächlich laufen, wo Engpässe entstehen, welche Kunden oder Lieferanten besondere Komplexität verursachen und an welchen Stellen Effizienzpotenziale liegen.

Hier setzt das Thema Datentransparenz an. Moderne Business-Intelligence-Lösungen und Methoden wie Process Mining machen sichtbar, was bislang nur vermutet wurde: reale Prozessverläufe, Abweichungen, Schleifen, Wartezeiten. Entscheidungen basieren dann nicht mehr allein auf Erfahrung oder Intuition, sondern auf belastbaren Daten. Erst auf dieser Grundlage wird der Einsatz von KI sinnvoll und strategisch.
Besonders kritisch sieht Auenkofer das Phänomen der „Schatten-KI“. In vielen Unternehmen nutzen Mitarbeitende privat verfügbare KI-Tools, um schneller zu arbeiten oder sich Informationen aufzubereiten. Die Absicht ist meist positiv – doch die Risiken sind erheblich. Sensible Daten verlassen unkontrolliert das Unternehmen, Geschäftsgeheimnisse können gefährdet werden, Entscheidungen werden nicht nachvollziehbar dokumentiert. Ohne klare Daten- und KI-Strategie entsteht so ein strukturelles Risiko.
Die Alternative ist eine konsequent gedachte Enterprise AI: KI-Lösungen, die in die eigene IT-Infrastruktur integriert sind, kontrolliert betrieben werden und auf unternehmensinternen, qualitätsgesicherten Daten basieren. Ob bei der Erstellung von Verträgen, der Analyse von Produktionsdaten, der Optimierung von Logistikprozessen oder der Unterstützung in der Produktentwicklung – KI entfaltet ihre Wirkung erst dann nachhaltig, wenn sie strategisch eingebettet ist.
Dabei geht es nicht nur um Effizienzsteigerung. Auenkofer argumentiert weiter: Wer Daten intelligent nutzt, kann aus Krisen sogar Wettbewerbsvorteile generieren. Während neue Marktteilnehmer mithilfe von Datenanalytik und KI Erfahrungswissen in kurzer Zeit aufbauen, müssen etablierte Unternehmen ihre traditionelle Stärke – Erfahrung und Prozesskompetenz – mit digitaler Transparenz verbinden. Wer das schafft, reagiert schneller, trifft fundiertere Entscheidungen und erhöht seine Resilienz.
Sein Vortrag richtet sich daher nicht nur an IT-Verantwortliche, sondern ausdrücklich an Führungskräfte in Produktion, Logistik und Verwaltung, an Geschäftsführer, Investoren und alle, die Verantwortung für die Zukunftsfähigkeit ihres Unternehmens tragen. Denn Datentransparenz und KI sind keine reinen Technologiethemen – sie sind strategische Führungsaufgaben.
Die zentrale Botschaft lautet: KI allein löst keine strukturellen Probleme. Doch wer seine Prozesse versteht, Daten systematisch nutzbar macht und KI verantwortungsvoll integriert, schafft die Grundlage, um auch in turbulenten Zeiten wettbewerbsfähig zu bleiben.
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#JanineFragtNach bei Conny Dethloff, Business Intelligence Division Manager bei der OTTO GmbH & Co. KG und außerdem schreibender Mathematiker und Organisationsforscher.





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