
Kaizen 2 go 374 : Ressourceneffizienz und doch Lean
Fragestellungen aus der Unterhaltung mit Karsten Sander: Welche Effizienz adressiert Lean typischerweise? Welche Ressourcen werden im Lean-Kontext meistens adressiert? Welche Ressourcen werden dabei übersehen? Warum ist Ressourceneffizienz und Lean also kein Widerspruch? Welchen Nutzen können Unternehmen aus dieser Form der Ressourceneffizienz ziehen? Wie lässt sich die Aufmerksamkeit auf und das Bewusstsein für diese „anderen“ Ressourcen lenken? Wie lassen sich typische Lean-Werkzeuge und -Methoden nutzen bzw. erweitern, um das Bewusstsein dafür spezieller auszurichten?
Das Transkript ist hier verfügbar.
Kaizen 2 go 374 : Ressourceneffizienz und doch Lean
KI-generierte Zusammenfassung des Transkripts
In dieser Episode spricht Götz Müller mit Karsten Sander über die Verbindung von Ressourceneffizienz und Lean Management. Karsten Sander ist studierter Recyclingingenieur und hat in seiner beruflichen Laufbahn als Prozessingenieur umfangreiche Erfahrungen in der Optimierung von Produktionsprozessen, der Energieeinsparung und der Reduzierung von Materialverbrauch gesammelt. Er betont, dass ihn seit jeher die Idee antreibt, mit seiner Arbeit einen ökologischen Beitrag zu leisten.
Zu Beginn erklärt Karsten Sander, dass Ressourceneffizienz im Lean-Kontext häufig anders verstanden wird als in der Umwelttechnik. Während im Lean-Management meist von Ressourcen im Sinne von Personal, Maschinen oder Produktionskapazitäten gesprochen wird, bezieht er sich auf natürliche Ressourcen wie Rohstoffe, Energie, Wasser und Luft. Ziel seines Ansatzes ist es, diese natürlichen Ressourcen effizienter zu nutzen und ihren Verbrauch zu reduzieren.
Götz Müller verweist auf das Buch von Niklas Modig, in dem zwischen Ressourcen- und Flusseffizienz unterschieden wird. Karsten Sander betont, dass diese Begriffe oft miteinander verwechselt werden. Modigs Ansatz beschreibt die Flusseffizienz als den Kundennutzen, also die Geschwindigkeit und Reibungslosigkeit, mit der ein Produkt oder eine Dienstleistung beim Kunden ankommt. Im Gegensatz dazu zielt die Ressourceneffizienz im Sinne der natürlichen Ressourcen auf die Reduktion von Material- und Energieeinsatz ab. Beide Konzepte stehen seiner Ansicht nach jedoch nicht im Widerspruch, sondern ergänzen sich.
Karsten Sander erläutert, dass Lean und Ressourceneffizienz historisch eng miteinander verbunden sind. Schon in der Frühphase des Toyota-Produktionssystems war Materialknappheit ein entscheidender Antrieb für Prozessverbesserungen. Das Ziel, mit weniger Material und Energie mehr Kundennutzen zu schaffen, war also schon immer Teil des Lean-Gedankens.
Im Gespräch vertieft Götz Müller die Frage, wie wirtschaftliche und ökologische Aspekte zusammenspielen. Karsten Sander macht deutlich, dass Ressourceneffizienz kein idealistisches, sondern ein handfestes wirtschaftliches Thema ist. Material- und Energieeinsparungen senken direkt die Kosten und wirken sich auf CO₂-Bilanzen und Nachhaltigkeitsberichte aus, die zunehmend von Kunden und gesetzlichen Vorgaben eingefordert werden. Unternehmen, die ihren Ressourcenverbrauch senken, verbessern dadurch automatisch ihre Wettbewerbsfähigkeit, Resilienz und Kundenzufriedenheit – ökologische Vorteile entstünden dabei quasi „frei Haus“.
Ein zentraler Punkt im Gespräch ist die Frage, wie Unternehmen den Blick für diese Form der Ressourceneffizienz schärfen können. Laut Karsten Sander müssen die Verantwortlichen lernen, natürliche Ressourcen im gleichen Maße sichtbar zu machen wie Zeit, Kosten oder Auslastung. Er betont, dass viele Lean-Werkzeuge bereits alle notwendigen Informationen enthalten. So werden in der Wertstromanalyse Materialflüsse, Prozessschritte und Abfallsätze ohnehin erfasst – sie müssten nur gezielt im Hinblick auf natürliche Ressourcen ausgewertet werden.
Er führt weiter aus, dass auch andere Lean-Methoden, etwa das Problemlösungs- oder Fehlermanagement, starke Verbindungen zur Ressourceneffizienz haben. Jeder vermiedene Fehler spart Material, Energie und Entsorgungskosten. Ebenso wirkt die Mitarbeiterqualifizierung im Sinne der Toyota Kata positiv, weil geschulte Mitarbeitende effizienter und ressourcenschonender arbeiten.
Götz Müller hebt hervor, dass Lean-Erfolge häufig schwer in Euro auszudrücken sind, etwa wenn es um Durchlaufzeiten geht. Karsten Sander stimmt zu, dass der monetäre Effekt von Ressourceneffizienz dagegen sofort sichtbar wird: Weniger Material- und Energieverbrauch zeigt sich direkt in den Einkaufs- und Energiekosten. Diese Transparenz sei ein entscheidender Vorteil, um Lean-Maßnahmen greifbarer zu machen.
Beide Gesprächspartner betonen die Bedeutung, Ressourceneffizienz systematisch in die operative Verbesserung zu integrieren. Die Daten, so Karsten Sander, sind bereits vorhanden – sie müssen nur sichtbar gemacht werden. Er berichtet von Fällen, in denen trotz optimierter Einzelprozesse bis zu 40 Prozent der eingesetzten Materialien im Gesamtsystem verloren gingen. Erst durch eine Betrachtung der Materialbilanzen über den gesamten Wertstrom hinweg werde das volle Einsparpotenzial erkennbar.
Ein weiterer zentraler Aspekt des Gesprächs ist die Transparenz. Karsten Sander beschreibt, dass Wertstromanalysen und Nachhaltigkeitsberichte zusammen ein starkes Managementinstrument bilden. Während die Wertstromanalyse den operativen Blick liefert, schafft die Nachhaltigkeitsberichterstattung die strategische Perspektive. Beide Ansätze zusammen ermöglichen eine umfassende Sicht auf Kosten, CO₂-Bilanz und Kundennutzen. Unternehmen, die Transparenz schaffen, wissen nicht nur, was im eigenen Betrieb passiert, sondern können auch gezielt steuern, wie sie sich verbessern wollen.
Götz Müller fasst diesen Gedanken treffend zusammen, indem er feststellt, dass Transparenz im Sinne des „Learning to See“ eine neue Bedeutung bekommt: Man sieht nicht mehr nur Wartezeiten und Durchlaufzeiten, sondern erkennt den Ressourcenverbrauch als messbaren Bestandteil der Wertschöpfung. Karsten Sander ergänzt, dass die Daten meist schon vorhanden seien, man müsse sie nur neu verknüpfen und in die bestehenden Prozesse einbinden.
Am Ende des Gesprächs unterstreicht Karsten Sander das große Potenzial einer engeren Zusammenarbeit zwischen Lean-Management und Nachhaltigkeitsmanagement. Beide Disziplinen verfolgen ähnliche Ziele – Verschwendung zu vermeiden, Prozesse zu verbessern und Nutzen zu schaffen. Wenn Lean-Manager und Nachhaltigkeitsverantwortliche ihre Daten und Perspektiven zusammenführen, entstehen starke Synergien. Er warnt zugleich davor, Nachhaltigkeitsberichte ungenutzt in der Schublade verschwinden zu lassen – auch das wäre eine Form der Verschwendung.
Zum Abschluss betont Karsten Sander, dass noch viel Überzeugungsarbeit nötig sei, um Ressourceneffizienz als selbstverständlichen Bestandteil des Lean-Denkens zu verankern. Doch wenn die Zusammenhänge zwischen Kosten, Ressourceneinsatz und Kundennutzen einmal klar dargestellt werden, versteht jeder sofort den positiven Effekt.
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