Über den Wandel vom Fordismus hin zum Postfordismus (1)

Über den Wandel vom Fordismus hin zum Postfordismus (1)

Dieses Mal beschäftigt sich mein Beitrag mit dem Arbeitsorganisationswandel von starken hierarchischen Strukturen im Fordismus hin zu flexiblen Netzwerkarchitekturen im Postfordismus. Der erste Teil beschreibt die Hierarchien im Fordismus.

#leanmagazin
am 21. 07. 2021 um 04:30 Uhr in LeanMagazin von Dr. Thomas Zabrodsky


Zu Beginn möchte ich vorausschicken, dass wir heute in vielen Unternehmen beide Formen (Fordismus und Postfordismus) je nach Aufgaben gemischt oder nebeneinander vorfinden können. Bei den folgenden Beschreibungen konzentriere ich mich aber jeweils auf die dominante Form des Zeitabschnitts, um einen kurzen Überblick über die Unterschiede und die Gemeinsamkeiten geben zu können.

Hierarchien und Netzwerkarchitekturen haben zunächst gemeinsam, dass sie eine bestimmte Ordnung im Unternehmen sicherstellen sollen, um die verschiedenen Anstrengungen und Arbeitsleistungen im Unternehmen effizient auf die gemeinsamen Ziele hin ausrichten zu können.

In Hierarchien des Fordismus wird dabei eine klare Planungsdominanz von oben nach unten durchgesetzt. Die Aufgabe der Unternehmensleitung ist es, mit klaren Anweisungen (z.B. Regelungen) ein geordnetes System zu etablieren.

Dazu werden Informations- sowie Kommunikationswege eingerichtet, um die Anweisungen und die Rückmeldungen darauf transportieren zu können. Darüber hinaus gibt es klare Zuweisungen von Aufgaben und Verantwortungsbereichen. Des Weiteren übernimmt die Unternehmensleitung die Planungs-, Organisations- und Kontrollfunktion. Die Organisation ist nach dem Gedanken des „one best way“ aufgebaut. Dabei wird unterstellt, es gibt einen richtigen Lösungsweg für eine Aufgabe, der gefunden und eingehalten werden muss.

Die Mitarbeiter werden nicht als Individuen gesehen, sondern „nur“ deren Arbeitsleistung ist relevant, diese soll mit den anderen Produktionsfaktoren (z. B. Maschinen, Betriebsmittel, Rohstoffe) möglichst effizient verbunden werden.

Der Produktionsprozess kann dabei als eine optimierbare Funktion abgebildet werden. Kombiniere A mit X, um B zu erhalten. Der gesamte Prozess soll dadurch planbar, berechenbar und belieg oft wiederholbar werden. Die Transformation von Arbeitsvermögen in produktive Arbeitsleistung wird in eine lineare Beziehung gesetzt. Die vielen kleinen unabhängigen Faktoren in Unternehmen, welche nicht erfasst werden können, werden dabei nicht beachtet, da sie in ihrer Gesamtheit als nicht erfassbar und damit als nicht steuerbar gelten.

Ab Mitte des 20 Jahrhunderts beginnt sich diese Sichtweise, aufgrund der zunehmenden Komplexität in der Welt zu verschieben.

Exemplarisch stehen dafür Ereignisse wie die immer stärker werdende Globalisierung ab den 1950 Jahren, dem starken Wirtschaftswachstum in den 1970 Jahren oder dem Fall der Berliner Mauer im Jahr 1989. Dies trieb nun insbesondere zwei Überlegungen an, zum einen dass die vielen kleinen Einflussfaktoren im Unternehmen nicht unberücksichtigt bleiben können und zum anderen dass die Unternehmensleitung alleine nicht alle Prozesse selbst vollständig planen und steuern kann. Damit geht die Erkenntnis einher, dass es den einen „one best way“ nicht gibt, es aber stattdessen viele „good ways“ gibt, welche es gilt, zu finden und nutzbar zu machen.


Kommentare

Bisher hat niemand einen Kommentar hinterlassen.

Kommentar schreiben

Melde Dich an, um einen Kommentar zu hinterlassen.

Teilen

Ähnliche Inhalte

Hier findest Du weitere Inhalte zu dem von Dir gewählten Thema. Bei diesen Vorschlägen handelt es sich um eine Auswahl an Inhalten, welche wir insgesamt für Dich auf der LeanBase zur Verfügung stellen.

# 5 - Heute mal ne steile These: Nicht in Verbesserungen zu investieren, kostet die Zukunft!

# 5 - Heute mal ne steile These: Nicht in Verbesserungen zu investieren, kostet die Zukunft!

Beitrag auf LeanPublishing
am 29. 04. 2020 um 04:30 Uhr
Kanal: LeanMagazin

Wie viel Zeit verbringen Mitarbeiter eines Unternehmens mit Verbesserungen? Betriebswirtschaftlich wird eine Auslastung von 100% angestrebt – doch was kostet es eine Organisation, nicht in die...

Musik und Management - Folge 19

Musik und Management - Folge 19

Podcast auf LeanPublishing
am 10. 06. 2018 um 15:17 Uhr
Kanal: Interview mit Dr. h.c. Any Nemo

Dr. Nemo, CEO der WMIA Incorporated, lädt erneut zum Interview. Heute mal in früher Morgenstunde.Er kommt dem Interviewer in der marmornen Empfangshalle entgegen und man fährt...

Die großen Anliegen im Lean Management

Die großen Anliegen im Lean Management

Beitrag auf LeanPublishing
am 28. 10. 2020 um 04:30 Uhr
Kanal: LeanMagazin

Wer sind wir? Was wollen wir? Diese Fragen beschäftigen jedes Unternehmen von Beginn an.

Betriebsklima - Folge 6

Betriebsklima - Folge 6

Podcast auf LeanPublishing
am 10. 06. 2018 um 15:02 Uhr
Kanal: Interview mit Dr. h.c. Any Nemo

Im Folgenden hören Sie einen weiteren Mitschnitt des Interviews zum Thema zu Mitarbeiterbefragungen, Verbesserung des Betriebsklimas und zum Umgang miteinander mit dem CEO der WMIA Inc., Herrn...

Über den Wandel vom Fordismus hin zum Postfordismus (2)

Über den Wandel vom Fordismus hin zum Postfordismus (2)

Beitrag auf LeanPublishing
am 22. 07. 2021 um 04:30 Uhr
Kanal: LeanMagazin

Der Beitrag beschäftigt sich mit dem Arbeitsorganisationswandel von starken hierarchischen Strukturen im Fordismus hin zu flexiblen Netzwerkarchitekturen im Postfordismus.

Modul 2 - Teil 1: Viable System Model (Aufbau und Funktionen)

Modul 2 - Teil 1: Viable System Model (Aufbau und Funktionen)

LernModul auf LeanOnlineAcademy
30 Punkte, 250 Credits (2,50 €)
Kategorie: Viable System Model (VSM)

Das Viable System Model - Aufbau und Funktionen des „Innen & Jetzt" In diesem Modul lernen Sie alle Systeme und deren Funktionen des VSM kennen. Eine lebensnahe Einführung anhand des...

Vom Tanker zum Schnellboot - Wie der Wandel zum agilen Unternehmen gelingt

Vom Tanker zum Schnellboot - Wie der Wandel zum agilen Unternehmen gelingt

LernModul auf LeanOnlineAcademy
0 Punkte, kostenlos
Kategorie: LeanLiveStreamingDays

Agilität ist keine kurzfristige Modeerscheinung. Umso wichtiger ist es, Worthülsen mit Inhalten zu füllen. Denn nur wer versteht, was auf ihn zukommt, kann rechtzeitig und vorausschauend handeln....

21. Episode

21. Episode

Podcast auf LeanPublishing
am 20. 06. 2019 um 05:30 Uhr
Kanal: LeanTransformation

Im wirklichen Leben angekommen